27. 05. 2012
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Mönchengladbach: Bürger planen das neue Giesenkirchen
Vorbei die Zeiten, als einige wenige Stadtplaner die Wohn- und Lebensumgebung vieler Tausend Menschen nach hehren Maßstäben planten und diese Vorhaben auch realisierten. In der heutigen Zeit müssen die Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden, lautet eine Erkenntnis, die nicht zuletzt nach den Bürgerprotesten anlässlich des Bahnprojekts "Stuttgart 21" immer mehr zur Rahmenbedingung städtischer Planungen wird. In Mönchengladbach hat die Stadtverwaltung in der vergangenen Woche ein neues Planspiel gestartet. Die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteil Giesenkirchen sind dazu aufgerufen, gleich einen ganzen Stadtteil planungstechnisch auf eine neue Grundlage zu stellen. Bürger entwickeln ihren eigenen Stadtteil, genauer ein eigenes Stadtentwicklungskonzept.
Neu an diesem Planvorhaben ist nicht das Prozedere selbst. Mit einem externen Dienstleister soll das moderierte Verfahren neue Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung im Stadtteil schaffen. Das hat es auch in Mönchengladbach schon gegeben, wie in vielen anderen Kommunen von NRW auch. Ziel der gemeinsamen Planung von Verwaltungsprofis, Kommunalpolitik und Stadtgesellschaft ist vielmehr der von der Mehrheit der Betroffenen getragenen Rahmen einer neuen Stadtentwicklung. Bürgerbeteiligung im offenen Dialog, lautet die Devise der städtischen Fachleute. Der Auftrag basiert auf einem politischen Beschluss der großen Parteien im Stadtrat zurück. Zu den schwierigen Abwägungen gehört insbesondere das Verhältnis und die Verbindung der verschiedenen Flächennutzungen, insbesondere das Verhältnis zwischen Wohnbebauung und Grünflächen zur Naherholung. Aber auch Sport- und Verkehrskapazitäten und ihre vorausschauende Planung werden Thema der Veranstaltungen sein. Das erste Bürgerforum dazu wird am kommenden Dienstag im Schulzentrum am Asternweg stattfinden.
Ganz ohne Vorleistung geht es jedoch bei dieser Planung nicht. Um eine gemeinsame Basis in der Diskussion zu haben, werden die Fachleute und Planer Details einer Bestandsanalyse sowie die sich daraus ergebenden Handlungsbedarfe skizzieren. "Wir wollen den Wohnstandort nach den Vorstellungen der Bürgerschaft gestalten, andere und durchaus neue Sichtweisen aufgreifen und gemeinsam mit den Bürgern entwickeln", erklärte der Technische Beigeordnete Andreas Wurff den "Dialog Giesenkirchen". Die Moderation übernimmt dabei das Essener Planungsgemeinschaft Davids, Terfrüchte und Partner, die auch für die Planungen verantwortlich sind. Am Ende soll im Frühjahr 2012 ein ausgereiftes Stadtteilentwicklungskonzept vorliegen, das für die nächste Zukunft des 1280 Hektar großen und 15.500 Einwohner zählenden Stadtteils Bestand haben soll, hieß es dazu weiter. "Wir wollen den Prozess zur Aufstellung eines solchen Konzeptes ganz bewusst von externen Fachleuten moderieren lassen, um unvoreingenommen und offen einzusteigen und in der Erarbeitung einen Konsens zwischen Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung zu erzielen", so Wurff. Der nun beginnende Planungsprozess kommt jedoch nicht ganz aus freien Stücken. Ein erster kopflastiger Entwurf ohne Verankerung in der Bevölkerung mit der Überschrift " Giesenkirchen 2015" scheiterte im Vorfeld.
Das dialogorientierte Planungskonzept setzt dabei auch auf das Medium Internet und soziale Plattformen wie Facebook. Dort soll ebenfalls über die Weiterentwicklung des Stadtteils gesprochen werden, hoffen die Verantwortlichen. "Somit haben wir möglichst viele Kommunikationsebenen im Spiel, um unserem Anspruch auch gerecht zu werden", unterstreicht Projektleiter Torsten Stamm das weitere Vorgehen.

























