27. 05. 2012
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Hauptausschuss bekräftigt mehrheitlich den Museumsstandort Ratshausplatz
Vorausgegangen war eine lebhafte und über zweistündige Debatte, in der
die Argumente von Befürwortern und Gegnern der Platzbebauung erneut
aufeinander prallten.
Während das Kölner Kernbündnis (SPD und Grüne) zusammen mit der FDP
weiterhin an dem Siegerentwurf und am Standort Ratshausplatz
festhalten, will Oberbürgermeister Fritz Schramma und die CDU-Fraktion
eine Trennung der Teilprojekte „Archäologische Zone“ und „Haus der
Jüdischen Kultur“. Die erst am vergangenen Freitag (1. August)
versendete Vorlage der Verwaltung wurde indes am heutigen Montag noch
nicht abgestimmt. Der Beschluss für eine mögliche Entwurfsplanung wird
von den weiteren Ausarbeitungen des Wettbewerbssiegers abhängen. Hier
wolle man vor allem den Abstand zum südlich angrenzenden
Wallraf-Richartz-Museum neu überdenken.
CDU und OB mit unterschiedlichem Abstimmungsverhalten
Während sich die drei Fraktionen der Befürworter sowohl für den
Standort wie auch für eine Beauftragung des erstplatzierten Saarbrücker
Architektenbüros aussprachen, gab es zwischen Oberbürgermeister Fritz
Schramma unterschiedlichen Abstimmungsbedarf. „Eine der Punkte in ihrem
Änderungsantrag sind bereits in der Verwaltungsvorlage eingearbeitet“,
begründete Schramma, der als Stadtoberhaupt auch Vorsitzender des
Hauptausschusses ist, seine abweichende Stimme. Allerdings ließ
Schramma in der heutigen Sitzung keine Zweifel daran, worum es ihm
eigentlich ging. „Wir sind weder Investor noch Betreiber eines solchen
Hauses der Jüdischen Kultur“, stellte das Stadtoberhaupt klar. Nach
Meinung von Architekten und Fachleuten der eigenen Verwaltung sei die
Trennung der beiden Phasen „Archäologische Zone und Schutzbauten“ und
„Bau des Museums“ nach dem derzeit vorliegenden Entwurf nicht
darstellbar. Und auch die Vertreter der Befürworter sprachen in ihren
Redebeiträgen davon, dass nicht nur die (übrigens völlig unstrittige)
Archäologische Zone ausgegraben und erschlossen werden muss. Vielmehr
soll bereits in der von den Wettbewerbssiegern vorgeschlagenen „äußeren
Hülle“, in die das spätere Museum nur noch „hineingehängt“ werden muss,
mit der ersten Stufe errichtet werden. Diese Verpflichtung seitens der
Öffentlichen Hand wird von den Christdemokraten und auch von Schramma
selbst vehement abgelehnt. Eine Kostenschätzung, wie viel eine solche
bauliche Vorleistung kosten könnte, liegt aber noch nicht vor, weil die
Ergebnisse des Wettbewerbs lediglich einen ersten Rahmen bieten und
noch keine konkreten Entwurfsplanungen sind.
Enger Zeitplan für den A-Stempel
Unterdessen drängt die Zeit in Sachen „Archäologische Zone“. Bereits am
22. September soll in einer weiteren Regionale-Sitzung der so genannte
„A-Stempel“ des Landes NRW vergeben werden. Bis dahin müssen die
Verantwortlichen der Stadt zumindest darlegen, wie die weiteren
Schritte aussehen. Die dazu am heutigen Montag ausgelegte
Beschlussvorlage kommt dem nach, wie Schramma versicherte. „Das ist mit
dem Land so abgestimmt“, erklärte der Oberbürgermeister. Voraussetzung
dafür sei es jedoch, dass beide Projekte unabhängig voneinander
bearbeitet werden müssen, wie Schramma bereits in der vergangenen Woche
betonte. Mit dem so genannten A-Stempel, der Projektvorschläge in der
Prioritätenliste der Regionalförderung im Rahmen der Regionale 2010
fördert, sind Zuschüsse des Landes in Höhe von 80 Prozent der
kalkulierten Fördersumme verbunden. Dieser Zeitplan müsse aber
unbedingt einhalten werden, um das Projekt „Archäologische Zone“ nicht
zu gefährden. Innerhalb der kommenden zwei Wochen wolle man nun beide
Szenarien, eine mit Kopplung und die entkoppelte Variante, auf ihre
Auswirkungen für das Gesamtprojekt prüfen lassen. "Das ermöglicht uns
eine echte Entscheidungsalternative", warb Stadtentwicklungsdezernent
Bernd Streitberger.
