60.000 Unterschriften für neues Kommunalwahlrecht
18-03-2008 00:00:00
Allerdings fehlen den Initiatoren der Aktion noch rund 6000 Unterschriften, wie der Verein am heutigen Dienstag bekannt gab.
Im Kern geht es dabei um die Möglichkeit, bei zukünftigen
Kommunalwahlen seine Stimmen auf einen oder mehrere Kandidaten bzw.
Parteien aufzuteilen. Experten nennen dieses Prinzip „Kummulieren“ und
„Panaschieren“. Die Praxis der Stimmgewichtung und –aufteilung ist in
den Kommunalwahlgesetzen von Baden-Württemberg und Bayern bereits seit
mehr als fünf Jahrzehnten bewährte Praxis. Inzwischen wird das
Kummulieren und Panaschieren in 13 der 16 Bundesländer praktiziert.
Die Zeit für das Erreichen des erforderlichen Wählerquorums liegt
jedoch bei 66.152 Unterschriften. Dabei bleiben den Organisatoren nur
noch wenige Tage Zeit, da die geleisteten Unterschriften nicht länger
als ein Jahr gültig bleiben, hieß es dazu weiter. Ziel der
NRW-Volksinitiative ist, dass die Wähler bei Kommunalwahlen in NRW in
Zukunft die Möglichkeit erhalten, bis zu drei Stimmen auf einen
Kandidaten zu konzentrieren oder Stimmen auf Bewerber verschiedener
Parteien zu verteilen. Durch diese Wahlrechtsänderung können Wähler
zukünftig die Reihenfolge der Mandatsbewerber auf den Vorschlagslisten
der Parteien noch einmal ändern.
„Wenn der Zuwachs an Unterschriften auf dem derzeitigen Niveau bleibt,
schaffen wir die Hürde“, gibt sich Alexander Slonka, Vertrauensperson
der Volksinitiative, zuversichtlich. Mit insgesamt rund 100
ehrenamtlichen Unterstützern aus dem ganzen Bundesgebiet sammelt er
seit Anfang März in Düsseldorf jeden Tag Unterschriften für das mit der
Volksinitiative vorgeschlagene kandidatenbezogene Wahlrecht. „Alleine
am Samstag haben über 1.600 Leute unterschrieben“, freut sich Slonka.
Unter den ehrenamtlichen Unterschriftensammlern ist auch Ramona Pump
aus Hamburg. Der dortige Landesverband von Mehr Demokratie hat gerade
zum zweiten Mal eine Volksinitiative für ein demokratischeres Wahlrecht
in der Hansestadt eingereicht. „Die CDU hat das bei uns 2004 per
Volksentscheid eingeführte Wahlsystem in Teilen wieder ausgehebelt“,
erklärte Pump den neuen Anlauf. Obwohl „amputiert“ habe das neue
Wahlrecht bei der Bürgerschaftswahl vor drei Wochen aber Wirkung
gezeigt. „40 Prozent der Wähler haben gezielt Kandidaten aus den
Parteilisten ausgewählt“, so die 28-jährige Demokratiekämpferin, die
bereits im vergangenen Jahr auf einer Radtour durch NRW mehr als 2.000
Unterschriften für die hiesige Volksinitiative gesammelt hatte.
Selber gar nicht in Deutschland wahlberechtigt, aber für die
Volksinitiative in Düsseldorf auf der Straße, ist auch Olga Molnar. Die
junge Russin hatte Mehr Demokratie im vergangenen Jahr auf der Kasseler
Documenta kennen gelernt, als dort für die Unterstützung einer Aktion
des Vereins in Hamburg geworben wurde. Jetzt hofft sie, zum Erfolg der
Volksinitiative in NRW beisteuern zu können. Ob der Wunsch in Erfüllung
geht, wird nach Ostern feststehen.
Wie sie die Initiative unterstützen können, erfahren Sie auf der Kampagnen-Homepage unter: http://www.neues-wahlrecht.de.
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