26. 05. 2012
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Zeitungen setzen auf Facebook, Twitter und Mobile
Die Zukunft der Zeitungen: das war das Thema der elften Kongressveranstaltung des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ), die am gestrigen Mittwoch in der Bundeshauptstadt Berlin stattfand. Die rasante Entwicklung mobiler Anwendungen, die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung der Arbeitswelt, neue Konkurrenten auf dem Markt der Informationsvermittlung und/oder der zielgerichteten Kommunikation sowie nicht zuletzt das Schreckgespenst des sich innerhalb der Verlage "selbst kanibalisierenden" Internets. Das Medium, das während der ersten Internetwelle zum Jahrtausendwechsel vom Schwimmbecken von "freaks" und "nerds" zum respektablen und inzwischen mit der Silbermedaille des Werbemarktes ausgezeichneten Massenmediums wurde, setzte vor allem den Zeitungsverlegern zu. Hauptgrund dafür ist die "Umsonst"-Kultur, erklärbar aus dem Nutzerverhalten. Warum sich umständlich oder gar kostenpflichtig anmelden, wenn die gesuchte Information nur einen kurzen Umweg über eine Suchmaschine zwei Klicks mit der Maustaste verfügbar ist.
Doch die erste Schockwelle der Jahrtausend-Hausse ist inzwischen längst Geschichte und Wendepunkt. Auch die Zeitungsverleger haben längst damit begonnen, reichweitenstarke Internet-Portale aufzubauen oder zu übernehmen. Beispiel: Immobilienkleinanzeigen. Das frühere Kerngeschäft der Zeitungen. Man denke an die Wohnungsnot der 1980er Jahre und den turnusmäßigen Massenauflauf vor dem Verlagsgebäude des Kölner Verlagshauses DuMont. Damals versuchten bisweilen Hunderte von Menschen, einen schnellen Blick in die Kleinanzeigen zu werfen und damit möglicherweise eine Stunde vor den anderen beim potenziellen Vermieter zu sein. Dank der großen Internetportale geht das heute schneller und (immer noch) deutlich günstiger für Makler und Anbieter. Immonet (Axel Springer AG) und Immowelt (Holtzbrinck-Beteiligung) waren die ersten, einige Jahre später folgten weitere Meilenstein wie die Gründung von Kalaydo (rheinische Verlagshäuser um DuMont und Rheinische Post<). Die Zeitungsverlage haben längst das Medium Internet zum festen Bestandteil ihres Geschäftsmodells gemacht. Doch der Versuch, das traditonelle "duale" Geschäftsmodell aus dem bedruckten Bereich in das World Wide Web zu pflanzen, war bislang nicht wirklich von Erfolg gekrönt.
Dank App und Apple und dem erneuten technologischen Sprung in Richtung "mobile business" steht die Verlagsbranche nun vor neuen Herausforderungen und wieder müssen die Verantwortlichen nach Zeitung und Internet ein völlig neues Vokabular erlernen. Dass die Verleger auch diese Herausforderung längst angenommen haben, zeigte der Kongress am gestrigen Dienstag. Smartphones und Tabloid-PC versprechen in den kommenden Jahren die höchsten Zuwachsraten. Mobile und bewegte Werbung klingt nach Zukunftsmusik. Aber dank Hochgeschwindigkeitsnetzen, wie es zuletzt in Köln freigeschaltet wurde, sind auch diese Visionen längst Wirklichkeit. Immer häufiger beobachtet man Personen, die mit seinem Sport-Abo Spezial und dem Apple iPhone in einem Brauhaus während des Feierabendbiers eine Live-Übertragung seiner Lieblingsmannschaft anschauen. Oder während des Shoppings nach Coupon-Gutscheinen in der Nachbarschaft recherchiert. Die neuen Geschäftsmodelle und Business-Lösungen sind längst auf dem Markt und dank eines breiten Spektrums an entsprechenden "apps" (Anwendung) für immer mehr verfügbar.
Die anwesenden Verlagsmanager und Chefredakteure - derer rund 300 - gaben sich nach der Veranstaltung betont zuversichtlich, wie der organisierende Verband der Deutschen Zeitungsverleger am gestrigen Mittwoch bekannt gab. Mit dem offensiven Ausbau mobiler Anwendungen auf Smartphones und Tablett-PCs sowie dem konsequenten Einsatz von sozialen Netzwerken wie Facebook wollen die Zeitungen ihre Position im hart umkämpften Informations- und Kommunikationsmarkt ausbauen. Dies ist die Kernbotschaft des Kongresses "Zeitung online", den der BDZV und der Weltverband der Zeitungen (WAN-IFRA) in Potsdam veranstaltet haben. Der neue "run" auf mobile Anwendungen wird jedoch heutzutage nicht als Bedrohung, sondern als Chance gesehen, der Optimismus überwiegt. "Die Zeitungen profitierten vom Online-Boom", sprach BDZV-Vizepräsident Richard Rebmann Anwesenden Mut zu.
Jeder dritte Internetnutzer sei regelmäßig auf den Onlineangeboten der Zeitungen. Doch sei es bisher nicht gelungen, diese hohe Akzeptanz zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen. Mut sprach auch der bekannte US-Medienexperte Ken Doctor zu. Verlage könnten bei dieser Entwicklung sogar zu den Gewinnern gehören. Das aber setze voraus, dass "die Zeitungen die Stärke ihrer Marken ausschöpften und die Möglichkeiten im Nutzer- und Werbemarkt besser ausnutzten. Der Erfolg gehöre Verlagen, die auf allen Kanälen - Print, Online, Mobil - exzellente Produkte hätten und sich im Werbemarkt - auch im Lokalen - als Fullservice-Agentur aufstellten", so das Patentrezept. Damit ließen sich sogar die lokalen Netzwerk auf den Social-Media-Plattformen effizienter nutzen.


























