27. 05. 2012
Seite drucken
Finanzausschuss beschließt Verschiebung der Haushaltsplanberatungen
Die Verschiebung war notwendig geworden, weil erst am Freitag
vergangener Woche die letzte Fassung der insgesamt 219-seitigen
Auswertung der Top 100-Vorschläge den Kommunalpolitikern zuging. „Wir
alle müssen den Bürgerhaushalt erst noch erlernen“, umschrieb der
Vorsitzende des Finanzausschusses Martin Börschel (SPD) den kurz zuvor
gefassten Beschluss der vier stimmberechtigten Fraktionen im Ausschuss.
„Das ist kein böser Wille von niemandem. Aber die Vorschläge der Bürger
können erst seriös beraten werden, wenn wir sie besser zur Kenntnis
nehmen, als dies heute der Fall war“, begründete Börschel die
Verschiebung. Auch der finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Karl
Klipper unterstützte den Vorschlag. „Lieber drehen wir eine Runde mehr.
Ich begrüße vor allem die Aufnahme der jeweiligen Fachausschüsse in die
Beratungsfolge“, erklärte der CDU-Stadtrat weiter. Zudem sprach sich
Klipper dafür aus, im kommenden Haushalt insbesondere die
Beteiligungsphase bereits früher im Jahr zu beginnen. Am Erfolg der
bisherigen Maßnahmen wollte aber auch Klipper keine Zweifel aufkommen
lassen. „Der Bürgerhaushalt lieferte bisher schon überraschen positive
Aspekte“, so seine Einschätzung, die von allen Kommunalpolitikern
geteilt wurde.
Verfahrensfragen und Clusterbildung
„Der Bürgerhaushalt steht und fällt mit seiner Glaubwürdigkeit“,
erklärte auch Grünen-Fraktionsvize Jörg Frank und unterstrich
insbesondere das Recht der beteiligten Bürger auf eine „solide Antwort
und Argumentation“. Vor dem Hintergrund der seiner Meinung
unterschiedlichen Qualität der Vorschläge zu Einzelmaßnahmen sei neben
einem transparenten Verfahren auch die Schwerpunktbildung in den drei
im ersten Bürgerhaushalt behandelten Bereich „Straßen/Wege/Plätze“,
„Grünflächen“ und „Sport“ ein begrüßenswerter Vorschlag.
FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite sprach sich angesichts des
Umfangs der eingebrachten Vorschläge und ihrer Kommentierungen und
Beratungsergebnisse in den neun Kölner Bezirksvertretungen für eine
Vertagung aus. „Die Verschiebung liegt nicht an der Faulheit der
Politik. Aber die 219 Seiten zum Bürger-Haushalt wurden erst am
Aschermittwoch den Fraktionen überbracht und seither durch die
Beratungen in den Bezirksvertretungen noch ergänzt. Wir müssen als
zuständige Kommunalpolitiker seriöse Beratungen darüber durchführen“,
erklärte der Liberale im Stadtrat.
Insbesondere die von SPD-Fraktionschef Börschel angeregte
Schwerpunktbildung wurde dabei vom Ausschuss selbst, aber auch vom
Stadtkämmerer Peter-Michael Soenius mitgetragen. Dabei zeichnete sich
schon früh ab, dass es in den drei Bereichen der bürgerschaftlichen
Beteiligung im Rahmen des Bürgerhaushaltes zu Schwerpunkten kommen
würde. Waren es beispielsweise im Bereich „Straßen, Wege und Plätze“
insbesondere die Radwege und Platzgestaltungen, die einen Schwerpunkt
einnahmen, ging im Bereich „Grünflächen“ viele Vorschläge zu den
Bereichen Grüngestaltung, Spielplätze und Sauberkeit ein. Im Bereich
Sport waren es neben dem Erhalt der Bäder in Weiden, Nippes und
Rodenkirchen (die mit dem vorläufigen mittelfristigen Bäderkonzept im
Dezember vergangenen Jahres bereits teilweise im Sinne der Bürger
erledigt wurde) vor allem die Infrastruktur und Erhaltung der
Sportstätten auf Kölner Stadtgebiet.
Kritik von Linken und Bürger-Bündnis
Neben dem großen Konsens der stimmberechtigten Fraktion traten aber
auch unterschiedliche Heransgehensweisen im konkreten zutage. So legte
Linken-Fraktionschef Jörg Detjen großen Wert auf die Unterscheidung
zwischen Bürger-Haushalt und den allgemeinen Haushaltsplanberatungen.
„Wenn wir mit Rot-Rot-Grün den Haushalt beschließen, wäre die CDU ja
ausgeschlossen“, umschrieb Detjen den nicht ganz unwahrscheinlichen
Fall, dass sich zwischen beiden „Haushalten“ unterschiedliche
Prioritäten ergeben. Allerdings schränkte Detjen dieses Argument auch
wieder insoweit ein, als dass auch seine Fraktion den gemeinsamen Weg
im Bürger-Haushalt mitgegangen sei und dies auch weiterhin tun wolle.
Grundsätzliche Kritik am weiteren Verfahren kam hingegen von Dr. Martin
Müser vom Kölner Bürger-Bündnis. „Die Beratungen im vergangenen Monat
waren nicht so effizient wie erwünscht“, erklärte Ratsherr Müser, der
jedoch diesen Umstand für nachvollziehbar hielt. Im Gegensatz zur
Mehrheit im Ausschuss plädierte der Finanzexperteund promovierte
Betriebswirtschaftler allerdings für einen grundsätzlich anderen Ansatz
bei der weiteren Behandlung der Einzelvorschläge. „Wir brauchen eine
Konsolidierung, keine Separierung“, so Müser weiter. Zudem sei noch
nicht ganz klar, wie das Fachwissen in den nun in die Beratung
einbezogenen Fachausschüsse mit den Ergebnissen der
Bezirksvertretungen, die sich durch eine besondere Detailkenntnis der
Lage vor Ort auszeichnen, kombiniert werden können.
Börschel reagierte auf diesen Kritikpunkt, indem er die Fachausschüsse
zur kurzfristigen Einberufung von Sondersitzungen aufrief. „Das muss
bis zum 8. April geschehen, da die traditionell am Mittwoch
stattfindenden Fraktionssitzungen noch miteinbezogen werden müssten“,
so Börschel weiter. Wie der Ausschuss weiter beschloss, sollen die
Haushaltsplanvorberatungen statt am 6. März nunmehr am 14. April
stattfinden. Erfahrungsgemäß könnte der abschließende Satzungsbeschluss
über den Haushalt 2008 dann Anfang Mai 2008 abgehalten werden. Da der
Haushalt 2008 trotz zuletzt erfolgreichen Konsolidierungsbemühungen
immer noch zustimmungspflichtig ist, hatte Börschel aber zum Schluss
der Sitzung noch ein konkretes Anliegen an die Verwaltung. Die soll
ihre notwendigen Ausschreibungsvorbereitungen für investive Maßnahmen
oder notwendige Instandhaltungen bereits vor dem eigentlichen
Haushaltsbeschluss so weit vorbereiten, dass nach dem Satzungsbeschluss
im Mai und der für Juni 2008 erwarteten Genehmigung durch den
Regierungspräsidenten die Ausschreibungen schnellstmöglich beginnen
können. „Der Kämmerer sackt sich sonst das Geld gerne ein“, scherzte
Börschel abschließend.

