Fraktionen im Streit um Vorgehen
In der Abstimmung über die einzelnen Punkte des Änderungsantrags von
Rot-Grün-Gelb in der heutigen Sitzung zeigte sich zumindest in Teilen
ein Konsens. Allerdings stimmte die CDU in dem 14 Punkte umfassenden
Gesamtantrag, der jeweils einzeln abgestimmt wurde, nur in zwei Punkten
eine einheitliche Meinung. So stimmte auch die CDU dem zweiten Punkt
des Änderungsantrages zu, der dem Projekt „Archäologische Zone“ absolut
oberste Priorität einräumt. Kurzfristig, so heißt es in dem
Beschlusstext, müsse ein Beschluss des Rates herbeigeführt werden, um
eben jene Voraussetzungen für eine entsprechende Landesförderung zu
unterstützen. Auch beim Vorschlag, die derzeit im Spanischen Bau
befindliche Ausstellung zu den Wettbewerbsentwürfen, bis zum 28. August
zu verlängern, herrschte Einigkeit im Hauptausschuss. Ansonsten
verweigerten die Christdemokraten ihre Zustimmung. Anders
Oberbürgermeister Fritz Schramma. In drei der 14 Einzelpunkte stimmte
Schramma mit den Antragsstellern, in zwei weiteren Abstimmungen
enthielt sich Schramma. So stimmte der CDU-Politiker unter anderem auch
für die Beauftragung des Saarbrücker Planungsbüros, die den Wettbewerb
fast einstimmig für sich entscheiden konnte. Auch die im Antrag
formulierte Bekräftigung der Aufforderung, den Förderverein des
Jüdischen Hauses der Kultur zu einer nachweisbaren Finanzierung zu
verpflichten, wurde von Schramma mitgetragen.
Neben dem Stadtrat wird sich auch der Kultur- und der
Stadtentwicklungsausschuss mit der Angelegenheit beschäftigen. Die
Verwaltung hofft zudem, dass bis zum Tag der Abstimmung bereits weitere
Ausarbeitungen seitens des Architekturbüros folgen sollen. Eines aber
stellte Schramma für seine Position abschließend klar. Die Stadt Köln
sieht sich nicht in der Pflicht das Stahlgerüst samt gefaltetem Dach
und Betondecke als Vorleistung für ein mögliches späteres Museum zu
errichten. Die Antragsteller erwiderten diese Kritik ihrerseits mit dem
Vorwurf, die Stadtverwaltung habe nicht genug dafür getan, die
notwendige öffentliche Debatte anzuregen und auf den Förderverein
einzuwirken. Nach Ansicht des Stadtoberhaupts bestehe aber bei einer
Entkopplung beider Vorhaben in der Entscheidung über den Bau des
Museums ohnehin kein Zeitdruck. „Erst mal werden wir mindestens ein
Jahr an der Archäologischen Zone weitergraben“, so Schramma. Eine
solche Entkopplung würde SPD-Fraktionschef Martin Börschel allerdings
„außerordentlich bedauern“. „Sonst hätten wir wieder nur einen Platz
mit Hüllen“, ergänzte Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz. Für
Ratsherr Sterck gebe es allerdings nur noch die Frage, wie und nicht ob
der „Museumsrahmen“ (das zwölf Meter hohe Stahlgerüst mit Überdachung
und Betondecke) gefüllt werde.
