26. 05. 2012
Seite drucken
Kölner Medienkonzern erwirbt Berliner Zeitung
Die Kölner Zeitungsgruppe Du Mont-Schauberg wird für die Übernahme der in der Mecom-Gruppe des britischen Finanzinvestors David Montgomery zusammengefassten deutschen Zeitungstitel einen Kaufpreis in Höhe von 152 Millionen entrichten. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in London ist zuletzt in finanzielle Schieflage geraten, mit dem Verkaufserlös will der britische Investor einen Teil seiner Schulden abbauen, hieß es dazu weiter. Größtes Einzelobjekt aus dem erworbenen Zeitungsbestand ist die Berliner Zeitung. Zudem gehören auch die Boulevard-Zeitung "Hamburger Morgenpost", der "Berliner Kurier", das Stadtmagazin "Tipp" sowie das Internetportal Netzeitung.de zum Portfolio des Medienunternehmers. Seinen ursprünglichen Plan, die erworbenen Titel zu einer schlagkräftigen Mediengruppe auszubauen, sind nunmehr allerdings gescheitert.
Die Übernahme des Berliner Verlages vor rund drei Jahren hatte bundesweit für großes Aufsehen gesorgt. Die Übernahme war die erste eines Finanzinvestors auf dem deutschen Markt. In der Folge äußerten Experten immer wieder Kritik an den harten Renditevorgaben aus London. Ein weiterer Kritikpunkt war die Personalpolitik Montgomerys, den damaligen Chefredakteur der Berliner Zeitung, Josef Depenbrock, gleichzeitig zum Geschäftsführer des Verlages zu befördern. Die deutschen Titel der Mecom-Gruppe kommen bundesweit auf rund eine halbe Million Leser. Nach Medieninformationen plagten den börsennotierten Medienkonzern zuletzt Schulden in einer Gesamthöhe von über 660 Millionen Euro. Die Mecom-Gruppe besaß vor dem Verkauf europaweit rund 300 unterschiedliche Medientitel. Der Kölner Medienkonzern Du Mont Schauberg baut mit dem Zukauf seine Position als eine der großen Verlagsgesellschaft in Deutschland weiter aus. Neben den Kölner Lokalmedien hält die Verlagsgruppe zudem die Mehrheit an der Frankfurter Rundschau (seit 2007), der Mitteldeutschen Zeitung sowie der israelischen Tageszeitung Haaretz.
Wie die Nachrichtenagenturen weiter berichteten, sollen die rund 900 Mitarbeiter der deutschen Mecom-Titel in den Du Mont-Konzern übernommen werden. Kritik äußerten die Arbeitnehmervertreter nach Bekanntwerden der Übernahme an möglichen Plänen, den derzeitigen Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Uwe Vorkötter, auch mit der publizistischen Verantwortung für die Berliner Zeitung zu betrauen. Diese Pläne sind allerdings zur Stunde nicht bestätigt. Die künftige Zusammenarbeit der verschiedenen Redaktionen wird vonseiten der Gewerkschaften als Risiko eingestuft. Der neue Kölner Eigentümer sieht die Übernahme hingegen als Fortsetzung des eingeschlagenen Expansionskurses.

























