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27. 05. 2012
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LVR-Archäologen entdecken Sensation im Tagebau Hambach


06.07.2011 21:14 von:

Schlagwörter: Köln,Landschaftsverband Rheinland,LVR,Archäologie,Trinkwasserbrunnen,Ausgrabung,

Im Gebiet des vormaligen Braunkohle-Abbaugebietes Hambach haben Archäologen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) eine echte Sensation zu Tage gefördert. Wie der LVR am gestrigen Dienstag in einer Presseerklärung bekannt gab, entdeckten die Forscher unter der Oberfläche Reste eines hölzernen Trinkwasserbrunnens. Das alleine wäre noch keine Sensation, schließlich sind Menschen in größeren Siedlungen auf die systematische Erschließung mit Apparaturen zur Wassergewinnung geradezu angewiesen. Das Alter der gefundenen Überreste vor allem aber die Apparatur selbst verblüffte auch die Forscher selbst. Der Trinkwasserbrunnen soll vor 7100 Jahren errichtet worden sein, wie der LVR am gestrigen Dienstag nicht ohne Stolz verkündete.

Der so genannte "Kastenbrunnen" aus Eichenbohlen reichte über 15 Meter tief in den Boden. Er ist einer von drei erhaltenen steinzeitlichen Brunnen im Rheinland und wurde im Vorfeld des Braunkohlentagebaus Hambach ausgegraben. Am gestrigen Dienstag nun wurde das unterste Stück des Brunnens als Block geborgen. Mit Spannung erwarten die Archäologen weitere Funde aus seinem Erdinhalt. Der Standort des Sensationsfundes liegt in der Nähe der Eifelgemeinde Merzenich-Morschenich. Dort befinden sich auch die Reste eines Dorfes aus der Jungsteinzeit, wie die Verantwortlichen weiter ausführten. Dem Brunnen auf die Spur zu kommen., war gar nicht so einfach. Zwar war den Fachleuten die flache Geländemulde im Boden schon vor längerer Zeit aufgefallen. Doch erst in 13 Meter Tiefe fanden die Archäologen dann den Beweis für die Existenz des tiefsten bekannten Trinkwasserbrunnens im Rheinland. In den darüber liegenden Bodenschichten war der natürliche Baustoff des Brunnen schlicht verrottet. Erst in 13 Meter sorgte eine grundwasserführende Schicht aus Sand und Kies für die notwendigen Voraussetzungen zum Erhalt der wertvollen Beweise früher Zivilisation im Rheinland.

Ausgeklügelte Bauweise der frühen Siedler

Die frühen Siedler müssen einen trichterförmigen Schacht in den Untergrund getrieben haben. Der Durchmesser des Brunnens verringerte sich wohl von zwölf Metern an der Oberfläche auf rund zwei Meter im Bereich der Sohle. Der eigentliche Brunnen wurde nach Art eines Zimmermanns dann von unten nach oben errichtet. Im erhaltenen Bereich betrugen die Abmessungen des Kastens etwa 1,60 zu 1,60 Meter, berichtete der LVR weiter. "Es handelt sich um eine technische Meisterleistung. Die Erbauer mussten rund 1000 Kubikmeter Sand und Kies aus dem 15 Meter tiefen Schacht befördern. Der Brunnenkasten wurde von ihnen abgedichtet und auch gewartet", erläuterte der wissenschaftliche Grabungsleiter Dr. Wolfgang Gaitzsch. Der nun gefundene Brunnen ist jedoch nicht der einzige Nachweis der zwischen 5500 und 4900 vor Christus existierenden Bandkeramik-Siedlung im Rheinland. Schon vor etwas mehr als 20 Jahren fanden Archäologen bei Erkelenz-Kückhoven im Kreis Heinsberg einen 5090 vor Christus errichteten 13 Meter tiefen Brunnen. Der Brunnen von Morschenich ist daher mit 15 Metern der tiefste steinzeitliche Brunnen Europas, hieß es dazu weiter.

"Im Rheinland befindet sich die am besten untersuchte bandkeramische Siedlungskammer in Mitteleuropa. Mit den neuen Großsiedlungen im Umfeld des Tagebaus Hambach, die komplett mit Siedlung, Brunnen und Gräberfeld ausgegraben wurden, mehren sich auch unsere Erkenntnisse über die Zeit der sogenannten Bandkeramiker, in der sich die ersten Bauern hier bei uns niedergelassen haben. Ich bin beeindruckt, was die Menschen damals schon geleistet haben", erläuterte LVR-Kulturdezernentin Milena Karabaic. "Eine herausragende Bedeutung für die Archäologie im Rheinland haben die Bandkeramiker deshalb, weil sie die ersten Menschen waren, die hier feste Häuser und Siedlungen errichteten, von denen aus sie ihre Felder bestellen konnten und Viehhaltung betrieben", beschrieb Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, den wissenschaftlichen Wert des Funds. Mit den weiteren Untersuchungen des Erdreichs erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Erkenntnisse über die Lebensweise der Menschen in der Jungsteinzeit. Die bisherigen Funde im Brunneninnern, darunter zum Teil verzierte Scherben von Gefäßen, Feuersteinklingen, Bruchstücke von Steinbeilen und Reibsteinen, sowie Getreidekörner, Insekten und Tierknochen lassen die Wissenschaftler auf weitere spannende Entdeckungen hoffen, hieß es dazu abschließend.

Weitere Informationen zur Bodendenkmalpflege des LVR finden sie auch im Internet unter: www.bodendenkmalpflege.nrw.de.







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