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27. 05. 2012
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Diskussion über Mehrsprachigkeit im Kindergarten


27.06.2011 22:44 von:

Schlagwörter: Köln,Integrationsrat,Mehrsprachigkeit,2011,Juni,Kindergarten,englisch,türkisch,K

Natürliche Mehrsprachigkeit ist derzeit in der Bildungsdebatte ein vieldiskutierter pädagogischer Ansatz. Obwohl die demokratischen Parteien im Grundsatz die Einbettung von Fremdsprachen in die frühkindliche Sprachförderung befürworten gibt es doch unterschiedliche Ansätze in der Gewichtung und der Argumentation. Das machte die Debatte im Integrationsrat bei dessen gestriger Sitzung deutlich. Als Beispiel diente die städtische Kindertagesstätte in der Derkumer Straße in Köln-Raderthal. Weil die Verwaltung die Potenziale der dort arbeitenden Erzieherinnen ausnutzen will, soll es dort demnächst Sprachförderung in türkisch geben. Allerdings haben sich Eltern und Schulträger zuvor auf die englische Sprache festgelegt. In einer ersten Veranstaltung in der Vorwoche (16. Juni 2011) hat es dazu nach Aussage der Ratspolitiker eine intensive Diskussion über das Vorhaben der Kölner Jugendverwaltung gegeben. Während die Ratsmehrheit von SPD und Grünen das Vorhaben der Verwaltung verteidigten, machte sich die CDU zum Anwalt der Kritiker. Eine weitere Informationsveranstaltung der Stadt soll die Kritiker doch zum Einlenken bewegen, wie eine Vertreterin der Verwaltung bekannt gaben.

"Wir müssen die Eltern mitnehmen" erklärte eine leitende Mitarbeiter des Sachgebiets Sprachförderung den Anspruch der Stadt. Im vorliegenden Fall ging es tatsächlich um eine pragmatische Lösung. Weil es zwei Erzieherinnen mit Migrationshintergrund an der Kita gab, sollten eben auch die damit verbundene Spracherziehung auf andere als die ursprünglich vorgesehene englische Sprache umgestellt werden. Doch der Elterninformationsabend in der Vorwoche verlief wohl nicht ganz nach Plan. Mindestens zwei Eltern machten sich zum Sprachrohr und lehnten die neue Sprachförderung an ihrer Kita ab. Nun plant die Stadtverwaltung in den Sommerferien eine weitere Veranstaltung dieser Art. Bei dem Konzept zweisprachiger Sprachförderung verbleibt immer eine Erzieherin in einer Sprache, während die andere in deutsch mit den Kindern redet. Bislang gebe es erst zwei Kindergärten an dem neuen Programm teil, das Zweisprachigkeit in den Sprachen der Herkunftsländer – in der Regel türkisch und russisch – anbietet. Für den Herbst kündigte die Verwaltung einen ersten Zwischenbericht an. Insgesamt befinden sich in Köln 19 Kindergärten mit zweisprachigen Angeboten. Die überwiegende Mehrzahl als erste Fremdsprache englisch an. Neben den beiden Kitas, die am Modellprojekt teilnehmen (in Mülheim und Chorweiler), wird alleine an elf weiteren Kindertageseinrichtungen, zwei davon privat-gewerblich, englisch gesprochen.

Die Ratsvertreter der SPD und Grünen sprachen sich in der anschließenden politischen Debatte für den weiteren Ausbau dieser mehrsprachigen Angebote aus. "Die Einrichtung bilingualer Kindergärten fängt gerade erst zaghaft an", meinte beispielsweise Grünen-Ratsherr Ossi Helling. "In den Stadtbezirken Ehrenfeld und Nippes gibt es gar keine bilingualen Angebote in Kindergärten. Wir wollen flächendeckende Angebote machen", versicherte SPD-Ratfrau Cornelia Schmerbach. Doch nicht alle waren damit einverstanden. So kritisierte CDU-Ratsherr Helmut Jung das Vorgehen der Stadtverwaltung. "Ich finde das bedenklich. Den Eltern muss klar sein, dass es keinen anderen Weg geben wird", wandte der Kölner Christdemokrat ein. Dabei gebe es in der betreffenden Gruppe gerade einmal zwei Kinder, die selbst einen türkischen Migrationshintergrund haben, so die Argumentation Jungs. "Ich war selbst da und war erschrocken. Das war eine kleine Gruppe, die als Meinungsbildner auftraten", kritisierte SPD-Ratsfrau Gonca Mucuk-Edis diesen Einwand des politischen Gegners. Man müsse wissen, vor wessen Karren man sich spannen lässt, so der Seitenhieb der SPD-Politikerin.

Allerdings versuchten die Befürworter auch recht schnell, die Debatte nicht allzu sehr anzuheizen. Bei dem fraglichen Kindergarten, der nun von englischer in die türkische Sprache wechseln soll, bleibt auch dieses Angebot freiwillig. Dass die vormalige englische Spracherziehung der Kleinsten von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet wurde, ohne dass diese Muttersprachler waren, ließ die Stadtverwaltung ebenfalls nicht unerwähnt. Schließlich sollte eine Spracherziehung auch bei den Jüngsten in unserer Gesellschaft einen bestimmten pädagogischen Standard erfüllen, wie die Vertreterin der Verwaltung abschließend ausführte.







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