Kampagne für kommunales Wahlrecht von Migranten aus Nicht-EU-Ländern gestartet
24-09-2007 00:00:00
„Die Ankündigung der Bundesregierung, einen Prüfauftrag zur Einführung
eines solchen Wahlrechts war eine Steilvorlage für diese Kampagne“,
erklärte der Vorsitzende des Kölner Integrationsrates Tayfun Keltek.
Dabei weiß er neben den Partnern der Kampagne auch die Mehrheit der
politischen Parteien hinter sich. In der vergangenen Woche beschloss
der Kölner Stadtrat, einen entsprechenden Vorstoß in Richtung
Landesregierung ausdrücklich zu unterstützen.
Einzig die Christdemokraten entzogen dem Vorstoß des Kölner
Kernbündnisses ihre Zustimmung, eine Entscheidung, die Keltek bedauert.
„Für die Entscheidung der CDU gab es keine Begründung, ich hoffe sehr,
dass die Partei ihre Meinung ändert“, so Keltek. Ausdrückliches Lob
erhielt dagegen der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma für sein
Abstimmungsverhalten. Entgegen dem Willen seiner Partei stimmte das
Kölner Stadtoberhaupt für den Antrag, die Landesregierung dazu
aufzufordern, das kommunale Wahlrecht für diese Bevölkerungsgruppe
einzuführen.
Vielfältige Gründe für die Einführung des kommunalen Wahlrechts
Keltek, der gleichzeitig auch im Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft
der Migrantenverbände (LAGA) aktiv ist, begründete den Vorstoß mit dem
Hinweis, die Migrantinnen und Migranten müssten endlich auch
Verantwortung für ihr Gemeinwesen übernehmen. Das gehe jedoch nur, wenn
sie auch darüber mitbestimmen können. Für Keltek muss die Initiative
nicht zwangsläufig beim Kommunalwahlrecht enden. Er könne sich auch
vorstellen, das Wahlrecht zum Beispiel auch für die Wahlen zum Landtag
auszudehnen. Keltek sieht seinen Vorstoß durch die positiven
Erfahrungen aus anderen EU-Ländern. So habe man in Schweden bereits zur
Mitte der 70er Jahre ein Wahlrecht für die Regionalparlamente
durchgesetzt. Kommunal dürfen Migrantinnen und Migranten aus
Nicht-EU-Ländern bereits in Dänemark, Irland, Finnland und Belgien
mitbestimmen. „Bereut hat es niemand“, weiß Keltek. Zwar sei es aus
heutiger Sicht eher verwegen, eine baldige Änderung des seit 2000
geltenden Staatsbürgerrechts zu erwarten. Trotzdem wollen die
Initiatoren mit der Kampagne eine öffentliche Diskussion darüber
erreichen und so „Druck auf die politisch Verantwortlichen“ aufbauen,
wie auch Dr. Wolfgang Uellenberg-van-Dawen, Vorsitzender des DGB
Rheinland, erläuterte. „Wir haben mit der Gleichstellung von
Arbeitsmigranten in den Betrieben seit Beginn der Arbeitsmigration gute
Erfahungen gemacht“, erklärte der DGB-Regionalvorsitzende.
100.000 Unterschriften und eine breite öffentliche Diskussion als Ziel
Gemeinsames Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich dazu zu bewegen,
sich mit der Problematik auseinander zu setzen. Keltek nannte auf
Nachfrage als Ziel, 100.000 Unterschriften einzusammeln. Eine Frist für
die Aktion gebe es nicht, vielmehr soll durch die mittelfristige
Ausrichung der Kampagne gewährleistet sein, dass sich auch die
politischen Parteien im Vorfeld der Wahlen in den Jahren 2009/2010
(Kommunal, Landtag, Bundestag) mit dieser Problematik beschäftigen und
sich entsprechend mitteilen, ergänzt Uellenberg-van-Dawen. Die Themen
möglicher kommunaler Mitbestimmung für Migrantinnen und Migranten sind
dabei breit gestreut, wie der Kölner DGB-Chef erläutert. Sie reichen
von Stadtentwicklungsthemen (Stichwort: „Ghettobildung“), über Bildung
(„Kinder aus Migrantenfamilien sind unsere Zukunft“) bis hin zu
kulturellen und sozialen Themen. Vor dem Hintergrund der derzeitigen
Debatte zum geplanten Moscheebau in Köln äußerte Uellenberg-van-Dawen
Kritik. „Hier wird über die Köpfe der Betroffenen hinweg diskutiert“,
so der DGB-Regionalvorsitzende.
Eine Unterschrift ist auch online möglich. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.wahlrecht-fuer-migranten.de.
- Erforderliche Felder sind mit *markiert.
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