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Köln-Lindenthal: Mit Bürgerbeteiligung zum perfekten Radwegenetz


26.05.2011 01:21 von:

Schlagwörter: Köln,Köln-Lindenthal,2011,Mai,Radweg,Bürgerbeteiligung,Gutachten

Es war eine kleine Runde, die am heutigen Dienstagnachmittag im großem Sitzungssaal des Lindenthaler Bezirksrathauses zusammen gekommen ist. Auf der Agenda stand die Vorstellung und Präsentation eines neuen Vorhabens, das Radwegenetz in den Stadtteilen Lindenthal, Sülz und Klettenberg zu optimieren. Ein Gutachten soll bis zur Sommerpause den Bestand an Radwegen und den dazu relevanten politischen Beschlüssen von BV und Stadtrat erfassen, analysieren und in einem Handlungskonzept zusammenführen, beschrieb der stellvertretende Fahrradbeauftragte der Stadt Köln, Peter Lemke, die Aufgabe. Das soll in der Folge die radverkehrstechnischen Anlagen insgesamt verbessern helfen. Nach fünf öffentlichen Veranstaltungen mit Bürgeranregungen, den Fachausschüssen des Rates, der Bezirksvertretung Lindenthal soll das Handlungskonzept dann im Idealfall Anfang 2012 im Stadtrat verabschiedet werden, so der ehrgeizig anmutende Zeitplan. Doch angesichts steigender Radverkehrszahlen ist Eile geboten, wie der Blick auf einige Stellen zeigt. Der Umbau des Gotteswegs, die Neuregelung des Radverkehrs in Höhe der Universität, die neuen Radwege am Stadtwaldgürtel oder die Lösungen entlang der Mommsenstraße zeigen, es tut sich etwas.

Bürgerhaushalt und die Umsetzung

Einen deutlichen Schub für die bereits seit Jahren vorangetriebene Verbesserung des Wegenetzes und der Abstellmöglichkeiten (1000 Abstellplätze pro Jahr seit 2009) habe damals der Bürgerhaushalt gebracht. "An vielen Stellen haben uns die Bürger mit ihren Vorschlägen zur Verbesserung Hinweise gegeben. Und so gibt es bereits jetzt eine Fülle von Vorschlägen, wie zukünftig die Sicherheit der Radfahrer verbessert werden kann. Eine Verbesserung der Verkehrssituation auf der Berrenrather Straße ist dringend geboten und von hoher Priorität. Für die Straße Weyertal gibt es schon konkrete Planungen, die Sülzburgstraße soll auf dem Stück südlich der Berrenrather Straße für den entgegen kommenden Radverkehr geöffnet werden. An der Kreuzung Sülzburgstraße/Berrenrather Straße ist zudem ein Kreisverkehr geplant. Zudem stehen fast eine halbe Million Euro (490.000 Euro) bereit, um die Sülzburgstraße im Bereich der hohen Hausnummern zu sanieren, wie Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker einwarf. "Bei jeder anstehenden Straßensanierung überprüfen wir auch die Notwendigkeit einer Radverkehrsanlage. Aber wir müssen das im Bereich von Ampelnanlagen immer mit den Kollegen im Amt abstimmen", erklärte Lemke das interne Prozedere. So sind etwa auf der Rhöndorfer und auf der Sülzburgstraße so genannte Aufstellflächen geplant. Ähnliches ist auch ein Vorschlag für den aus Norden kommenden Verkehr auf dem Gürtel vor der Kreuzung Luxemburger Straße. So könnte der Radverkehr mit einem möglichen Schutzstreifen im weiteren Verlauf die Radfahrer noch deutlicher als bisher ins Blickfeld der Autofahrer rücken Die BV selbst hatte hierzu auf Initiative der örtlichen SPD-Fraktion bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst und die Verwaltung scheint dies zu unterstützen.

Vorreiter und Unfallschwerpunkt

Dabei ist gerade der Stadtbezirk Lindenthal mit seinen citynahen Stadtteilen Lindenthal, Sülz und Klettenberg in Sachen Radverkehr Vorreiter. Gilt für die Gesamtstadt eine Erhöhung auf einen gewichteten Radverkehrsanteil zwischen 15 und 20 Prozent, liegt er in den genannten Stadtbezirken bisweilen sogar jenseits der 25 Prozent-Marke. Allerdings bedeuten das steigende Aufkommen an Radfahrern auch eine langfristig steigende Zahl von Unfällen, was Polizei und Ordnungsverwaltung gleichermaßen auf den Plan ruft. So liegen die Stadtteile Sülz mit 54 und Lindenthal mit 63 verunglückten Radfahrern im Jahr 2010 zwar nicht an der Spitze der Statistik. Hier führt einsam der Stadtteil Ehrenfeld mit 92 Verunglückten, gefolgt von der südlichen Neustadt (90) und der südlichen Altstadt mit 69 Verunglückten. Erst vor wenigen Monaten kam ein Mädchen an der Kreuzung Gleueler Straße / Militärring zu Tode, weil sie in den toten Winkel eines Lkw geriet. Ein Blumenkranz erinnert noch heute an diesen tragischen Unfall.

Und doch gibt es weiterhin hausgemachte Schwierigkeiten. Ein im wahrsten Sinne des Wortes "verbautes" Thema ist die Zülpicher Straße. Nach dem Umbau in den 1990er Jahren ereignen sich im Bereich der dort verlegten Straßenbahnschienen immer wieder Stürze beim Queren dieser Schienen. Hinzu kommt, dass Frostaufbrüche aus dem vergangenen frühen Winter bis heute auf Reparatur warten. Der Vorschlag, den Radverkehr komplett aus der Zülpicher Straße fernzuhalten und auf Alternativ-Routen umzulenken, stieß hingegen bei der Polizei auf Ablehnung. "Das wird sich nicht durchsetzen. Radfahrer wählen in der Regel den kürzesten Weg", so ein Vertreter der örtlichen Polizeidirektion. Einige der Anwesenden äußerten Kritik an der zunehmenden Rücksichtslosigkeit der Radfahrer. Doch auch andere Verkehrsteilnehmer verhalten sich häufig genug nicht vorschriftsmäßig und bisweilen noch weniger rücksichtsvoll. Eines aber machte die Diskussion klar. "Wir müssen einen Fehler der Vergangenheit korrigieren. Radfahrer müssen wieder vermehrt auf die Straße", fordert SPD-Bezirksvertreterin Lisa Steinmann aus grundsätzlichen Ãœberlegungen. Ein Blick nach Ehrenfeld mag hilfreich sein. In der Venloer Straße haben die Umbauten und die Verlegung des Radverkehrs auf die Straße zu einer spürbaren Erhöhung der Fahrsicherheit für Radfahrer geführt. Das zumindest meinte einer der wenigen interessierten Bürger, die den Weg in den Sitzungssaal fanden.







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