26. 05. 2012
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Lindenthaler Kanäle: Startschuss für ein Millionenprojekt
Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer Frerker und Dr. Joachim Bauer vom Kölner Amt für Landschaftspflege und Grünflächen eröffneten am heutigen Freitag im Beisein von mehr als 50 interessierten Anwohnerinnen und Anwohnern die Sanierungsmaßnahme "Lindenthaler Kanäle". Mit einem Investitionsvolumen von rund einer Million Euro sollen die beiden künstlichen Gewässer komplett saniert werden. Bereits am heutigen Freitag wurde deutlich, welchen Aufwand die Sanierungsmaßnahme nach sich zieht. So liegen am Grund der beiden Kanäle inzwischen zwischen 60 und 80 Zentimeter Schlamm. "Vor den Ausläufen ist es noch ein wenig mehr", erklärte der Vertreter des Bauherrn Stadt Köln, Joachim Bauer. "Dieser Kanal ist einzigartig in Köln und in ganz Deutschland", erklärte die Bezirksbürgermeisterin die Notwendigkeit der Sanierung. Immer wieder hatte es kleinere Reparaturarbeiten an den Kanälen gegeben, aber für eine umfassende Sanierung fehlte es vor allem am Geld. Nun konnte die lang ersehnte Sanierung und Umgestaltung mit Unterstützung durch Fördergelder aus dem Projekt Regionale 2010 in die Tat umgesetzt werden. Das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt dabei 80 Prozent der Investitionskosten, folglich bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 200.00 Euro.
"Die Lindenthaler Kanäle werden wieder zu dem, was die Architekten Enke und Schuhmacher ursprünglich zwischen den beiden Weltkriegen angedacht hatten, eine hochherrschaftliche Allee", freute sich die Lokalpolitikerin und mit ihr die anwesenden Anwohnerinnen und Anwohner. Die Kanäle blicken dabei in der Tat auf eine bereits mehr als einhundertjährige Geschichte zurück. Bereits zwischen 1906 und 1908 wurde in einem Bebauungsplan der Stadt das Gebiet der heutigen Kanäle beschrieben und sollte ursprünglich zu einer Art "Promenade" werden. Auch Begriffe wie "elegante Avenue" oder "schöner Spazierweg" fielen bei verschiedenen Bürgerversammlungen jener Zeit. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Nach den Plänen von Landschaftsarchitekt Fritz Schumacher wurde die Allee dann im Jahr 1925 realisiert. Zusammen haben beide Kanäle (Rautenstrauch – und Clarenbach-Kanal) eine Länge von einem Kilometer. Die Kulturgewässer sind dabei zwischen 90 Zentimeter und 1,70 Meter tief. Die beiden Kanäle sind in Höhe des Karl-Schwering-Platzes "verschwenkt". Beide künstlichen Wasserläufe zeichnen sich durch eine mehr oder weniger unterschiedliche Schwerpunktbepflanzung aus. Sind es am Rautenstrauchkanal vorwiegend Ahornbäume, säumen den Clarenbachkanal Kastanien den Grünzug.
Städtebaulich und ökologisch ist das Vermächtnis der großen innerstädtischen Grünplanung aus der Zwischenkriegszeit inzwischen so etwas wie ein Kleinod inmitten des Großstadtlärms und der Hektik. Jogger laufen hier ihre Runde, vornehme Damen und Herren aus den benachbarten bürgerlichen Wohnvierteln führen Hund und Nachmittagsgarderobe aus und auch Radfahrer nutzen die Grünradiale, um inmitten von Grün in die Stadt hinein und aus der Stadt heraus zu radeln. Die kurzzeitige Aufregung um das Fischsterben im Aachener Weiher hatte den öffentlichen Fokus auf die Probleme gelenkt, die mit künstlichen Gewässern im Laufe der Zeit entstehen können. Hierfür ist vor allem das abgelagerte Sediment, oder auch Schlamm genannt, verantwortlich. Erwärmen sich die Gewässer in Folge von Hitzeperioden, entsteht im schlammigen Untergrund eine gefährliche Mischung giftiger Bakterien. Mit einer neuen wassertragenden Decke soll der Kanal im kommenden Jahr für die nächsten Generationen ertüchtigt werden. Zugleich lässt auch das Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau die Brücken über die Kanäle instandsetzen. Insgesamt werden bei dem Projekt eine ganze Reihe nachhaltiger Maßnahmen zur Verbesserung der Wasser- und Aufenthaltsqualität miteinander kombiniert. Stationäre "Skimmer" soll das Laub von den Abläufen fernhalten, ein Siedebandrechen mit großem Schmutzbehälter soll am Ablauf zur Universitätsstraße den gleich Zweck erfüllen. Zusätzliche Pumpen sollen am Rundell in Höhe des Rautenstrauch-Kanals für sauberes Wasser sorgen. Eine so genannte Schaumsprudelfontäne soll für ausreichend Sauerstoffzufuhr sorgen.
Selbstverständlich werde man auch die Fauna der Kanäle wieder renaturieren. Schon vor Wochenfrist wurden die Kanäle auf der kompletten Länge weitgehend leer gefischt. Nach Auskunft von Josef Ludwig vom Kölner Angelverein sind bereits zwischen acht und zehn Zentner Fischbesatz aus den Kanälen eingefangen worden. Neben Karpfem und Aalen fanden sich auch "Zuwanderer" wie Giebel. Sogar einen Koj holte man aus den Netzen heraus, wie Ludwig berichtete. Die Fische wurden vom Kölner Angelverein und vom Fischereiverband in den Heider Bergsee umgesiedelt. Das größte Exemplar – ein Karpfen – wog immerhin stolze 20 Pfund, wie die Verantwortlichen berichteten. Zunächst aber muss der Schlamm abgetragen werden. Nach Auskunft Bauers wird das Bauunternehmen das Material in eigener Regie abtragen. Zwar gebe es Schadstoffe in dem schlammigen Besatz der Kanäle. Die aber seien natürlichen Ursprungs, zum Beispiel durch die im Niederschlag gebundenen Stoffe, wie der Grünexperte der Stadt betonte. Dafür habe man sich bis März Zeit gesetzt. Wenn das Wetter mitspielt, könne man die umgestalteten Kanäle bereits im Sommer kommenden Jahres wiedereröffnen, erklärte der Vertreter der Stadtverwaltung abschließend.


