Es war schon fast skurril. Befürworter und Gegner beharkten sich mit
ihren Anträgen gegenseitig. Sie kritisierten und fanden doch nicht
wirklich zu einer angemessen sachlichen Debatte – schade. ein Wort
jagte das andere und trotz des anfänglichen Bemühens um Sachlichkeit
zerfranste die Diskussion und wurde mehrfach lautstark. Die geplante
Bebauung des Rathausplatzes ist derzeit das Aufregerthema schlechthin
in Köln. Ein von fast allen hochgelobtes Wettbewerbsergebnis wird kurze
Zeit später von keinem Geringeren als Oberbürgermeister Fritz Schramma
in Frage gestellt. Dabei hatte sich die Stadtverwaltung mit ihrer
kurzfristig eingereichten Vorlage dem Konsens ein ganzes Stück
angenähert. Man wolle beide Szenarien prüfen, um
Entscheidungsalternativen zu haben. Richtig ist, dass die
Landesförderung zur Archäologischen Zone auf gar keinen Fall gefährdet
werden darf. Das wäre nicht nur aus haushaltspolitischer Sicht eine
Katastrophe. Es würde Köln den Vorwurf eintragen, ein Projekt für eine
Ausgrabungsstätte trotz jahrelanger Vorarbeiten nicht fristgerecht
abgeschlossen zu haben. So etwas würde jeden Auftragsarchitekten den
Job kosten und wäre einfach nur peinlich.
Bleibt die Frage, ob sich Archäologische Zone und Jüdisches Museum
tatsächlich in zwei Phasen (wie im Auslobungstext beschrieben)
realisieren lassen. Das Vorpreschen von SPD, Grünen und FDP, mit der
ersten Phase direkt „Nägel mit Köpfen“ zu machen und die komplette
Außenhülle auf Vorkasse der Stadt zu errichten, spräche dem entgegen.
Und in der Tat: Hier zeigt der Siegerentwurf trotz fast einhelliger
Zustimmung noch Unklarheiten, die nun schnell geklärt werden müssen.
Angesichts der jahrelangen Diskussionen kann man die Position der
Befürworter verstehen, die verhindern das Projekt als einmalige Chance
begreifen wollen. Immerhin bietet das Jüdische Museum an besagter
Stelle mehr als nur ein Kulturbetrieb. Es wäre mit einer solchen
Einrichtung einzigartig in ganz Europa. Und diese Chance, gilt es am
Schopfe zu fassen, auch wenn das ebenjene Vorleistung bedeutet und die
Finanzierungsfrage eben noch nicht hinreichend geklärt ist.
Ein Kompromiss erscheint zumindest nach der heutigen Beratung eher
wieder unwahrscheinlich. Die Befürworter berufen sich dabei auf einen
gültigen Ratsbeschluss. Der wird eigentlich klar in seinen Ausführungen
und legte bereits vor mehr als zwei Jahren den Standort Ratshausplatz
als einzig möglichen Standort fest. In Sachen breite öffentliche
Debatte zeigten sich zwar beide Seiten zufrieden. Doch im Detail
scheiden sich hier die Geister. Während die Befürworter der Bebauung
vor dem Rathaus der Verwaltung vorwarfen sich nicht ausreichend
gekümmert zu haben, verweisen die Gegner auf einen damals abgelehnten
Ersetzungsantrag der CDU, die ein Modell auf dem Rathausplatz
vorschlugen. Das wurde damals abgelehnt, aber eben auch das Anliegen,
den Standort erneut in Frage zu stellen. Nun wird entscheidend sein, ob
es der Verwaltung gelingt, bis Ende August darzulegen, ob eine solche
Trennung in zwei Phasen realisierbar ist. Das nächste Wort haben also
die Architekten aus Saarbrücken. Und die würden notfalls auch mit
weniger Fläche auskommen. Nach der heutigen Debatte steht eines aber
schon fest. Besucher der nächsten Ratssitzung dürfen sich, sollte kein
Wunder passieren, auf eine lange und heftige Diskussion einrichten.
Derzeit machen die Befürworter nicht den Eindruck, sich der
wahrgenommenen mehrheitlichen Meinung zu beugen.

























