Wetter



Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter

Follow us

30. 10. 2014
Seite drucken

Infoabend im Bezirksrathaus: Eine Innovation in der Umsetzung


16.04.2011 09:12 von:

Schlagwörter: Köln,Autobahn,Einhausung,2011,April,Informationsveranstaltung,Bezirksrathaus,Lin

Dienstagabend, 18 Uhr, 7. Stock, Bezirksrathaus Lindenthal. Dort, wo sonst turnusmäßig die Sitzungen der Lindenthaler Bezirksvertretung stattfinden trafen sich rund 60 Interessierte zu einer Informationsveranstaltung des Landesbetriebs straßen.nrw. Einziges Thema ist der weitere Ablauf und Zeitplan zur Errichtung einer so genannten "Einhausung" zwischen dem Autobahnkreuz Köln-West und der Anschlussstelle Lövenich. Das derzeit mit rund 200 Millionen Euro kalkulierte Funktionsbauwerk soll einmal dem Großteil der an der Autobahn lebenden Anwohnerinnen und Anwohnern ruhigere Nächte bringen. Für die Mehrheit der mehr als 2000 Anwohner entlang der 1500 Meter langen Einhausung bedeutet die Lärmschutzmaßnahme nach den gängigen Berechnungsverfahren eine Minderung von 22 db, gefühlt rund ein Viertel der sonst üblichen Lärmemissionen an dieser Stelle. Pro Tag fahren derzeit im Schnitt 120.000 Pkw pro Tag vorbei, allzu Grund für kilometerlange Staus und lange Wartezeiten im Kölner Westen. Und der Landesbetrieb hatte mit dem Leiter der Niederlassung RheinBerg, Uwe Dewes und die beiden Projektleiter Christoph Jansen und Georg Remmen.

Seit dieser Woche nun werden 575 so genannte "Binder", Fertigbauteile aus Beton, errichtet. In ihren Fugen wird die Stahlkonstruktion aufgesetzt, auf der dann das drei Hektar Fläche große Glasdach aufgelegt wird. Die Betonteile sind nicht genormt, sondern passen sich dem Verlauf der Strecke an, müssen also individuell hergestellt werden. Die Arbeiten dieser Bausstufe werden noch bis zum Herbst dieses Jahres andauern und sollen in den Nachtstunden stattfinden, um den Autobahn offen zu halten. Für das Aufstellen der Betonpfeiler hat der Landesbetrieb für jede der beiden Fahrspuren eine Zeit von etwas weniger als drei Monate einkalkuliert. Anschließend wird der größte Teil des Glasdaches sowie die Betriebstechnik eingebaut. Erst wenn dieser Einbau abgeschlossen ist, kann das Dach der futuristisch anmutenden Konstruktion geschlossen werden. Der Zeitplan hat jedoch noch einige Unwägbarkeiten. Schon jetzt habe man unter dem strengen Winter im vergangenen Jahr gelitten. Statt Ende 2012 werden nun auch das Fertigstellungsdatum 2013 nicht mehr ausgeschlossen. Die Gesamtkosten aber bleiben im Rahmen, versicherten die Verantwortlichen.

Trotz Unmut auf den Zuschauerplätzen – gehaltvolle Frage-Antwort-Runde

Doch der Blick auf die Kosten-Nutzen-Rechnung zeigt, dass nicht alle von der geplanten Maßnahme profitieren. Ursprünglich waren mehr als 1000 Haushalte, die im Bereich des etwa 1500 Meter langen Autobahnabschnitts im Kölner Westen leben, auf passiven Lärmschutz (Schallschutzfenster und andere Maßnahmen) angewiesenen. In einem bereits Jahrzehnte andauernden Verfahren wurden verschiedene Varianten diskutiert, ehe man sich im Jahr 1999 auf ein Glasdach in einem Planfeststellungsbeschluss festgelegt. Doch nach den Tunnelunglücken in der Schweiz war es vorbei mit der billigen Variante Glasdach, die man ursprünglich für dieses Bauwerk vorsah. Und weil in Köln eine Innovation eingebaut wird, gibt es auch keine Gesetze, sondern lediglich Regeln der Technik. Und weil es die vorher noch nicht gab, ist es eine Innovation. Eine sechs Meter hohe Schallschutzmauer hätte die Zahl der Betroffenen auf 692 Haushalte gesenkt. Mit einer Einhausung wie jetzt geplant, sinkt die Zahl auf 267, wie Projektleiter Remmen erläuterte.

