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27. 08. 2014
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NDR-Sendung klagt Informationsgehalt von Doku-Soaps der Privatkonkurrenz an


10.07.2011 10:44 von:

Schlagwörter: Köln,Doku-Soap,2011,Juli,Ausstrahlung,Panorama,Kritik,Informationsgehalt,Landesm

Der Norddeutsche Rundfunk NDR hat im Rahmen seiner Berichterstattung des Verbraucher- und Politmagazins "Panorama" Kritik hervorgerufen. RTL-Pressesprecher Christian Körner hatte im Vorfeld angemahnt, dass die Verantwortlichen der Sendung sich wohl mit der Programmkennzeichnung vertan haben. Die Kritik äußerte Körner gegenüber dem Branchendienst turi2. Im Kern ging es um die Bezeichnung "Lügenfernsehen", ausgestrahlt wurde sie am gestrigen Donnerstagabend ab 21:45 Uhr.

Die Redaktion des Politikmagazins "Panorama" sei "in Sachen Kennzeichnung von Programmen wohl selbst durcheinandergekommen", hatte RTL-Sprecher Körner angemerkt. Die Verantwortlichen des ARD-Senders sahen das anders. "Offenbar hat die Ankündigung des 'Panorama'-Spezials einen Nerv getroffen. Allerdings hätte sich der RTL-Kollege die Mühe machen sollen, unsere Pressemeldung genau zu lesen. Der Absatz, auf den sich der Kollege Körner bezieht, hat die Programmanalysen von Prof. Hans-Jürgen Weiß und seines Institutes ('Göfak') für die Landesmedienanstalten zum Thema - ihnen und nicht der AGF obliegt die Aufsicht über die Privatsender", so die Stellungnahme von Ralf Martin Müller, Projektverantwortlicher für Ökobilanzierungen bei TÃœV Rheinland.

Medienforscher Weiß betrachtet alle Sendungen durch die Brille des Zuschauers, der auch nicht anhand von AGF-Tabellen entscheiden kann, ob etwas Unterhaltung oder Information ist. Wörtlich heißt es in der 'Panorama'-Meldung: Erst seit kurzem ordnet Weiß sogenannte 'Scripted Reality' nicht mehr als Publizistik, sondern konsequent als Unterhaltung ein. Prompt sank zum Beispiel der gemessene Informationsgehalt der RTL-Tochter Vox von 27 Prozent auf 15 Prozent.'!Verständlich, dass man sich nicht gern einen solchen Spiegel vorhalten lässt", so der Kommentar von Müller. Zwar versicherte der Kölner Sender, dass die Reality-Soaps keine zuvor detailliert abgestimmten Drehbücher gegeben. Trotz agieren die meisten Darstellerinnen und Darsteller in diesen Sendung wie mehr oder weniger begabte Schauspieler. RTL-Sprecher Körner betonte jedoch bereits im Mai dieses Jahres, dass sich der Sender an die Vorgaben der Genehmigungsbehörden hielten. Zunächst bedient sich der Sender verschiedenen Produktionsfirmen, zum zweiten seien die in der Sendung beanstandeten Fälle bereits drei bis vier Jahre zuvor ausgestrahlt worden, hatte Körner die Kritik des NDR zurückgewiesen.

Solche Geschichten haben "Panorama"-Reporterin Anja Reschke und ihr Team bei ihren Recherchen zum "Lügenfernsehen". Scheinbare Realitäten entpuppen sich als Inszenierung. Manchmal kennzeichnen die Sender solche Flunkereien im Abspann, etwa als "Scripted Reality", manchmal auch nicht. Der Erfolg gibt den Machern Recht. Wenn "Information" im Privatfernsehen geschaut wird, dann ist es immer mehr solches Infotainment. Für die Landesmedienanstalten - sie sollen die Privatsender kontrollieren und deren Informationsanteil messen - ein heikles Thema. Weiß und sein Institut ("Göfak") erstellen seit 1997 Programmanalysen für die Landesmedienanstalten. Selbst den Experten fällt es schwer zu unterscheiden, welche Formate noch echt sind und welche nicht. Dabei ist die Neueinordnung nur begrenzt möglich, weil die Sender nicht alle der fraglichen Sendungen besonders kennzeichnen, etwa als "Schauspiel". Ungekennzeichnete Sendungen wie "Mitten im Leben" hübschen so weiter die Statistik auf - als "Publizistik". Dass Fiktion und Realität immer mehr vermischt wird, betrachtet Weiß als "Täuschung" der Zuschauer.

Die Kritik an diesen Formaten machen sich inzwischen auch Politiker zu eigen. So hat sich inzwischen der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen distanziert zum Privatfernsehen geäußert. "Was die Privaten eben nicht einhalten, ist ihre Funktion in einer Demokratie. Wir können es uns nicht leisten, nur durch ein Schlichtprogramm zu informieren", so Börnsen. Der CDU-Politiker fordert eine Ãœberarbeitung des bisherigen Kontrollsystems der Landesmedienanstalten. Die genannten Formate nannte Börnsen "Falschdokus" und fordert eine härtere Gangart. "Sie werden noch in dieser Legislaturperiode erfahren, dass wir mit einem Maßnahmenkatalog an die Öffentlichkeit treten, um nichtvertretbare Auswüchse zu ändern", so Börnsen weiter. Auch Ex-Bundesminister Christian Schwarz-Schilling kritisierte die Entwicklung bei den Privaten. "Wenn TV nicht mehr glaubwürdig ist, könne das "eine Gesellschaft in eine chaotische und falsche Richtung bringen", so der Ex-Minister. Allerdings hat der Bund im Bereich der Medienpolitik kaum Einfluss, Medienpolitik ist Ländersache. Eine Initiative müsste folglich von den Bundesländern kommen.







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