27. 05. 2012
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Gurkenzeit in Köln / FDP kritisiert Totberuhigung
Es begann, wie SPD-Ratsherr Dr. Hans-Georg Bögner referierte, mit dem
Weltwirtschaftsgipfel und dem direkt anschließenden EU-Gipfel im Jahr
1999, es folgten 2005 der Weltjugendtag, 2006 die
Fußball-Weltmeisterschaft und 2007 die Weltmeisterschaften im Handball
sowie der Evangelische Kirchentag im gleichen Jahr. Nun folgen also
„zwei Jahre ohne größere publikumswirksame Events“, wie der
wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Stadtrat Marco
Mendorf anmerkte. Seine Partei setze sich daher dafür ein, neue
Veranstaltung von überregionaler Bedeutung nach Köln zu holen, die
nicht Kerngeschäft der Messegesellschaft sind.
Diskussion um „verbessertes“ Platzkonzept
Grund für die Bemerkung Mendorf war der Unmut seiner Fraktion über die
in der Bezirksvertretung Innenstadt eingeführten Verschärfungen im
Kölner Platzkonzept. Der Wirtschaftsausschuss folgte dabei mehrheitlich
dem Beschluss der BV, die Zahl der Veranstaltungen auf den zentralen
Innenstadtplätzen weiter einzuschränken. Nur noch zehn statt bisher
vorgesehenen 15 Veranstaltungen pro Jahr auf dem Rudolfplatz lässt die
neue Vorlage zu. Bereits nach Veröffentlichung der ersten
Beschlussvorlage von Stadtdirektor Guido Kahlen, der eine drastische
Beschränkung der Zahl von Veranstaltung wie dem Oktoberfest, dem
Krönungsball der Kölner Schützen oder der Karnevals-Kirmes vorsah.
„Mehr Qualität“, so lautete das Motiv für den vorgelegten Entwurf. Dies
sah Oberbürgermeister Fritz Schramma jedoch anders und kritisierte den
ersten Entwurf als „Totberuhigung“. Nachdem die Verwaltung in einer
überarbeiteten Version die Zahl der Veranstaltung wieder anhob und
insbesondere einige Ausnahmen zuließ, steuerte die Bezirksvertretung
Innenstadt wieder eine stärkere Beschränkung bei.
Beschwerden der Anwohner aufgenommen
„Wir haben es in der Innenstadt immerhin mit rund 120.000 Anwohnern zu
tun“, begründete der sachiundige Bürger Alfred Schultz (SPD) die
Entscheidung der BV. Dem BV-Beschluss zufolge reduzierte sich die Zahl
der maximal zulässigen Veranstaltungen ab dem kommenden Jahr beim
Rudolfplatz von 15 auf zehn und auf dem Roncalliplatz von acht auf
sechs. Unverändert bleiben demzufolge die Veranstaltungszahlen auf dem
Alter Markt und im Rheingarten. Auf dem Neumarkt sollen zwar ebenfalls
– wie in der zweiten Vorlage – 15 Veranstaltungen stattfinden, die drei
Reserveveranstaltung, die in der zweiten Vorlage vorgesehen waren, um
kurzfristigen Platzbedarf von Veranstaltern decken zu können, sind nun
wieder gestrichen. Lediglich auf dem Heumarkt sollen statt der
vorgesehenen acht nun neun Veranstaltungen pro Jahr stattfinden, so
sieht es die aktuelle Beschlussvorlage mit dem Zusatz der BV vor.
Hitzige Diskussion
Den Liberalen sind jedoch Einschränkungen wie die vorliegende zu
weitreichend. Mendorf erinnerte daran, dass seit 1995 die Zahl der
Veranstaltungen in einer Erlebnisstadt wie Köln kontinuierlich
zurückgefahren wurde. „Das ist ein Wettlauf für weitere Einschränkungen
und Bürokratie“, argumentierte der wirtschaftspolitische Sprecher
seiner FDP-Fraktion. Insbesondere die Tourismuswirtschaft, allen voran
die städtische Tochtergesellschaft KölnTourismus, sei nicht in die
Beratungen zu diesem Platzkonzept eingebunden gewesen, so der Vorwurf
Mendorfs. Die FDP befürchtet eine „Totberuhigung“ der Innenstadt. Vor
allem die Grünen wollen Köln zu einem Kurort machen, griff Mendorf den
politischen Gegner an.
SPD und Grüne verteidigen Beschränkungen
Dessen wirtschaftspolitischer Sprecher Jörg Frank verteidigte das
vorgelegte Konzept und auch den Beschluss der BV Innenstadt als
„sinnvoll“. „Immer mehr brauchtumsfremde Veranstalter nutzen die
Innenstadtplätze, um hier dank auch der geringen Sondernutzungsgebühren
zusätzliche Gewinne einzufahren. Wir brauchen aber gerade mehr Qualität
bei den Veranstaltungen“, erklärte Frank. Die Politik könne nicht
ausschließlich Rücksicht darauf nehmen, dass Veranstalter Gewinne
machten, so Frank weiter. Dem schlossen sich auch die Sozialdemokraten
an. „Wir haben nichts gegen Innovation. Immerhin haben wir auch
entsprechende Veranstaltungskapazitäten in Hallen und anderen
Liegenschaften“, empfahl der SPD-Wirtschaftsfachmann. Für
Wirtschaftsdezernent Dr. Norbert Walter-Borjans sei die Frage der
Qualität von Veranstaltungen eher schwer zu beantworten, eher jedoch
die Frage nach der Authentizität und die sei bei Oktoberfesten eher
nicht gegeben.
CDU-Ratsherr Markus Hock schließlich sprach sich dafür aus, das
Platzkonzept, das im Jahr 2010 erneut überprüft werden soll, kritisch
zu hinterfragen. Dann werde sich auch die Frage entscheiden, o die
Beschränkungen tatsächlich zu einer „Totberuhigung“ geführt haben.
Folgerichtig lehnten Christdemokraten und Liberale die Vorlage und den
Zusatz der BV ab, das Kernbündnis brachte den Antrag jedoch dank der
Ein-Stimmen-Mehrheit im Ausschuss durch. Nun werden noch der Ausschuss
Allgemeine Verwaltungs- und Rechtsfragen sowie der Stadtrat selbst über
das Platzkonzept Innenstadt beraten.

























