27. 05. 2012
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Köln-Ehrenfeld: Bezirksvertretung beschließt Resolution gegen Rechts
Dabei ging es erneut um die für 19. und 20. September dieses Jahres
geplante "Anti-Islamisierungs"-Veranstaltung der als rechtsextrem
eingestuften Formation "pro Köln".
In einer gemeinsamen Resolution, die von SPD, CDU, Grünen, FDP und auch
der Linken unterstützt wurde, fordern die Unterzeichner den
Oberbürgermeister und den Kölner Polizeipräsident Klaus Steffenhagen
dazu auf, „alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit die
Hetzveranstaltung nicht stattfinden kann“. Gleichzeitig forderte die
Bezirksvertretung die gesellschaftlichen Gruppen und Vereine auf, sich
für ein weltoffenes und tolerantes Köln einzusetzen. „Köln ist bunt und
nicht braun“, so der Resolutionstext weiter. Der einzige anwesende
Bezirksvertreter der Fraktion pro Köln, die nach dem Wechsel des
ehemaligen stellvertretenden Bezirksvorstehers Jörg Uckermann nur mit
einem Vertreter anwesend war, wurde unterstützt von gleich zwei pro
Köln-Ratsherren. Uckermann selbst blieb der Veranstaltung fern, nachdem
er bereits in den zwei Sitzungen zuvor teilweise unter Tumulten aus dem
Saal gewiesen wurde und ein entsprechender Antrag vor dem Verwaltungsgericht abschlägig beschieden wurde.
CDU wiederholt Bedenken und stimmt gegen Bebauungsplanänderung
Die Verwaltung legte zudem unter Tagesordnungspunkt 6.4. einen
Beschlussvorschlag vor, der die dritte Änderung des Bebauungsplan
(B-Plan) vorsieht. „Wir haben 146 gleichlautende Sammelstellungnahmen
sowie 80 Einzel-Stellungnahmen bearbeitet. Bei mehr als 50
gleichlautenden Stellungnahmen erhalten die Einwender keine Einzelbrief
mit der entsprechenden Stellungnahme der Verwaltung“, erläuterte
Andreas von Wolff vom Stadtplanungsamt. Wie bereits bei Köln
Nachrichten berichtet wurde neben einer „geringfügigen Reduzierung“ der
reduzierten Grundfläche vor allem die Nebennutzflächen wie
Veranstaltungsräume, Einzelhandel, Büro und Gastronomie zurückgenommen.
Dadurch muss der Bauherr nur eine Etage in die Tiefe, konnte aber
gleichzeitig die Zahl der vorgesehenen Stellplätze erhöhen.
Die CDU stimmte allerdings gegen den Satzungsbeschluss. Deren
Fraktionsvorsitzender Lukas Kienitz bemängelte unter anderem die
mangelnde Transparenz des Bauherrn Ditib. Darüber hinaus sehen die
Christdemokraten im Bezirk die zu Beginn dieses Jahres formulierten
Voraussetzungen für eine Zustimmung der Partei zum Bauvorhaben als
nicht gegeben an. Grundsätzlich habe die CDU nicht gegen eine Moschee.
„Der Baukörper wurde kaum wahrnehmbar reduziert und ist damit nicht
alltagsfähig. Er wird im Stadtteil zu erheblichen Akzeptanzproblemen
führen“, erläuterte Kienitz weiter. Die BV-Fraktion bekenne sich damit
„nach langen parteiinternen Diskussionen“ zum Parteitagsbeschluss der
CDU in Sachen Moscheebau, die die Partei bei ihrem Kreisparteitag vor
rund einem Jahr (14. August 2007) mehrheitlich getroffen hatte.
Große Mehrheit will die schnelle Realisierung
SPD-Fraktionschefin Barbara Deppner begrüßte die Vorlage der Verwaltung.
„Die Bauarbeiten werden hoffentlich in Kürze beginnen, wir wünschen uns
eine zeitnahe Umsetzung“, erklärte Deppner den Standpunkt ihrer
Fraktion. Grünen-Bezirksvertreterin Kirsten Reinhardt lobte, dass das
Bauvorhaben während des Prozesses transparenter geworden sei. „Die
Grünen haben das Projekt von Anfang an unterstützt“, erklärte die
Bezirksvertreterin weiter. Und auch FDP-Vertreterin Marlis Pöttgen
sprach sich mit deutlichen Worten für das Bauvorhaben des zur
türkischen Religionsbehörde Diyanet zählenden Religionsvereins Ditib
aus. „Die neue Moschee wird ein Schmuckstück. Wir müssen jetzt Fakten
schaffen, wenn wir mit dem Gelebten bewerten können, dass Integration
funktioniert“, so die Liberale im Stadtteilparlament. Für die Linke sei
„Religionsfreiheit“ schon immer ein hohes Gut gewesen.
