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26. 11. 2014
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Helios-Bürgerbeteiligung: Keiner will ein Einkaufszentrum


02.12.2011 15:29 von:

Schlagwörter: Köln,Köln-Ehrenfeld,Helios-Gelände,2011,Dezember,Start,Bürgerbeteiligung,Werksta

Den bisweilen diffusen Bürgerprotest und die damit verbundenen Frustration über Entscheidungen im “Hinterzimmer” in vernünftige Bahnen zu lenken, ist eine große Herausforderung. Das wurde auch am gestrigen Donnerstagabend in der voll besetzten Aula des Berufskollegs an der Weinsbergstraße deutlich. Auf Einladung des Bezirksbürgermeisters Josef Wirges startete an diesem Abend die frühzeitige Bürgerbeteiligung zur zukünftigen Nutzung des Heliosgeländes, mitten im Herzen von Köln-Ehrenfeld. Die ursprünglichen Pläne des Investors und Grundstückseigentümers, eine Projektentwicklungsgesellschaft des Kölner Immobiliendienstleister Bauwens, auf dem dortigen Gelände eine 30.000 Quadratmeter Nutzfläche umfassende Einkaufs-Mall mit dem Shoppingcenter-Betreiber mfi Management für Immobilien AG zu errichten, stößt bei der überwiegenden Zahl der Einwohner auf Ablehnung. Stattdessen wünscht sich eine Bürgerinitiative eine urbane Mischnutzung auf dem Areal.

Etwas schwieriger dürfte die Nutzung des Geländes als Schule sein. Je nach Größe der angedachten Schule würden zwischen 16.000 und 25.000 Quadratmeter Grundstücksfläche benötigt, wie die Fachverwaltung ausführte. Das Areal selbst ist knappe 40.000 Quadratmeter groß. Diese und weitere Fragen sollen nun in einem festgelegten Werkstattprozess mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert und eine “konsensuale Lösung” gefunden werden. Nach zwei Werkstattrunden soll es Anfang Juni 2012 eine Abschlusspräsentation geben. Erst dann soll das Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden, so der offzielle Zeitplan. Dem verantwortlichen Bau- und Planungsdezernenten der Stadt Köln, Bernd Streitberger, schwebt dabei eine Mischung aus städtebaulichen Planungs- und Ideenwettbewerb vor. Viel interessante sei aber aus seiner Sicht die Frage nach dem Prozess bis zur endgültigen Umsetzung einer neuen Bebauung. “Als erfahrener Planer weiß man, dass die Hochglanzentwürfe aus einem solchen Wettbewerb ohnehin nicht 1:1 umgesetzt werden”, begründete der Beigeordnete seine differenzierte Sicht.

Helios – aus einem Industrieareal soll ein Zentrum werden

Das Heliosareal mit der Rheinlandhalle und dem Heliosturm hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich als Produktionsstandort für Schiffsschrauben und Leuchtturmtechnik wurde die große Halle in der Zwischenkriegszeit als Austragungsort von Radsportveranstaltungen genutzt. Nach dem zweiten Weltkrieg entstand auf dem knapp vier Hektar großen Areal eine klassische Mischnutzung, was allerdings eher weniger städtebaulichen Masterplänen als vielmehr einer allmählichen Entwicklung geschuldet war. Zur Geschichte des Areals ist erst vor wenigen Wochen ein Buch erschienen, das noch andere spannende Details offenbart (Köln Nachrichten berichtete). Das Kölner Immobilienunternehmen Bauwens erwarb das Gelände schließlich und half der Stadt nach den Worten des Bau- und Planungsdezernenten sogar aus der Patsche. Denn am Südende des Helios-Areals sollte vor noicht allzu vielen Jahren eine Tankstelle entstehen. “Eine Fehlentwicklung”, wie Bernd Streitberger einräumte. Genau aus diesem Grunde fühle er sich dem Bauherrn auch in besonderer Weise verpflichtet, wie der politische Wahlbeamte mehrfach betonte. “Sie sind nicht partikularen Gewinninteressen, sondern den Bürger der Stadt verpflichtet”, erwiderte ein kritischer Anwohner und erhielt prompt Applaus.

