27. 05. 2012
Seite drucken
Köln: Finanzausschuss beschließt Haushaltssatzung
Wie schon beim Beschluss, den diesjährigen Haushalt im Rahmen eines
Doppelhaushaltes für die Jahre 2008 und 2009, fand sich auch bei den
Haushaltsplanberatungen wieder eine breite Mehrheit aus CDU, SPD und
Grünen zusammen, die nach zähen Verhandlungen ihren Kompromiss
vortrugen. Dabei wurde in einigen Bereichen zusätzliches Geld
abgestellt. Zwei Millionen für Qualitätssicherung im Offenen Ganztag,
2,5 Millionen Euro für einen 50-prozentigen Rabatt im dritten
Kindergartenjahr sowie als einer der größten Brocken zusätzliche sechs
Millionen Euro für die Ganztagsbetreuung in der Sekundarstufe I (vor
allem für Gymnasien und Realschulen). Weitere 3,5 Millionen Euro sollen
in ein so genanntes „win-win“-Projekt investiert werden, wie Börschel
ausführte. Denkmalgeschützte Gebäude, die sich in öffentlichem Besitz
befinden, sollen im Rahmen von Beschäftigungsfördermaßnahmen
revitalisiert werden. „Das macht es für uns charmant“, erläuterte
Börschel. Auch das Standortmarketing soll mit zusätzlich 500.000 Euro
unterstützt werden, so Börschel weiter.
Während der SPD-Fraktionschef allerdings auch dem Oberbürgermeister und
der Landesregierung vorwarf, den Haushalt zusätzlich zu belasten und
die Zusetzungen der breiten Haushaltskoalition als „Reparatur alter
Fehlentscheidungen“ bezeichnete, wies CDU-Fraktionsvize Karl Klipper
auf die Schwerpunkte seiner eigenen Fraktion hin. „Die Stadt Köln wird
im Konzert der Metropolen wieder wahrgenommen“, verteidigte Klipper die
angesprochenen Großprojekte und die daraus resultierenden Folgekosten.
Neben der Erhöhung des Kulturetats war für seine Fraktion vor allem die
Reduzierung der Elternbeiträge für das dritte Kindergartenjahr wichtig.
„Das ist der Einstieg in die Beitragsfreiheit“, so der CDU-Stadtrat.
Deutlich kritischer ging Grünen-Fraktionsvize Jörg Frank mit dem neuen
Haushalt und seiner geänderten Rechnungslegung um. Was für Klipper noch
neue Möglichkeiten bot, ist für Frank das noch nicht eingelöste
Versprechen auf mehr Transparenz. Gemeint war bei beiden das Neue
Kommunale Finanzmanagement, das in Köln ein Jahr früher und – im
Gegensatz zu anderen NRW-Kommunen – in einem Rutsch umgesetzt wurde.
Stadtkämmerer Peter-Michael Soenius hingegen betonte, dass seine
Mitarbeiter größtmögliche Transparenz mit dem NKF dargestellt haben.
Zum Vorwurf Franks wies Soenius darauf hin, dass das NKF nicht wie „Kai
aus der Kiste“ kam. Auch den Vorwurf Börschels wollte Soenius so nicht
stehen lassen. „Die Verwaltung hat nicht gewurschtel. Das Gegenteil ist
der Fall“, erklärte der Kämmerer.
Rahmenbedingungen verschlechtern sich mittelfristig
Dabei müssen die Stadtverordneten mit schwierigeren Rahmenbedingungen
kämpfen, wie die Zahlen des vierten Veränderungsnachweises
verdeutlichten. Die wurden am 2. Juni offiziell schlussgezeichnet und
beinhalten die jüngsten Steuerschätzungen sowie bereits absehbare
Folgen der geplanten Unternehmenssteuerreform. Fazit dabei: Die
Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Köln werden eine „Delle“ von 70 bis 80
Millionen Euro aufweisen und damit die finanziellen Spielräume der
größten NRW-Kommune deutlich einschränken. Die Vertreter von Rot,
Schwarz und Grün verteidigten dabei die Ergebnisse ihrer Beratungen und
auch ihre Entscheidung die beiden Haushaltsjahre 2008 und 2009
zusammenzufassen.
Kritik der „Haushaltsopposition“ aus unterschiedlichen Ecken
Währen die Vertreter der „Haushaltsfraktion“ ihre eigenen
Veränderungen, die sich für das Haushaltsjahr 2009 um eher geringe 14,5
Millionen Euro belaufen, als Zeichen „vorsichtiger und maßvoller
Haushaltspolitik“ betrachteten, lehnte die FDP das gesamte Verfahren
schlichtweg ab. „Sie machen keine Vorschläge, wie sie die geplanten
Mehrausgaben finanziell abdecken wollen. Wir lehnen dieses Vorgehen aus
grundsätzlichen Gründen ab“, erklärte FDP-Fraktionsgeschäftsführer
Ulrich Breite. Ebenso wie die Liberalen hätte es auch KBB-Stadtrat Dr.
Martin Müser gerne gesehen, wenn bereits in diesem Spätsommer der
nächste Bürgerhaushalt in die Beteiligungsphase gegangen wäre. „Das ist
ja gerade die Stärke des Bürgerhaushalts“, so Müser. Auch die Linke
lehnte den zur Abstimmung gestellten Entwurf ab, wenn auch aus völlig
anderen Gründen. Die geplanten Zusetzungen der Stadtverwaltung beim
Personal nannte deren Ratsmitglied Claus Ludwig einen „interessanten
Ansatz“. Auch seine Fraktion lehnt den Haushalt ab, allerdings
forderten die Linken eine Erhöhung der Gewerbesteuer um gleich 30
Prozentpunkte auf 480 Punkte. Der Antrag der Linken wurde aber
einstimmig abgebaut.
Bürgerhaushalt zu Clustern zusammengefasst
Auch der Bürgerhaushalt, der aufgrund des Doppelhaushalts erst im
September kommenden Jahres wieder stattfinden soll, stand im
Mittelpunkt der Beratungen. Insgesamt hat der Veränderungsnachweis, der
sich aus den Vorschlägen der Bürgerinnen und Bürger errechnete, einen
Umfang von 8,2 Millionen Euro für beide Haushaltsjahre. „Ein
außerordentlicher Erfolg“ sei das Verfahren in Köln, urteilte SPD-Mann
Börschel. Die CDU will das Verfahren sogar noch um weitere Bereiche
ausdehnen, aber erst im kommenden Jahr. Und Grünen-Fraktionsvize Frank
rechnet noch in den kommenden Monaten mit weiteren Vorlagen der
Verwaltung. „Das Verfahren wird weiterlaufen“, so Frank. Enttäuscht
äußerte sich FDP-Mann Breite, er rieb sich vor allem an der Clusterung
der Bürgervorschläge. Trotz Zusicherung, dass die als Ergänzungsantrag
eingebrachte Zusammenfassung der Haushaltskoalition weiterhin in seiner
gesamten Breite aller Einzelvorschläge zur Abstimmung stand, blieben
die Liberalen im Finanzausschuss bei ihrer Ablehnung auch in diesem
Punkt.

























