27. 05. 2012
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Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratung der Stadt Köln kämpft um Verlängerung
Kinder- und Jugendgesundheit sind ein wichtiges Thema. Immer mehr wird der Öffentlichkeit bewusst, dass man von staatlicher Seite etwas für die Gesunderhaltung der heranwachsenden Generation unternehmen muss. Genau dafür hatte der Stadt im Jahr 2008 den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Beratungsdienst eingeführt. Drei Mitarbeiter, darunter eine Psyciaterin, einen Sozialarbeiter und ein Krankenpfleger, kümmern sich seither um die Vernetzung und Einzelfallberatung. Rund 400 solcher Beratungs- und Kontaktgespräche hat es seit der Arbeitsaufnahme im August vergangenen Jahres bis Mai 2010 bereits gegeben. Vor allem Förderschulen, aber auch vom Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes und anderen Beratungsstellen kommen die "Kunden" für diese Abteilung, wie Dr. Sabine von Eick vom Kölner Gesundheitsamt auf der vergangenen Sitzung des Gesundheitsausschusses erläuterte. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser neuen Abteilung ist die Netzwerkarbeit. An rund 40 Treffen haben die Mitarbeiter teilgenommen und dabei nicht nur über die eigene Arbeit informiert sondern darüber hinaus den Kreis der potentiellen Vermittler von neuen Fällen ausgebaut. Die Stellen sind aber nur bis um 30. Juni dieses Jahres finanziert.
"Die wirksamste Hilfe ist die aufsuchende Hilfe", zitierte der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes, Dr. Robert Wegner, den amtierenden Präsidenten des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers. Tatsächlich hat sich in der Domstadt nach langen Jahren der Finanzknappheit seit 2007 einiges getan. Unter dem Stichwort "Frühe Hilfe" geht es um nicht weniger als die Gesundheitsberatung von Kindern und Eltern über die gesamte Bildungskette hinweg. Dem dient auch die im Jahr 2008 eingeführte Clearingstelle, der Beratungsbus BOJE und viele weitere Initiativen und Projekte, teilweise auch mit Unterstützung von anderen Körperschaften. Das interdisziplinäre Team hat dabei eine wahre Mammutaufgabe vor sich, denn gerade Kindern aus sozial benachteiligten Familien benötigen diese frühen Hilfen mehr als andere. Unlängst wurde in einer neuen Untersuchung deutlich, dass gerade Kinder aus diesen Familien häufig schon in frühen Jahren mit Gewichtsproblemen und anderen körperlichen und psychischen Problemen zu kämpfen haben. "Der Beratungsbedarf ist massiv angestiegen", beschrieb Wegner dem Ausschuss die Problemlage. Die neuesten Zahlen zu den Schuleingangsuntersuchungen werden dabei in Kürze vorgestellt, auch das eine Aufgabe des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes. Die Folgen einer Nicht-Behandlung sind jedoch fatal. Auffälliges Verhalten kann so bei rechtzeitiger fachgerechter Behandlung entschärft werden, wie der Fall eines 15-Jährigen zeigt, der sich vor anderen Kindern entblößte. Das sei zwar nur ein Einzelfall, zeige aber in geradezu exemplarischer Deutlichkeit die Notwendigkeit einer "multi-professionellen Behandlung", wie von Eick weiter ausführte. Außerdem gilt die Regel: "Je früher, desto besser".
Nach dem mündlichen Vortrag der Fachexperten zeigten sich die Fachpolitiker der Fraktion mehr als beeindruckt. Einhellig unterstützten die Gesundheitspolitiker im Ausschuss das Anliegen, zumindest der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Beratungsdienst mit seinen drei Planstellen zu erhalten, notfalls über eine Dringlichkeitsentscheidung, wie Grünen-Politiker Stefan Peil ausführte. "Wir dürfen eine Kürzung nicht hinnehmen", äußerte auch CDU-Ratsfrau Ursula Gärtner. Und auch der Ausschussvorsitzende Michael Pätzold zeigte sich entschlossen, Kinder- und Jugendpsychiatrischen Beratungsdienst ("wichtiger Dienst") "schlagkräftig" zu erhalten. Auch das Schulverwaltungsamt macht sich intern stark für den Erhalt der Abteilung. Ein Wegfall dieser Abteilung wäre für die Kölner Schulverwaltung "eine Katastrophe", schließlich würde ein wichtiger Präventionsbaustein verloren gehen, wie eine Mitarbeiterin ausführte. In der Verwaltung selbst gebe es dazu jedoch derzeit noch keine einheitliche Meinung, wie die zuständige Fachdezernentin Marlis Bredehorst ausführte. Eine Vorlage der Verwaltung zur Fortführung des zeitlich befristeten Angebots gab es auf der Sitzung nicht. Um die Stellen dennoch erhalten zu können, müsse nun schnell gehandelt werden. "Es ist der politische Wille, auch wenn es ein Vorgriff auf die Haushaltsverhandlungen darstellt", beschrieb Grünen-Politiker Peil die Komplexität der Sachlage. Allerdings droht nach jahrelangem Kampf und der seit 2007 begonnenen Umsetzung an dieser Stelle nun wieder der Einschnitt. Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, das weiß Fachmann Wegner aus eigener Erfahrungen, ist es nicht weniger als der Kampf gegen einen Teufelskreis.

