Die vor einiger Zeit gegründete Bürgerinitiative zum Helios-Gelände hingegen favorisiert eine lebendige Mischbebauung und könnte damit den Weg für einen gangbaren Kompromiss vorzeichnen. Die Stadt selbst hatte als Idee die Errichtung einer Schule auf dem Areal vorgeschlagen, möglicher Nutzer könnte die Uni-Schule, eine Art inklusiver Modellschule werden. Deren Vertreterin forderte sogleich die Beachtung von Aspekten der Barrierefreiheit und der Éinbeziehung aller Altersgruppen und im Ort ansässigen Ethnien. Dass die Stadt bis dato für ihre Lenkungsgruppe keinen Vertreter für den Bereich Kinder und Jugend benannt hatte, wurde von mehreren Bürgern als Aufforderung für eigene Vorschläge aufgenommen. Ob allerdings die Umwandlung in eine Parkfläche den Ambitionen von Bauherr, Stadtverwaltung und der Mehrheit der Bürger entgegen kommt, darf eher bezweifelt werden. Ein Bürger verglich die Situation vor Ort sogar mit dem Central Park in New York. Angesichts der zahlreichen im Stadtgebiet vorhandenen Grün- und Parkflächen wirkte dieser Beitrag unfreiwillig komisch. Mit Spannung wurde das Statement des Grundstückseigentümers erwartet. Unternehmenseigner Paul Bauwens-Adenauer zeigte sich jedoch zurückhaltend, was den Vorgriff auf Inhalte der kommenden Werkstattgespräche angeht. „Wichtig ist der Aspekt der Wirtschaftlichkeit“, betonte der IHK-Präsident und Immobilienunternehmer, schließlich habe man für den Erwerb des Grundstücks Kredite bei zwei Banken aufgenommen und weitere Partner ins Boot geholt, so der Bauunternehmen und IHK-Präsident.

Kritik am Verfahren

Das Verfahren selbst wurde von der Mehrheit der Anwesenden kritisch beäugt. Drei Arbeitsgruppen mit jeweils 25 Teilnehmern sollten an zwei Wochenenden die verschiedenen Aspekte (Einzel-)Handel, Bildung sowie die dritte Kategorie Wohnen, Kultur und Kreativwirtschaft. Jeder der Arbeitsgruppen trifft sich zwei Mal. Die erste Sitzung erstreckt sich über zwei Tage, das zweite Treffen geht über einen kompletten Tag und dient der Vertiefung, wie die Moderatoren des Architektur- und Planungsbüros Dewey Müller, Burkhard Dewey und Christiane Müller erläuterten. Damit auch der Blick über den Tellerrand gewahrt wird, sollen die Gruppen ab der zweiten Sitzung in ihrer Besetzung rotieren, wie die Moderatoren ausführten. Au0erdem sei man offen und wolle sich bei Bedarf auch häufiger treffen.

Trotz dieser Offenheit entzündete sich an diesem Punkt die meisten Proteste. Nach mehreren kritischen Amnregungen, doch einen vierten, offenen Workshop einzuführen, sagte die Moderaturen schließlich zu, diese Anregung nochmal in die Lenkungsgruppe zu tragen. Nach mehreren Beteuerungen, dass man dies abgelehnt habe, stellte sich zum Ende der Veranstaltung heraus, dass diese Entscheidung noch gar nicht getroffen ist. Zugleich kritisierten mehrere Bürgerinnen und Bürger, dass die Zahl der Mitdiskutierer in den Workshops mit drei mal 25 ausgesprochen gering, folglich auch wenig repräsentativ sei. Auch vor diesem Hintergrund sollte über eine thematische Ergänzung um einen offenen Workshop ernsthaft nachgedacht werden, so die Anregung der Kritiker. Öffentliche Werkstattgespräche hingegen - auch das eine Forderung aus der Mitte der Versammlung - lehnte Streitberger vehement ab. "Wenn sie das öffentlich machen, positionieren sich die Interessengruppen und dann bewegt sich nichts mehr. Wir brauchen einen geschützten Raum für solche Vorhaben", stellte der in solchen Verfahrenfragen erfahrene Baudezernent ("Bürgerveranstaltungen mache ich drei Mal pro Woche und es macht mir Spaß") klar. Der Lenkungsausschuss hingegen setzt sich vor allem mit den Regeln und Regularien der Workshops auseinander, trifft jedoch keine inhaltlichen Entscheidungen, wie die Verantwortlichen betonten. Man wolle hier vor allem ergebnisoffen die Zukunft des Stadtteils diskutieren. Hier, mehr aber noch in den Arbeitsgruppen für die Werkstattgespäche sind die Vertreter der Zivilgesellschaft überrepräsentiert, wie die Verantwortlichen betonten.

Weitere Informationen zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung für die Bebauung des Helios-Areals finden sie ab sofort auch auf der Internetseite der Stadt Köln unter: www.stadt-koeln.de.

Die Perspektive der Bürger repräsentiert die Bürgerinitiative Helios. Informationen hierzu finden sie ebenfalls im Internet unter:www.buergerinitiative-helios.de.

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