Besonders bitter und unglücklich verlief der bisherige Bauverlauf für die Anwohner des Schlehdornwegs. Hier wurden in den vergangenen Wochen Bäume abgehozt, die sich zwischen Autobahn und der Wohnstraße befanden. Was wie Willkür und widersinniges Verwaltungshandeln klingt, konnte schnell aufgeklärt werden und fast alle im Raum waren überrascht. Entlang der Autobahn liegt seit Jahrzehnten eine Ölleitung der Nordwestöl, wie ein Mitarbeiter des Projektteams bekannt gab. Selbst Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker und die anwesenden Bezirksvertreter hatten davon keine Kenntnis. Allerdings müssen in regelmäßigen Abständen das wuchernde Grün über der Leitung entfernt werden, wenn die Leitung Schaden zu nehmen droht. Auch die Arbeiten an einer unterirdischen Leitung der RheinEnergie in Ost-West-Richtung sind notwendig und erklärbar. Projektleiter Jansen versuchte mit dem Hinweis auf die vorgeschriebene "Ausgleichsbilanz" zu beruhigen. Zumindest räumte er ein, dass diese Aktionen "unglücklich" seien, wenn auch notwendig.

Ein Anwohner berichtete von "Schwingungen" in seinem Wohnhaus. Er wohnt in einer der betroffenen Häuser nahe der Anschlussstelle Lövenich, die weiterhin auf passiven Lärmschutz angewiesen sind. Seine Frage nach den gesetzlichen Vorgaben und den möglichen Sanktionen, wenn die nun genanten Ziele des Lärmschutzes nicht eingehalten werden, bedürften einer weiteren etwas ausführlicheren Erläuterungen durch Dewes und seine anwesenden Fachleute. Niederlassungsleiter Dewes verwies darauf, dass es Lärmschutz überhaupt erst seit 1984 gibt. In den folgenden Jahren begann der mühsame Weg dieses erst 1965 fertig gestellten Teils des Kölner Autobahnrings zu einer Lösung. Ein erstes Verfahren musste angehalten und konnte erst 1999 abgeschlossen werden. An diese Vorgaben musste sich auch der zwei Jahre später ins Leben gerufene Landesbetrieb halten und auf ihnen aufsetzen. Weil jedoch ständig neue Vorschriften zum Brandschutz erlassen wurden, mussten auch die Bauherrn ständig nachlegen.

Die Schwingungen allerdings können sich die Fachleute nicht erklären. Im Gegensatz zu auf einem festen Fundament errichteten Tunnelbauwerken sind hier die tragenden Elemente eben nicht auf einem Fundament installiert. Eine mögliche Erklärung sind die Bauaarbeiten am Untergrund, möglicherweise liegt es auch an der derzeitigen Asphaltdecke. Eine weitere Anfrage nach der Absicherung der Dauerbaustelle sowie dem Schutz vor Graffiti wurden mit Hinweis auf die üblichen Sicherheitszäune (2 Meter hoch und mit Stacheldraht bewehrt) beantwortet. Erfahrungen mit anderen Brückenbauwerken zeigen zudem, dass auch eine Gestaltung durch Jugendeinrichtungen vor Ort denkbar sei. Erfahrungen zeigen, dass solche kunstvoll gestalteten Wandverschönerungen nicht von den "freien Graffitikünstlern" übermalt werden, berichtete die Verantwortlichen.

Straßenbauer betreten Neuland

So wird das Bauwerk nach den Vorgaben eines Tunnelbauwerks errichtet, obwohl es eigentlich kein Tunnel ist. Das milchtrübe Verbundglas soll immerhin in den Tagesstunden so viel Licht durchlassen, dass auf eine Beleuchtung verzichtet. Speziell entwickelt Rauchabzugsklappen und Entlüftungstechnik, die über ein auf dem Dach montiertes Schienennetz mit speziell dafür entwickelten Betriebsfahrzeugen zugänglich gemacht wurde, sichern die Infrastruktur dieses Bauwerks. Und selbst bei geöffneter Klappe muss der Lärmschutz gewährleistet werden, beschrieben die Verantwortlichen eine der zahlreichen Herausforderungen. Um die Funktion und den Lärmschutz zu beweisen, ließ der Landesbetrieb kurzerhand eine solche technische Anlage als Prototyp errichten. Die Messungen ergaben, dass die Lüfter die Vorgaben einhielten.

Ferner müssen auch Zugänge zu den im Tunnel befindlichen Schilderbrücken eingeplant und umgesetzt werden. Die Frage nach den Betriebskosten konnten die Verantwortlichen indes nicht beantworten. Dazu werde es nach einem Jahr Betrieb eine Bestandsaufnahme geben, ob und in welchem Rhythmus die Glasflächen gereinigt werden müssen. Die Anlage verfügt neben den für Tunnel vorgeschriebenen Fluchtwegen, Warnsystemen und Sicherheitsanlagen (Videoüberwachung) auch über ein ganz besonderes Schutzsystem. Nähert sich ein Lkw mit mehr als 4,50 Meter Fahrzeughöhe wird ein Sicherheitssystem aktiviert, das den Lkw und auch den Rest des fließenden Verkehrs zum Anhalten zwingt. Sogar eine Schranke haben die Verantwortlichen eingeplant. "Das ist das modernste, was es in Deutschland gibt", so Dewes abschließend.

Zum Kommentar







Artikel Service