Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter

Follow us

28. 07. 2014
Seite drucken

Köln: Werkstattverfahren für Nachnutzung im Georgsviertel kommt gut an


20.07.2011 03:05 von:

Schlagwörter: Köln,Waidmarkt,KAS,FWG,Anwohner,Workshop,Moderation,Konsens,Schule,Nutzung,Baugr

Am 3. März 2009 stürzte das Historische Archiv und zweieinhalb Wohnhäuser an der Ostseite der Severinstraße in die Baugrube der Nord-Süd-Stadtbahn. Auch wenn die Bergung noch nicht abgeschlossen und das Besichtigungsbauwerk zur Beweissicherung noch gar nicht im Bau ist, will die Stadt schon jetzt über die Nachnutzung nachdenken. Und das will sie gemeinsam mit denjenigen, die als Anwohner seither mit dem Krater am Nordende der Severinstraße leben müssen, den Bürgerinnen und Bürger mit Wohnsitz in der Kölner Südstadt. Nach der Auftaktveranstaltung am 12. April bereiteten die Verantwortlichen um Baudezernent Bernd Streitberger und Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes, das moderierte Werkstattverfahren zur Zukunft des Areals vor. Am vergangenen Wochenende kamen rund 60 Betroffene aus der Bürgerschaft in vier Arbeitsgruppen über die Zukunft des Areals nachzudenken. Freiräume, Nutzungen, Baukörper und schließlich auch das Gedenken an das Unglück, das am 3. März zwei junge Menschen mit den Trümmern in die Tiefe und damit den sicheren Tod riss, waren die Ãœberschriften der Workshops. Vertreter beider Seiten zogen heute ein vorläufig positives Zwischenfazit, auch wenn der Bericht zum vergangenen Wochenende noch einige Wochen auf sich warten lassen wird.

Keine Brücke über der Severinsstraße

Besonders erleichtert zeigte sich der zuständige Baudezernent über die Aussagen von Schülern und Lehrkräften zu der Fortentwicklung der beiden Gymnasien Friedrich-Wilhelm (FWG) und Kaiserin-Augusta (KAS). Obwohl beide Schulen schon seit Jahren eine intensive Zusammenarbeit pflegen, beharren sowohl Schüler als auch Lehrer auf ihre Eigenständigkeit. Dabei war schon lange geplant, dass die KAS sich räumlich nach Westen ausdehnen muss. Die Stadt sieht dazu den Bau einer neuen Dreifach-Turnhalle vor. Die soll nun – so ein vorläufiges Ergebnis der Beratungen und Diskussion zwischen den Beteiligten – einen direkten Zugang von der Severinstraße haben. Die dafür notwendige Fläche soll eine Größenordnung von 500 bis 600 Quadratmeter haben. Genau stehe das aber noch nicht fest, da man die Gesamtfläche erst noch arrondieren muss. Auf die Grundstücke der vormaligen Wohnhäuser hat die Stadt eh nur einen begrenzten Einfluss, was die Nutzung angeht. Nach Aussage von Amtsleiterin Müller hat einer der beiden Grundstücksbesitzer bereits einen Bauantrag gestellt. Sie und ihr Dezernent zeigten sich jedoch erleichtert, dass gerade die beiden Schulen ausdrücklich von der Idee Abstand nahmen, ihre Schulungen auch räumlich zu verknüpfen. "Die Adresse der KAS bleibt der Georgsplatz", gab der Beigeordnete die Meinung der beteiligten Schulvertreter wieder.

Öffentliche Nutzung und die schwierige Koordinierung zweier Bauabschnitte

Zwar gebe es noch viele Fragezeichen bei der Neubebauung des Areals, das derzeit noch Schauplatz der letzten Bergungsmaßnahmen im Untergrund ist und dessen Beweissicherungsbauwerk erst im kommenden Jahr weitere Zeitplanungen zulassen. Aber auf dem zurückliegenden, zweitägigen Workshop zeichneten sich in einigen wichtigen Punkten Konsenslösungen ab. So soll die geplante Dreifachturnhalle – geplante Fertigstellung im Jahr 2014 – durch die direkte Wegeverbindung die Schule auch nach Westen öffnen. Schwierig hingegen wird die Abstimmung zwischen städtebaulichem Ideen- und Realisierungswettbewerb. Nicht nur durch die zeitliche Differenz beider Bauabschnitte, auch durch die gängigen Vorschriften des Baurechts sorgen bei den Planungsexperten der Stadt für leichte Sorgenfalten. "Wir werden prüfen, ob wir beide Wettbewerbsverfahren miteinander kombinieren können", erläuterte Streitberger das weitere Vorgehen. Dem Verwaltungsvorstand schwebt dabei eine Art "Zwei-Phasen-Verfahren" vor. Mit der Fertigstellung der Gebäude zur Severinstraße hin rechnen die Beteiligten erst im Jahr 2018. Zu diesem Zeitpunkt soll auch die Nord-Süd-Stadtbahn endlich vollendet, das unterirdische Gleiswechselbauwerk fertig saniert und betriebsbereit und die konkrete Fundierung der Neubauten geregelt sein.

