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30. 10. 2014
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Schmidt-Show: Ein Moderator bleibt sich treu


14.09.2011 00:59 von:

Schlagwörter: Köln,Sat.1,Harald Schmidt,Talkshow,2011,September,Premiere,Kritik,Latenight,Come

Der Grandseigneur und Großmeister der "Late-Night” Harald Schmidt hat am heutigen Dienstag Premiere im Fernsehen gefeiert. Nach seinem Ausscheiden aus dem ARD-Programm versucht sich der Namensgeber der neuen Sendung erneut auf dem schwierigen Sendeplatz "Late-Night". Der Anfang verlief vielversprechend, ganz im Gegensatz zu seinem ehemaligen Mitarbeiter Oliver Pocher, der mit seiner Personality-Show auf dem Freitagabend-Sendeplatz die Quotenerwartungen seines Arbeitgebers zuletzt regelmäßig unterbot, trotz teurer Acts und hochkarätiger Gäste. Einzig neu an der Sendung ist das Timing. Statt des täglichen Formats beschränkt sich der inzwischen weißhaarige, aber unverändert spitzzüngige Moderator auf zwei Sendetermine pro Woche. Und das könnte auch dem Late-Night-Format in seiner klassischen Ausprägung wieder zu vormaliger Resonanz verhelfen.

Dass Schmidt nach dem Intermezzo im Ersten kehrt der in Köln lebende Fernsehschaffende nun wieder an den Ort seiner legendären Epoche zurück. Dort hatte er sich den Markennamen "Dirty Harry" den Ruf des Berufszynikers erarbeitet. Zugleich startete er das eine oder andere Experiment, wo er auch mal eine halbe Sendung im Dunkeln verbrachte. Bei der ARD zeigte sich Schmidt zuletzt deutlich zurückhaltender, die Trennung erfolgte nach damaliger Sachlage in gegenseitigem Einvernehmen. Und nach einer schöpferischen Pause kehrte er nun wieder zu dem Sender zurück, der ihm in den Jahren 1995 bis 2003 ebenfalls in Köln produziert die Hochphase deutscher Late-Night-Kultur einläutete. Die Erwartungen an die neue Sendung waren folgerichtig groß.

Mit jeder Menge flotter Sprüche und einer ironisch und bisweilen zynischen Sichtweise auf die Dinge, die die Welt oder auch nur die eigene Branche bewegen, überbrückte der Rückkehrer die ersten Minuten. Eine erste Ãœberraschung war der Kurzauftritt von Olli Dietrich in schwarzem Anzug und Designer-Brille. Sein Einsatz als Stichwortgeber und Gag-Lieferant erinnerte an die Hochzeiten der Schmitt-Show und die Dialoge mit seinem damaligen Co-Moderator Manuel Andrack. Kurz, knapp und knackig wurde in feinster Ironie so verschiedene Themen wie Ballack oder Pinocchio (arbeitet jetzt bei der NASA) angewickelt.

Kurzweilig auch das Gespräch mit Talkgast Hape Kerkeling. Die angekündigte Ãœberraschung des Schauspielers und erfolgreichen Buchautors entpuppte sich als Talkgast-Auftritt beim NDR-Format Tietjen & Hirschhausen, wurde aber mit dem Hinweis auf eine Intendantenkonferenz seines Gastgebers ins komische Licht gerückt. Auf den Satz "Ich habe Rücken" des Gastes konterte der Gastgeber mit dem Hinweis: "Ich habe Vertrag!". Und auch der Ausflug in die gemeinsame Zeit der Dreharbeiten zum ZDF-Dauerbrenner "Traumschiff" war angenehm kurzweilig. Die Talkgäste fügten sich nahtlos in das positive Gesamtbild der ersten Sendung ein. Sogar die Freunde des Fernseh-Experiments kamen auf ihre Kosten. Zunächst wandelte eine Muammar al Gaddafi nicht unähnliche Figur im Hintergrund durch das Kamerabild. Sekunden später schoben sich zwei Statisten südländischen Aussehens durchs Bild, von denen einer einen Verwunderten verkörperte. Weil diese Szenerie eben nicht süffisant kommentiert oder durch einen flachen Kalauer gedemütigt wurde, war sie selten komisch und doch hintersinnig. Selbst der angeblich missratene Eröffnungs-Gag mit dem Chef der Begleitband Helmut Zerlett wirkte gewollt, aber kaum weniger komisch. Der inzwischen 54-Jährige ist halt ein Meister seines Fachs, die Lehrjahre auf der Kleinkunstbühne des Kabarettisten wirken hier nach. Und weil ein Showmaster eben auch Raum für Eigenlob übrig haben sollte, erklärte Schmitt über seine neue Sendung, die so neu nicht erschien. "Hier stimmt das Timing!". Für seine eigene Premiere auf Sat.1 hatte er damit wohl Recht.







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