SPD-Bezirksvertreter Hans-Peter Juretzki zeigte sich schließlich
erfreut, dass die „Zerrbilder“, die pro Köln in der Öffentlichkeit
verbreite, öffentlich widerlegt wurden. Erstaunt zeigte sich Juretzky
über das Abstimmungsverhalten der CDU. „Die Begründung ist von
Zaghaftigkeit geprägt“, so Juretzki abschließend.
Es war ein erneutes Lehrbeispiel über die Einfältigkeit der selbst
ernannten Retter des Abendlandes. Obwohl seit inzwischen vier Jahren in
allen BVs und mit fünf Mitgliedern immerhin die fünftgrößte Fraktion im
Stadtrat, scheinen sich die Vertreter der als rechtsextrem eingestuften
Formation noch immer nicht wirklich mit den Geschäftsordnungen
auszukennen. Nachdem der Randalekurs ihres prominenten Neuzugangs
Uckermann zunächst durch das herzhafte Eintreten des
Bezirksbürgermeisters Josef Wirges ausgebremst wurde, muss sich pro
Köln mit strukturellen Widerständen auseinander setzen. Dass sie dabei
scheinbar immer wieder aufs Neue lernen müssen, wer einen Antrag in der
BV stellen darf, bestätigt diejenigen, die den Rechten schon immer
eine gewisse „Schlichtheit“ bescheinigen.
In der Sache selbst dürfte es keine Überraschungen mehr geben. Wer
allerdings geglaubt hatte, dass die Ehrenfelder CDU sich nun mit den
anderen
Parteien gemeinsam für den Bau ausspricht und damit der Kreispartei in
den Rücken der eigenen Anträge fällt, war wohl etwas zu optimistisch.
Die CDU in Ehrenfeld folgte dem Votum der Stadtpartei. Das alleine muss
nichts Negatives sein. Immerhin erzielte pro Köln mit ihrem Protest
gegen Moscheebau und dem Schüren von Ängsten der Überfremdung in den
unmittelbar betroffenen Stadtteilen ihre höchste Zustimmung. Bereits
die öffentliche Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung im vergangenen Jahr
machte deutlich. Es gibt auch außerhalb der „strammen Rechten“
Vorbehalte gegen den Moscheebau und die benötigen ein Sprachrohr.
Möglicherweise schaffen es die Christdemokraten mit ihrer Linie sogar,
die Sorgen zu kanalisieren und damit den Rechten im Stadtbezirk Stimmen
wegzunehmen. Doch auch diese Annahme klingt optimistisch. In der Kölner
CDU-Spitze wurde bereits vor Wochen kolportiert, dass eine Zustimmung
der CDU zur Moschee wenig wahrscheinlich sei. Einzig Oberbürgermeister
Fritz Schramma, auch das seit langem bekannt, hatte sich bereits früh
auf die Unterstützung des Moscheebau und damit auch gegen den
Parteitagsbeschluss festgelegt. Nicht gerade der Beweis für eine
gemeinsame Haltung, aber lebhafte Diskussionen sind auch Beleg
demokratischer Lebensfähigkeit, auch wenn das der Öffentlichkeit zum
Teil nur schwer zu vermitteln ist.
Sollte der Rat am 28. August den Änderungen des B-Plan zustimmen, wird
die Ausstellung der Baugenehmigung sicher nicht lange auf sich warten
lassen. Und so könnte noch im Spätsommer die Bagger anrollen, um in
Köln ein würdiges und zentral gelegenes Gotteshaus für die Muslime in
Köln zu schaffen. Diese Zustimmung darf nach der heutigen Sitzung kaum
noch in Frage gestellt sein. Und ein weiteres Argument der Gegner ist
bei näherer Betrachtung nicht allzu stichhaltig. In Mannheim, Duisburg
und anderen Großstädten hat der
Moscheebau eben nicht zu mehr Überfremdung und Parallelgesellschaft
geführt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Und auch in Köln ist die
Ditib als Bauherr und Besitzer der Moschee gut beraten, den Neubau als
Kommunikationszentrale und als Integrationszentrum zu positionieren.
Zum Schluss noch Folgendes: Niemand in Deutschland muss befürchten,
dass ein islamischer Vorbeter
die deutschen Nachbarn um 5 Uhr aus dem Bett holt, das ist wegen der
Regelungen des Bundesemissionsschutzgesetzes ohnehin kein Thema.

























