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27. 05. 2012
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Interimslösung für Oper und Schauspiel soll nun 18,8 Millionen Euro kosten


31.07.2008 22:00 von:


Neben der Generalsanierung des 50er Jahre Riphahn-Baus stehen auch Abriss und Neubau eines Schauspielhauses auf dem Programm. Ein entsprechender Architekturwettbewerb liefert dazu im vergangenen Monat Ergebnisse (Köln Nachrichten berichtete).   Die ursprüngliche vorgeschlagenen Ersatzspielorte und die Kalkulation der dazu notwendigen Kosten ergaben, dass der geplante Umbau des Staatenhauses nahe der alten Messehallen, den städtischen Etat mit einer Gesamtsumme von 33 Millionen Euro belastet zu hätten. Zu viel, so die Meinung des Kulturausschusses, der vor der Sommerpause daraufhin die Verwaltung um eine Überarbeitung. Am heutigen Tag ging nun diese überarbeitete Vorlage den Ratsmitgliedern zu.

Die Gesamtkosten für die Interimslösung beider Kulturbetriebe soll nun mehr als 15 Millionen Euro weniger kosten und zumindest zu einem beträchtlichen Teil über den erhöhten Kulturetat finanziert werden. Ein Teil der Finanzierung erfolge aber auch weiterhin aus Haushaltsmitteln, wie es in der Vorlage hieß. Als „feste“ Ersatzspielorte stehen nun das Palladium in der Schanzenstraße für die Oper sowie das Messe- und Kongresszentrum Expo XXI Centres am Gladbacher Wall bereits. Letzter verlangt für die mehr als dreijährige Unterbringung des Kölner Schauspiels knapp über sieben Millionen Euro an Mieten. Das Palladium ist mit einer Mietforderung von 4,077 Millionen Euro sogar noch etwas günstiger, allerdings fallen bei der Übergangslösung durch das „künstlerische Unterwegs“ weitere Kosten in Höhe von rund drei Millionen Euro an. Beide Aufwandsposten sollen im Rahmen des Wirtschaftsplan der Bühnen finanziert werden, hieß es dazu weiter. Weitere 1,53 Millionen Euro werden wohl für die Unterbringung der nicht bühnennahen Produktions- und Verwaltungseinheiten aufgewendet werden. Zusammen mit weiteren kleineren Posten komme man schließlich auf die Summe von etwas mehr als 18,8 Millionen Euro. Das Risiko eines Einnahmeausfalls aufgrund der in dieser Interimszeit verringerten Kapazitäten beider Einrichtungen beläuft sich nach Schätzung der Fachverwaltung auf zusätzliche drei Millionen Euro für die Oper und weitere 300.000 Euro für das Schauspiel. Die Häfte der aufzubringenden Kosten soll durch die geplante Erhöhung des Kulturetat aufgebracht werden. Der Rest soll aus dem Gesamthaushalt stammen.

In den beiden nun gefundenen Lösungen scheint man sich sowohl von künstlerischer als auch von der harten betriebswirtschaftlichen Seite angenähert zu haben. So habe der Vorlage zufolge Schauspiel-Intendantin Karin Beier bereits signalisiert, auch mit einer Kapazität von weniger als 800 Sitzplätzen auskommen zu können, wenn es im Innenstadtbereich keine Alternative gebe. Der Standort Expo XXI Centres erfülle diese Voraussetzungen, so die Schlussfolgerung der Kulturverwaltung. Somit wäre ein zentraler Ausweichstandort, unabdingbare Voraussetzung für das Kölner Schauspiel, geschaffen. Als besondere Bedingung komme die so genannte „Repertoire-Fähigkeit“ einer Ersatzräumlichkeit hinzu. Diese Notwendigkeit ergebe sich aus der Erfahrung, dass die zum Teil „sperrigen Stücke“ der neuen Theaterchefin nicht für zehn bis 20 Aufführungen am Stück tragen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Anforderungen, die an eine Ersatzspielstätte gestellt werden. So müssen unter anderem Bühnenbilder im schnellen Wechsel untergebracht und wieder aufgebaut werden müssen. Für den Spielbetrieb eines Repertoire-Theaters sind 8000 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen. Allerdings umfasst die Nutzfläche des anvisierten Ersatzspielstandortes mit seiner 4000 Quadratmeter großen Veranstaltungshalle, einem 800 Quadratmeter großen Eventbereich sowie einer Event-Lounge mit rund 1300 Quadratmeter nicht ganz über das passende Ausmaß. So wird ein Teil der nicht-bühnennahen Raumbedarfe in anderen Flächen unterkommen müssen.

