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30. 09. 2014
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NRW erhöht Druck auf Berlin wegen Antibiotikaeinsatz in Tierhaltung


21.01.2012 13:30 von:(red)

Schlagwörter: Massentierhaltung,Johannes Remmel,Umweltminister,Antibiotika,Grüne Woche

Landesumweltminister Johannes Remmel hält Massentierhaltung für ethisch untragbar. Symbolbild: Gunnar Richter/Namenlos.net

Am vergangenen Donnerstag und Freitag hat NRW-Landesumweltminister Johannes Remmel mit gleich drei offiziellen Stellungnahmen die Bundesregierung in Sachen Antibiotika-Einsatz kritisiert. Auf Initiative des bevölkerungsreichsten Bundeslandes NRW haben zudem die Bundesländer ein Konzept von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gefordert. Die Massentierhaltung gerät dabei immer mehr unter Druck. „NRW und die anderen Bundesländer drängen Frau Aigner zum Handeln. Die Konferenz zeigt: Frau Aigner steht alleine da mit ihrer Meinung, dass die Länder bisher ausreichende Handlungs- und Kontrollinstrumente im Kampf gegen Antibiotikamissbrauch haben“, freute sich Remmel bereits am Donnerstag dieser Woche.

Am Tag danach legte der Grünen-Politiker mit mehreren, mehrseitigen Presseerklärung nach und nahm sich dabei erneut den politischen Gegner und die Vertreter der Agrarindustrie vor. Das NRW-Ministerium hatte erst vor wenigen Wochen eine viel beachtete Studie zur Antibiotika-Nutzung in der Hähnchenmast veröffentlicht, Anfang dieses Jahres folgte dann eine Stichprobe des BUND, die gefährliche Keime im Hähnchenfleisch selbst feststellte. Doch gerade der massive Einsatz von Antibiotika stößt auf Kritik. Februar bis Juni 2011 insgesamt 962 Hähnchenzuchtdurchgänge aus 182 Beständen in NRW auf den Einsatz von antimikrobiellen Substanzen untersucht. Insgesamt wurden 96,4 Prozent der Tiere aus den untersuchten NRW-Betrieben mit Antibiotika behandelt, lediglich bei weniger als vier Prozent der Masthähnchen kam kein Wirkstoff zum Einsatz, stellte die Studie fest.

Am Freitag legte der Minister dann wortreich nach. Nach der Hähnchenmast sollen weitere Studien den Antibiotikaeinsatz bei der Puten- und Schweinemast erfassen. Remmel geht in seiner Vorabeinschätzung davon aus, dass auch bei diesen Nutztieren viel zu viel Antibiotika eingesetzt wird. „Wir brauchen klare Reduktionsziele für den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast“, erklärte der Grünen-Politiker am gestrigen Freitag weiter. Der amtierenden Ministerin warf er Klientelpolitik vor. In seinem vorgelegten Eckpunktepapier will die NRW-Landesregierung neben der Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes auch eine intensivere Kontrolle, eine Änderung des Arzneimittelgesetzes sowie mehr Transparenz im Fleisch- und Lebensmittelhandel herbeiführen. In einem ersten Schritt hat die Landesregierung die Einrichtung einer Datenbank umgesetzt. Hier sollen Landwirte ihren Antibiotika-Einsatz dokumentieren. Ein Neun-Punkte-Aktionsplan soll diese Ziele umsetzen.

Als weitere Reaktion auf den massiven Medikamenten-Einsatz sagte Minister Remmel auf der Grünen Woche, NRW werde weitere Studien über die Behandlungen von Puten und Schweinen mit Antibitioka erstellen. „Wenn es nur noch mit Antibiotika geht, dann ist für mich klar: Diese Art von Massentierhaltung wird aus rechtlicher und ethischer Sicht keinen Bestand haben können!“, betonte Remmel abschließend.







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