27. 05. 2012
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Interimslösung für Oper und Schauspiel soll nun 18,8 Millionen Euro kosten
Neben der Generalsanierung des 50er Jahre Riphahn-Baus stehen auch
Abriss und Neubau eines Schauspielhauses auf dem Programm. Ein
entsprechender Architekturwettbewerb liefert dazu im vergangenen Monat
Ergebnisse (Köln Nachrichten berichtete).
Die ursprüngliche vorgeschlagenen Ersatzspielorte und die Kalkulation
der dazu notwendigen Kosten ergaben, dass der geplante Umbau des
Staatenhauses nahe der alten Messehallen, den städtischen Etat mit
einer Gesamtsumme von 33 Millionen Euro belastet zu hätten. Zu viel, so
die Meinung des Kulturausschusses, der vor der Sommerpause daraufhin
die Verwaltung um eine Überarbeitung. Am heutigen Tag ging nun diese
überarbeitete Vorlage den Ratsmitgliedern zu.
Die Gesamtkosten für die Interimslösung beider Kulturbetriebe soll nun
mehr als 15 Millionen Euro weniger kosten und zumindest zu einem
beträchtlichen Teil über den erhöhten Kulturetat finanziert werden. Ein
Teil der Finanzierung erfolge aber auch weiterhin aus Haushaltsmitteln,
wie es in der Vorlage hieß. Als „feste“ Ersatzspielorte stehen nun das
Palladium in der Schanzenstraße für die Oper sowie das Messe- und
Kongresszentrum Expo XXI Centres am Gladbacher Wall bereits. Letzter
verlangt für die mehr als dreijährige Unterbringung des Kölner
Schauspiels knapp über sieben Millionen Euro an Mieten. Das Palladium
ist mit einer Mietforderung von 4,077 Millionen Euro sogar noch etwas
günstiger, allerdings fallen bei der Übergangslösung durch das
„künstlerische Unterwegs“ weitere Kosten in Höhe von rund drei
Millionen Euro an. Beide Aufwandsposten sollen im Rahmen des
Wirtschaftsplan der Bühnen finanziert werden, hieß es dazu weiter.
Weitere 1,53 Millionen Euro werden wohl für die Unterbringung der nicht
bühnennahen Produktions- und Verwaltungseinheiten aufgewendet werden.
Zusammen mit weiteren kleineren Posten komme man schließlich auf die
Summe von etwas mehr als 18,8 Millionen Euro. Das Risiko eines
Einnahmeausfalls aufgrund der in dieser Interimszeit verringerten
Kapazitäten beider Einrichtungen beläuft sich nach Schätzung der
Fachverwaltung auf zusätzliche drei Millionen Euro für die Oper und
weitere 300.000 Euro für das Schauspiel. Die Häfte der aufzubringenden
Kosten soll durch die geplante Erhöhung des Kulturetat aufgebracht
werden. Der Rest soll aus dem Gesamthaushalt stammen.
In den beiden nun gefundenen Lösungen scheint man sich sowohl von
künstlerischer als auch von der harten betriebswirtschaftlichen Seite
angenähert zu haben. So habe der Vorlage zufolge Schauspiel-Intendantin
Karin Beier bereits signalisiert, auch mit einer Kapazität von weniger
als 800 Sitzplätzen auskommen zu können, wenn es im Innenstadtbereich
keine Alternative gebe. Der Standort Expo XXI Centres erfülle diese
Voraussetzungen, so die Schlussfolgerung der Kulturverwaltung. Somit
wäre ein zentraler Ausweichstandort, unabdingbare Voraussetzung für das
Kölner Schauspiel, geschaffen. Als besondere Bedingung komme die so
genannte „Repertoire-Fähigkeit“ einer Ersatzräumlichkeit hinzu. Diese
Notwendigkeit ergebe sich aus der Erfahrung, dass die zum Teil
„sperrigen Stücke“ der neuen Theaterchefin nicht für zehn bis 20
Aufführungen am Stück tragen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die
Anforderungen, die an eine Ersatzspielstätte gestellt werden. So müssen
unter anderem Bühnenbilder im schnellen Wechsel untergebracht und
wieder aufgebaut werden müssen. Für den Spielbetrieb eines
Repertoire-Theaters sind 8000 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen.