Ausgeschlossen erscheint hingegen die Idee, auf dem städtischen Areal, das ehemals Standort des Historischen Archivs war, einen Kammermusiksaal einzurichten. Auch die Idee einer Kunsthalle war für Streitberger und die Mehrheit der Workshop-Teilnehmer eher eine Minderheitsmeinung. Günstiger Wohnraum steht da eher auf der Prioritätenliste der Anwohner. Auch wenn auf dem Areal des ehemaligen Polizeipräsidiums unter anderem Eigentumswohnungen im gehobenen Preissegment geplant sind, ist für Workshop-Teilnehmerin Monika Bauer die Schaffung preisgünstigen Wohnraums in dem Neubau eine gute Option. "Die Anwohner sind für eine lebendige Nachnutzung. Früher war dieser Bereich eher unattraktiv. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden", erklärte die Anwohnerin, die sich seit 20 Jahren als "Südstädterin" bezeichnet. Im Erdgeschoss des Neubau könne man sich durchaus attraktive gastronomische Angebote, in jedem Fall aber eine öffentliche Nutzung vorstellen. Das könnten auch spezialisierte Fachhändler oder ein Handwerksladen sein. Eine Nutzung als Kiosk oder Spielhalle schloss Streitberger indes schon jetzt aus. Eine um einige Meter nach Osten versetzter Blockrandbebauung könne er sich aber auch vorstellen. "Ich sehe große Chancen", zeigte sich Bauer nach der Veranstaltung überzeugt.

Workshops als Prototyp von Bürgerbeteiligung auf Augenhöhe

"Normalerweise würden wir ein solches Verfahren an einer Stelle wie dieser nicht durchführen. Wir wollen damit der Bedeutung des Ortes Rechnung tragen", erläuterte Streitberger. Und in der Tat: Das Verfahren und die Durchführung der zweitägigen Beratungen machen Hoffnung, dass der Ort - vor dem Einsturz nicht gerade auf dem Stand des Zeitgeistes und Hort höchster baulicher Ästhetik – im Sinne moderner Stadtentwicklung "repariert wird. "Das ist ein wichtiger Schritt zur Vertrauensbildung auf beiden Seiten, der Stadtplaner und der betroffenen Bürgerschaft. Unser Ziel war es, Gemeinsamkeiten und Differenzen herauszuarbeiten. Zu vielen Punkten gibt es einen Konsens", so das vorläufige Fazit von Co-Moderator Rolf Schneidereit. "Besonders gut war die Aufklärung. Ich war anfangs ein wenig irritiert und überrascht über die Vielfalt und Vertiefung der Themen. Vielen war beispielsweise nicht klar, wie groß die Bedeutung des Beweissicherungsbauwerks für das weitere Vorgehen war", so Anwohnerin Bauer.

Streitberger versicherte dabei, dass er die Workshop-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer auch über die weiteren Schritte zeitnah informiert werden. Das war auch Bauer wichtig, "Die Prüfung der Zwischenergebnisse wurde uns zugesichert. Das ist ein guter Konsens", so die Anwohnerin stellvertretend für die Mehrheit der engagierten Bürgerschaft, die alle ein zweitägiges Block-Seminar n Stadtplanung und Baurecht mit anschließender Vertiefung über sich ergehen ließen. Grundlage für das weitere Vorgehen ist dabei der offizielle Zwischenbericht, der von den Moderatoren bis Ende September erstellt werden muss. Für die Stadtverwaltung bedeutet das, entsprechende Berücksichtigungen und Nicht-Berücksichtigungen von Vorschlägen zu begründen und dies in einer Informationsveranstaltung zu vermitteln. Die Vorschläge der Stadtverwaltung sollen noch im Herbst dieses Jahres dem Beschlussorgan Stadtentwicklungsausschuss zur Beratung vorgelegt werden, "eher November als Oktober", wie der Beigeordnete einräumte. In Sachen Gedenken fanden die Verantwortlichen Gefallen an der Idee eines "Gartens der Erinnerung". Eine simple Plakette am zukünftigen Neubau sei zu wenig. "Das ist ein besonderer Ort", so Streitberger abschließend.







Artikel Service