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Rita Süßmuth und Alexander Kluge zu Gast in Köln

10-03-2010 9:30:00

Prof. Dr. Rita Süßmuth und Grimme-Ehrenpreisträger Alexander Kluge im Gespräch über die Zukunft der Bildung im 21. Jahrhundert. Bild: Köln Nachrichten
Prof. Dr. Rita Süßmuth und Grimme-Ehrenpreisträger Alexander Kluge im Gespräch über die Zukunft der Bildung im 21. Jahrhundert. Bild: Köln Nachrichten :: ClickBild=Vollbild
Mit der ehemaligen Bundestagspräsidenten Prof. Rita Süßmuth und dem Fernsehjournalisten und Grimme-Ehrenpreisträger Alexander Kluge kamen gleich zwei „Hochkaräter“ in die Räume der Kölner Volkshochschule an den Mediapark. Im Veranstaltungssaal KOMED fand am gestrigen Dienstagabend ein Kolloquium mit rund 140 Gästen zu Fragen der zukünftigen Bildungspolitik statt. Anlass war die Würdigung von Kluge mit dem Ehrenpreis des Adolf-Grimme-Instituts, die der Fernseh- und Filmemacher am 26. März für sein Lebenswerk erhalten wird. Die Jury des Grimme-Instituts begründete diese Wahl mit dem Status Kluges als „Universalgenie der audiovisuellen Medien“. Sein jahrzehntelanges Wirken zeuge „von einem tiefgehenden und facettenreichen Verständnis für das lebenslange Lernen“, so die Jurybegründung. Gegenüber Köln Nachrichten bekannte der Gewürdigte, dass es ihm eher darum gehe, dass die von seiner Firma „dctp“ produzierten Filme auch tatsächlich gesehen und verstanden werden. In der Tat sind viele seiner Produktionen so etwas wie der Kampf gegen die Trivialisierung des Mediums Fernsehen, so der Fernsehmacher weiter. Seit einer Woche läuft im Programm des Kölner Fernsehsenders Vox jeden Samstagabend ab 20:15 Uhr eine vierstündige Samstags-Dokumentation. Titel in dieser Woche: Das Böse von nebenan. „Wir kämpfen da gegen Wetten, dass, DSDS und Schlag den Raab“, verdeutlicht Kluge seinen Anspruch, mit mehr Selbstbewusstsein dem Trend zur Verflachung und Vereinfachung entgegenzutreten.

Volkshochschule: Eine hochmoderne Bildungseinrichtung

„Bildung ist mehr als nur Wissen“, erklärt die amtierende Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes dvv, Prof. Rita Süßmuth, der Redaktion. Erst mit Neugier, Motivation und Emotion werden daraus Einstellungen, wie die ehemalige Bundestagspräsidentin weiter ausführte. So lassen sich VHS-Programme erklären, die eben nicht nur technische Qualifikationen, Sprachen oder Fachwissen vermitteln, sondern eben auch das „Lernen durch Begegnung“ ohne die übliche Unterrichtsatmosphäre mit strengen Lehrern im Frontalunterricht. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren eine Menge neuer Lerninhalte und –methoden eingeführt, unter anderem das so genannte E-Learning“. Aber auch neue Themen zu den Bereichen Gestalten und Gesundheit prägen das Bild einer Einrichtung, die in den vergangenen Jahren viel von ihrem angestaubten und altbackenem Image verloren hat. Alleine durch die Einführung von E-Learning haben die Volkshochschulen 20.000 neue Nutzer gewinnen können. Gerade bei der beruflichen Weiterbildung spielen die rund 1000 im dvv zusammengeschlossenen Volkshochschulen in Deutschland eine immer bedeutendere Rolle. Als Reparaturbetrieb will die Verbandspräsidentin ihre Mitglieder aber nicht verstehen, vielmehr spielt sie den Ball in Richtung Schulen zurück. „Die Elementartechniken wie Lesen, Schreiben oder der Umgang mit Zahlen sind Voraussetzung für die Umsetzung von Wissen“, wird Süßmuth deutich.

Nachholbedarf in der Zielgruppe der Migranten

So zeigte auch der Ort der Veranstaltung bereits, dass sich die Volkshochschule inzwischen zu einer hochmodernen Bildungseinrichtung für Erwachsene entwickelt hat. Eine besondere Herausforderung wird die Weiterbildung vom Menschen mit Zuwanderungshintergrund sein. Hier gibt es nach Angaben des dvv noch großen Nachholbedarf. Während in manchen Großstädten in den alten Bundesländern der Migrantenanteil bereits über einem Drittel beträgt, haben bislang in diesen Städten lediglich zehn bis 15 Prozent aller VHS-Kunden einen solchen Hintergrund. Das bezieht die Alphabetisierungskurse allerdings nicht mit ein, wie die Verbandsverantwortlichen betonten. Bei dem leidigen Thema Finanzausstattung gebe es nach Ansicht von Süßmuth positive Anzeichen. So führen die deutschen Volkshochschulen bereits rund 40 Prozent der für die Integration vorgeschriebenen Vorbereitungskurse durch, obwohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Zuschuss von anfänglich zwei auf inzwischen 2,35 Euro pro Kursteilnehmer und Stunde heraufgesetzt hat. Gerade in Großstädten sei dies für die Volkshochschulen allerdings ein Zuschussgeschäft. Kritik gab es hingegen an der Diskussion um Mehrsprachigkeit, bei der die frühere Spitzenpolitikerin der Christdemokraten auch vor ihren Parteifreunden nicht Halt macht. Viel früher müsse die Mehrsprachigkeit in der Erziehung berücksichtigt werden, das gehe schon im Kindergarten los. Hier gibt es unter den Christdemokraten große Vorbehalte. Ausgerechnet das Bundesland Hessen geht hier in der Entwicklung neuer Ansätze für die Volkshochschulen allerdings voran. Erst kürzlich schlossen das hessische Kultusministerium und eine Tochtergesellschaft des Verbandes eine Kooperationsvereinbarung zur Zertifizierung türkischer Sprachkurse, die den Teilnehmer entsprechender Veranstaltungen die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse ausweisen. „Das wollen wir forcieren“, so Süßmuth abschließend.

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