Allerdings umfasst die Nutzfläche des anvisierten Ersatzspielstandortes
mit seiner 4000 Quadratmeter großen Veranstaltungshalle, einem 800
Quadratmeter großen Eventbereich sowie einer Event-Lounge mit rund 1300
Quadratmeter nicht ganz über das passende Ausmaß. So wird ein Teil der
nicht-bühnennahen Raumbedarfe in anderen Flächen unterkommen müssen.
Anders sieht es im Falle der Oper aus. Entsprechend der Konzeption des
neuen Opernintendanten Uwe-Eric Laufenberg sollen neben einer
dauerhaften Interims-Spielstätte auch Alternativen über die Zeit
zwischen April 2010 und Dezember 2013 gefunden werden. Das Palladium
eigne sich dabei für maximal drei bis vier Stücke pro Jahr, die
restlichen der insgesamt zehn bis zwölf Stücke seines so genannten „en
suit-Spielplans“ würden dann an anderen Orten aufgeführt. Im Gespräch
sei man hier mit der Kölnarena, der Philharmonie, dem Gürzenich aber
auch katholischen Kirchen, hieß es in der Vorlage weiter. Das Palladium
hat eine Nutzfläche von rund 10.000 Quadratmetern, ist jedoch auch
bekannt durch zahlreiche Rock- und Popkonzerte. Hinzu kommt, dass
einige der Räumlichkeiten bereits ab dem kommenden September angemietet
werden müssen, da ansonsten der Vermieter die entsprechenden Flächen
nicht freihalten kann. Findet der Vermieter einen anderen temporären
Nutzer, würden die damit erzielten Mieteinnahmen gar an die Bühnen
zurückfließen. Laufenberg äußerte bereits seine Zustimmung zu dieser
Lösung, wie es in der Vorlage abschließend hieß.
Na also, geht doch, möchte man meinen, wenn man sich die neue Vorlage
durchliest. Es bleibt der Eindruck, dass die Kulturverwaltung zunächst
einmal über ihren Schatten springen musste. Die damals eingebrachte
Lösung eines speziell für diesen Zweck umgebauten Staatenhauses scheint
vor dem Hintergrund der jüngsten Zahlen fast wie ein „Maximalvorhaben“.
Immerhin konnte sich die Verwaltung hier gemeinsam mit den künstlerisch
Verantwortlichen so weit einigen, dass auch diese für die
dreieinhalbjährige Interimszeit mit einigen einschränkenden
Rahmenbedingungen abfinden zu können. Das ist gut so und entlastet den
Etat um immerhin 15 Millionen Euro.
Man darf gespannt sein, wie die Kölner Kommunalpolitik auf diese
Vorlage reagieren wird. Auch 18,8 Millionen Euro sind eine Menge Holz.
Und das nur, um einen ohnehin zuschussbedürftigen Hochkulturbetrieb
über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren am Leben zu erhalten. Eine
Bedingung haben sich die Kulturfachleute allerdings zu Herzen genommen.
Der „einfache“ Griff in die allgemeine Ausgleichsrücklage, wie der
finanzielle Dispositionsrahmen ohne die Notwendigkeit einer
Haushaltssicherung im Neuen Kommunalen Finanzmanagement nun genannt
wird, war zu simpel. An diesem Teilaspekt hatte sich die Kritik des
Stadtrates in besonderer Weise entzündet. Nun wird wenigstens die
Hälfte aus den geplanten Erhöhungen des Kulturetats finanziert.
Skeptikern dürfte das wohl kaum reichen. Schließlich darf nicht
vergessen werden, dass die bauliche Ertüchtigung der
Originalspielstätten mit voraussichtlich mindestens 230 Millionen Euro
zu Buche schlägt.
Den Kulturpessimisten sei gesagt, dass die Kultur immer auch zu den
weichen Standortfaktoren gehört. Und die haben in der jüngsten
Vergangenheit, so hört man es anderer Stelle immer wieder, dazu
geführt, dass Weltunternehmen wie Microsoft sich überhaupt für Köln
entschieden haben.

























