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31. 07. 2014
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NRW: Medienwächter über die Grenzen des Fernsehen


21.07.2011 22:52 von:

Schlagwörter: Köln,Düsseldorf,RTL,Super Nanny,Gutachten,LfM,Grundsatzurteil,Menschenrechte,Sel

Die Medienwächter der Landesanstalt für Medien NRW sind besorgt über die Qualität der ausgestrahlten Fernsehinhalte. Ziel der jüngsten Analyse und der daraus folgenden Kritik sind Formate, deren Protagonisten zum Objekt einer öffentlichen Zurschaustellung werden, die den Grundsätzen der Menschenwürde widersprechen. Das war auch Inhalt eines neuen Gutachtens das die LfM NRW am gestrigen Mittwoch in Düsseldorf vorgestellt hatte. Die Landesanstalt strebt dabei ein Grundsatzurteil an, um genau diesen Sachverhalt abschließend klären zu lassen. Ein möglicher Fall stammt aus der RTL-Dokusoap "Die Super Nanny". Wie LfM-Direktor Jürgen Brautmeier gegenüber dpa bestätigte, gehe es in diesem Präzedenzfall um eine Mutter, die ihre fünfjährige Tochter mehrfach vor laufenden Kamera beschimpft und geschlagen hatte. Selbst Katharina Saalfrank soll das in ihrer als "Misshandlung" bezeichnet haben.

Dabei ist es gerade in neuen Formaten schwierig und für die Beteiligten geradezu unmöglich, die Folgen einer Ausstrahlung mit Details aus ihrem Privatleben abschätzen zu können. Die Menschenwürde ist dabei in den Regularien der Medienwirtschaft eigentlich umfänglich geregelt. Im Rundfunkstaatsvertrag (RStV) und dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) ist der Grundsatz der Einhaltung jener Menschenwürde verankert. Das aber muss nicht zwangsläufig mit den "Grenzen des Guten Geschmacks" übereinstimmen. Beruht die Teilnahme an Doku-Soaps oder anderen Formaten auf Freiwilligkeit, sind den Medienwächter ohnehin die Hände gebunden. Bei bereits etablierten Formaten könne die Landesanstalt gar nicht eingreifen. Anders aber sieht es mit Formaten aus, Die neu auf den Markt kommen. Hier sei es den Kandidatinnen und Kandidaten, die als Darsteller gezeigt werden, kaum möglich, die externen Effekte abzuschätzen. Der Grundsatz der "Selbstbestimmung" sei folglich schwer nachzuvollziehen, hieß es in dem Gutachten.

Das Gutachten sollte auch bei der Landesanstalt selbst für Klarheit sorgen. "Das Gutachten ist für uns eine gute Basis, um bei künftigen Fällen, gerade bei neuen Formaten, in dieser Hinsicht deutlicher Position zu beziehen", erklärte Brautmeier nach Vorlage des Gutachtens. Dabei wurden vor allem die Fälle unter die Lupe, die nach Einschätzung der Medienwächter bislang gegen Selbstbestimmung und Menschenwürde verstießen. Dabei nahmen sich die Gutachter auch die dazu relevanten Gerichtsurteile sowie Fachliteratur vor. "Die Medienaufsicht sollte sich nicht scheuen, in Zweifelsfällen vor Gericht durch alle Instanzen zu gehen, damit es zukünftig mehr Klarheit darüber gibt, was erlaubt ist und was nicht", so der LfM-Direktor weiter. Der Kölner Sender hatte sich nach Darstellung der LfM bisher gerichtlich gegen die förmliche Beanstandung gewehrt.

Das Gutachten gibt es in gebundener Form. Nadine Klass: Unterhaltung ohne Grenzen? Der Schutzbereich der Menschenwürde in den Programmgrundsätzen der Medienstaatsverträge. Berlin (Vistas), 2011. Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), Band 69, 148 Seiten, ISBN 978-3-89158-554-2, Preis: Zwölf Euro.







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