Anders sieht es im Falle der Oper aus. Entsprechend der Konzeption des neuen Opernintendanten Uwe-Eric Laufenberg sollen neben einer dauerhaften Interims-Spielstätte auch Alternativen über die Zeit zwischen April 2010 und Dezember 2013 gefunden werden. Das Palladium eigne sich dabei für maximal drei bis vier Stücke pro Jahr, die restlichen der insgesamt zehn bis zwölf Stücke seines so genannten „en suit-Spielplans“ würden dann an anderen Orten aufgeführt. Im Gespräch sei man hier mit der Kölnarena, der Philharmonie, dem Gürzenich aber auch katholischen Kirchen, hieß es in der Vorlage weiter. Das Palladium hat eine Nutzfläche von rund 10.000 Quadratmetern, ist jedoch auch bekannt durch zahlreiche Rock- und Popkonzerte. Hinzu kommt, dass einige der Räumlichkeiten bereits ab dem kommenden September angemietet werden müssen, da ansonsten der Vermieter die entsprechenden Flächen nicht freihalten kann. Findet der Vermieter einen anderen temporären Nutzer, würden die damit erzielten Mieteinnahmen gar an die Bühnen zurückfließen. Laufenberg äußerte bereits seine Zustimmung zu dieser Lösung, wie es in der Vorlage abschließend hieß.

  Kommentar
 

Na also, geht doch, möchte man meinen, wenn man sich die neue Vorlage durchliest. Es bleibt der Eindruck, dass die Kulturverwaltung zunächst einmal über ihren Schatten springen musste. Die damals eingebrachte Lösung eines speziell für diesen Zweck umgebauten Staatenhauses scheint vor dem Hintergrund der jüngsten Zahlen fast wie ein „Maximalvorhaben“. Immerhin konnte sich die Verwaltung hier gemeinsam mit den künstlerisch Verantwortlichen so weit einigen, dass auch diese für die dreieinhalbjährige Interimszeit mit einigen einschränkenden Rahmenbedingungen abfinden zu können. Das ist gut so und entlastet den Etat um immerhin 15 Millionen Euro.

Man darf gespannt sein, wie die Kölner Kommunalpolitik auf diese Vorlage reagieren wird. Auch 18,8 Millionen Euro sind eine Menge Holz. Und das nur, um einen ohnehin zuschussbedürftigen Hochkulturbetrieb über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren am Leben zu erhalten. Eine Bedingung haben sich die Kulturfachleute allerdings zu Herzen genommen. Der „einfache“ Griff in die allgemeine Ausgleichsrücklage, wie der finanzielle Dispositionsrahmen ohne die Notwendigkeit einer Haushaltssicherung im Neuen Kommunalen Finanzmanagement nun genannt wird, war zu simpel. An diesem Teilaspekt hatte sich die Kritik des Stadtrates in besonderer Weise entzündet. Nun wird wenigstens die Hälfte aus den geplanten Erhöhungen des Kulturetats finanziert. Skeptikern dürfte das wohl kaum reichen. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass die bauliche Ertüchtigung der Originalspielstätten mit voraussichtlich mindestens 230 Millionen Euro zu Buche schlägt.
Den Kulturpessimisten sei gesagt, dass die Kultur immer auch zu den weichen Standortfaktoren gehört. Und die haben in der jüngsten Vergangenheit, so hört man es anderer Stelle immer wieder, dazu geführt, dass Weltunternehmen wie Microsoft sich überhaupt für Köln entschieden haben.







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