Rita Süßmuth und Alexander Kluge zu Gast in Köln
10-03-2010 9:30:00
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| Prof. Dr. Rita Süßmuth und Grimme-Ehrenpreisträger Alexander Kluge im Gespräch über die Zukunft der Bildung im 21. Jahrhundert. Bild: Köln Nachrichten :: ClickBild=Vollbild |
Volkshochschule: Eine hochmoderne Bildungseinrichtung
„Bildung ist mehr als nur Wissen“, erklärt die amtierende Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes dvv, Prof. Rita Süßmuth, der Redaktion. Erst mit Neugier, Motivation und Emotion werden daraus Einstellungen, wie die ehemalige Bundestagspräsidentin weiter ausführte. So lassen sich VHS-Programme erklären, die eben nicht nur technische Qualifikationen, Sprachen oder Fachwissen vermitteln, sondern eben auch das „Lernen durch Begegnung“ ohne die übliche Unterrichtsatmosphäre mit strengen Lehrern im Frontalunterricht. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren eine Menge neuer Lerninhalte und –methoden eingeführt, unter anderem das so genannte E-Learning“. Aber auch neue Themen zu den Bereichen Gestalten und Gesundheit prägen das Bild einer Einrichtung, die in den vergangenen Jahren viel von ihrem angestaubten und altbackenem Image verloren hat. Alleine durch die Einführung von E-Learning haben die Volkshochschulen 20.000 neue Nutzer gewinnen können. Gerade bei der beruflichen Weiterbildung spielen die rund 1000 im dvv zusammengeschlossenen Volkshochschulen in Deutschland eine immer bedeutendere Rolle. Als Reparaturbetrieb will die Verbandspräsidentin ihre Mitglieder aber nicht verstehen, vielmehr spielt sie den Ball in Richtung Schulen zurück. „Die Elementartechniken wie Lesen, Schreiben oder der Umgang mit Zahlen sind Voraussetzung für die Umsetzung von Wissen“, wird Süßmuth deutich.
Nachholbedarf in der Zielgruppe der Migranten
So zeigte auch der Ort der Veranstaltung bereits, dass sich die Volkshochschule inzwischen zu einer hochmodernen Bildungseinrichtung für Erwachsene entwickelt hat. Eine besondere Herausforderung wird die Weiterbildung vom Menschen mit Zuwanderungshintergrund sein. Hier gibt es nach Angaben des dvv noch großen Nachholbedarf. Während in manchen Großstädten in den alten Bundesländern der Migrantenanteil bereits über einem Drittel beträgt, haben bislang in diesen Städten lediglich zehn bis 15 Prozent aller VHS-Kunden einen solchen Hintergrund. Das bezieht die Alphabetisierungskurse allerdings nicht mit ein, wie die Verbandsverantwortlichen betonten. Bei dem leidigen Thema Finanzausstattung gebe es nach Ansicht von Süßmuth positive Anzeichen. So führen die deutschen Volkshochschulen bereits rund 40 Prozent der für die Integration vorgeschriebenen Vorbereitungskurse durch, obwohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Zuschuss von anfänglich zwei auf inzwischen 2,35 Euro pro Kursteilnehmer und Stunde heraufgesetzt hat. Gerade in Großstädten sei dies für die Volkshochschulen allerdings ein Zuschussgeschäft. Kritik gab es hingegen an der Diskussion um Mehrsprachigkeit, bei der die frühere Spitzenpolitikerin der Christdemokraten auch vor ihren Parteifreunden nicht Halt macht. Viel früher müsse die Mehrsprachigkeit in der Erziehung berücksichtigt werden, das gehe schon im Kindergarten los. Hier gibt es unter den Christdemokraten große Vorbehalte. Ausgerechnet das Bundesland Hessen geht hier in der Entwicklung neuer Ansätze für die Volkshochschulen allerdings voran. Erst kürzlich schlossen das hessische Kultusministerium und eine Tochtergesellschaft des Verbandes eine Kooperationsvereinbarung zur Zertifizierung türkischer Sprachkurse, die den Teilnehmer entsprechender Veranstaltungen die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse ausweisen. „Das wollen wir forcieren“, so Süßmuth abschließend.
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