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27. 05. 2012
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Haupt- und Förderschule machen Druck in Sachen Schulschließung


29.06.2010 07:38 von:

Schlagwörter: Köln,Hauptschule,2010,Schließung,Schulentwicklungskonzept,Bezirksregierung,Demon

Vor der gestrigen Sitzung des Kölner Ausschusses für Schule und Weiterbildung wurden die Vertreter von Rat und Verwaltung lautstark begrüßt. Mehr als 100 Schüler, Eltern und Lehrer standen mit ihren Protestplakaten vor dem Eingang zum Spanischen Bau und machten ihrem Unmut Luft. Auch die Bezirksregierung ist nicht in allen Belangen mit den Plänen der Stadt einverstanden. Für Schulrätin Magna Becker ist vor allem der Zeitpunkt der anstehenden Umzüge eine offene Wunde. Auslöser ist die schnelle Entscheidung des Stadtrates zur Einrichtung einer neuen Gesamtschule im Stadtbezirk Nippes. Bereits mit dem kommenden Schuljahr soll die Gesamtschule in der ehemaligen Hauptschule an der Brehmstraße in Köln-Riehl unterkommen. Die dortigen Räumlichkeiten werden derzeit für den Schulbetrieb eingerichtet, sind aber doch nicht ausreichend, um langfristig dort einen gesicherten Schulbetrieb zu ermöglichen. Im Rahmen ihrer Schulentwicklungsplanung hatte die Stadt bereits vor Wochenfrist verkündet, dass der Standort der derzeitigen Hauptschule am Paul-Humburg-Weg im Stadtteil Longerich zum neuen Standort einer Gesamtschule aufzurüsten. Hierzu wurde auf der gleichen Sitzung eine so genannte "Massenstudie", eine Art Machbarkeitsstudie, vorgestellt. Architektin Leipertz vom Kölner Büro LK Architekten stellte die beiden favorisierten Planungen vor. In beiden Fällen müssen erhebliche Baumaßnahmen in Gang gesetzt werden. Dabei musste zugleich auch beachtet werden, dass die heutigen Hauptschulgebäude denkmalgeschützt und damit tabu waren. Die Investitionskosten für die Stadt belaufen sich nach derzeitigem Stand der Dinge je nach Variante zwischen 27,5 und 39 Millionen Euro.

Bei den beiden favorisierten Varianten geht es jedoch um einen deutlich Ausbau des Raumprogramms. Während die derzeitige Hauptschule in Variante einen weiteren Solitär erhalten soll, der die zusätzlichen Unterrichts- und Betreuungsräume samt Mensa erhalten soll, werden an der derzeitigen Förderschule in der Ossietzkystraße behutsam neue Gebäuderiegel angedockt. Vorteil dieser Variante, die mit rund 19,5 Millionen Euro an reinen Investitionskosten auskommen will, ist der behutsame Umgang mit der Gebäudesubstanz. Allerdings befinden sich dann zwei Einfachturnhallen am Standort der Sekundarstufe II am Paul-Humburg-Weg, während die dritte Einfachturnhalle am Standort der heutigen Förderschule verbleibt. Insgesamt kostet die Stadt nach vorläufiger Kostenschätzung rund 27,5 Millionen Euro. Deutlich teurer wird mit insgesamt rund 39 Millionen Euro die Variante 3. Hier wird der Bestandsbau der Förderschule komplett abgerissen und durch einen neuen dreigeschossigen Neubau mit integrierter Dreifachturnhalle ersetzt. Das heutige Hauptschulensemble bleibt in seiner Substanz erhalten.

Bei der anschließenden Debatte plädierte Ratsherr Dr. Ralf Heinen für eine langfristige Sichtweise. "Die Rentierlichkeit ergibt sich über einen längeren Zeitraum", so der SPD-Politiker und amtierende Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss. Kritik an der optimistischen Zeitplanung kam indes von der FDP. Deren schulpolitische Sprecherin Yvonne Gebauer erinnerte an gleich mehrere Fälle von Schulneubauten dieser Größenordnung, in denen sich selbst ein Zeitraum von vier bis fünf Jahren als zu optimistisch herausstellte. Am Apostelgymnasium, wo im Sommer dieses Jahres der neue Erweiterungsbau fertig gestellt werden soll, dauerte es sogar sieben Jahre. Im Fall der Gesamtschule Nippes muss es sogar noch schneller gehen. Die Genehmigung für den Betrieb einer solchen Schulform am Standort Brehmstraße gilt nur für drei Jahre. Das von den Liberalen ins Spiel gebrachte Modell einer Öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) lehnen die Grünen hingegen ab. Das Schnellverfahren, mit dem die Ratsmehrheit die Zulassung einer weiteren Gesamtschule durchpaukte, sei "unverantwortlich", so Gebauer weiter. Bei der Machbarkeitsstudie wurde hingegen die Möglichkeit einer Ausweitung der Plätze für Gemeinsamen Unterricht (GU) eingeplant. "Wir haben das für beide Varianten beantragt", versicherte Schuldezernentin Klein abschließend.

Bei der abschließenden Abstimmung folgte die Mehrheit des Ausschusses dem Anliegen der Verwaltung. Neben der umstrittenen Schließung der Paul-Humburg-Straße, die im kommenden Schuljahr gegen den ausdrücklichen Willen der Beigeordneten doch eine Eingangsklasse bilden wird, wird ein Standort im Stadtbezirk Chorweiler komplett aufgegeben. Auch hier hat sich bei den zurückliegenden Gesprächen zwischen Fachverwaltung und den betroffenen Schulen ein Kompromiss ergeben. In Köln-Worringen wird die Schule erst ein Jahr später geschlossen und einer neuen Nutzung zugeführt. Die Schließung der Hauptschulen (neun von 27 werden bis Sommer 2013 geschlossen) wurde notwendig, weil immer weniger Eltern ihre Kinder auf dieser Schulform anmelden. So liegt die Zahl der Hauptschulplätze bei derzeit noch 1600. Angemeldet haben sich bis Ende Juni jedoch lediglich rund 650 Schülerinnen und Schüler. Selbst nach der Schließung bleiben immer noch über 1100 Plätze an Hauptschulen übrig. "Da ist jede Menge Luft im System", so Klein. Die Schuldezernentin betonte jedoch auch, dass sich die Verwaltung mit der Entscheidung nicht leicht tat. Die Demonstranten vor dem Rathaus zeigten sich davon unbeeindruckt. "Wir sind Verschiebebahnhof", klagt ein nicht genannter Vater. Mit dem gestrigen Beschluss wird es für die Betroffenen wohl deutlich schwieriger, an der Entscheidung der Stadt etwas zu ändern.


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