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27. 05. 2012
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Köln-Neuehrenfeld: Streit um Nachnutzung der ehemaligen Kfz-Zulassungsstelle


07.02.2009 20:52 von:

Schlagwörter: Köln,Ausschüsse,Kfz-Zulassungsstelle,Herkulesstraße,Stadtentwicklung,Umnutzung,B

Am gestrigen Donnerstag (10. Januar 2008) legte die Verwaltung im Stadtentwicklungsausschuss (SteA) ein 17-seitiges Papier vor, in der gleich drei mögliche Bebauungsvarianten analysiert wurden. Das rund 18.100 Quadratmeter große Grundstück, auf dem derzeit noch die viergeschossige ehemalige Kfz-Zulassungsstelle sowie einige Nebengebäude stehen, soll umgewidmet und möglichst gewinnbringend veräußert werden. Die Stadtverwaltung nahm in der „Standortanalyse Herkulesstraße 42“ eine ausführliche Analyse vor. So sieht das derzeitige Planungsrecht eine so genannte „Mischnutzung“ vor, in Abgrenzung zum nördlich anschließenden Gewerbegebiet (bebaut mit einer Niederlassung einer bekannten Automarke) besteht derzeit ein etwa 30 Meter breiter Grünstreifen.
 
Das Areal rund um die ehemalige Kfz-Zulassungsstelle vom KölnTurm aus aufgenommen. Bild: Archiv 
Doch während die Verwaltung auf dem Grundstück Büronutzung ermöglichen will, lehnte die Vertreter von Rot-Grün dies in der Sitzung des SteA ab. So sei auf dem Standort auch Wohn- oder Industrienutzung denkbar. SPD und Grüne forderten von der Verwaltung folgerichtig weitere Alternativen.

Drei Varianten vorgeschlagen

Da die Stadt das Areal nicht selbst weiternutzen, sondern „städtebaulich aufwerten“ und anschließend veräußern will, legte sie in der Analyse drei mögliche Varianten vor. Die erste Variante sieht einen vorzugsweise als Büro genutzten Gebäudekomplex mit einem Hochhaus vor. Die Stadtsilhouette würde dadurch betont, argumentiert die Verwaltung ihren ersten Entwurf. In direkter Nachbarschaft liegt das 32-geschossige Herkules-Hochhaus, auch der KölnTurm ist nicht allzu weit entfernt. Und weil die Blickbeziehung zum Kölner Dom nach Meinung der Verwaltung nicht beeinträchtigt wäre, könnte das neue Hochhaus durch die Höhe des KölnTriangels (28 Geschosse, 103 Meter hoch) haben.

In einer zweiten Variante denkt Stadtplanungsdezernent Bernd Streitberger an eine Blockrandbebauung mit fünf Geschossen, die sich die direkt an der das Baufeld anschließenden Bebauung orientieren würde. Damit würde eine „Stadtkante“ entlang der Stadtautobahn entstehen, die „Heilung“ durch eine an die östlich davon gelegene Daimler Benz-Zentrale angelehnte Blockrandbebauung ist hingegen durch den bereits bestehenden Grünzug schwierig und wurde nicht weiter verfolgt.

Der dritte Vorschlag schließlich sieht die Ausnutzung der gesamten Grundstücksgröße durch ein Gebäudeensemble vor. In dieser Variante könnten insgesamt 36.000 Quadratmeter Nutzfläche (vorzugsweise Büro) entstehen. Zwar sehe der derzeit gültige B-Plan im östlichen Bereich des Grundstücks eine so genannte „Fläche für Gemeinbedarf“ vor. Doch weil auch die städtische Zulassungsstelle, auf die diese Fläche abgestimmt war, nicht mehr dort ansässig ist, besteht nach Meinung der Stadtverwaltung dafür kein Bedarf mehr. Allerdings wäre für diese Variante eine Änderung des B-Plans notwendig, so die Studie weiter.

Kritik von Rot-Grün

Trotz der umfassenden Standortanalyse äußerten SPD und Grüne Enttäuschung über den engen Fokus der Betrachtung. So forderte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD Dr. Eva Bürgermeister, dass man das ganze Areal in einem größeren Zusammenhang betrachten müsste. Dabei denkt die SPD-Politikerin sowohl daran, das Areal für einen möglichen Wohnungsbau zu arrondieren als auch an die Umwidmung zu einem Industrie- und Gewerbestandort. So könnte insbesondere die nur wenige hundert Meter entfernte Firma Campina die Wege zwischen Lager und Produktion optimieren. „Der Standort könnte passen“, führte Bürgermeister aus. Das sieht die Vorsitzende der Grünen-Fraktion Barbara Moritz ähnlich. Beide lehnte die ausschließliche Fokussierung auf eine Büronutzung an diesem Standort ab und forderten Alternativen. Auch der in der Nachbarschaft angesiedelte Schlachthof der Fleischversorgung Rheinland, der derzeit auf dem Areal Liebigstraße/Hornstraße ansässig ist, könnte das neue Areal beziehen. Moritz zeigte sich aber noch aus einem anderen Grund mit der Vorlage der Standortanalyse unzufrieden. „Die Liegenschaftsverwaltung will das Areal nur wie eine Briefmarke veräußern. Das ist kleinkariert“, kritisierte die Grünen-Politikerin. Schließlich gebe es in Köln genügend Reserveflächen für Bürostandorte, argumentierte Moritz weiter. „Wir haben mehr erwartet“, pflichtete SPD-Fraktionsgeschäftsführer Michael Zimmermann bei.

Eine völlig andere Meinung vertrat hingegen Ralph Sterck von der FDP. Er bezeichnete das Areal zwischen Herkulesstraße und Gleisdreieck als „Filetstück“ . So etwas an Gewerbebetriebe wie die Fleischversorgung zu veräußern, sei so etwas wie „Perlen vor die Säue“ werfen, kritisierte Sterck die Vorschläge von Rot-Grün. Der Standort sei geradezu ideal für Büronutzung. Aber eigentlich sei der Antrag des Kernbündnisses mit Vorlage der Analyse eigentlich abgearbeitet. Auch der Ausschussvorsitzende Karl Klipper betrachtete die Angelegenheit als erledigt. Er warnte Rot-Grün davor, den Industriestandort in Frage zu stellen. Auch eine Erweiterung der Diskussion auf einen Ausweichstandort für den Schlachthof sei wenig zielführend, so der CDU-Politiker weiter. Zumal das Areal von Campina und Schlachthof jenseits der Bahnlinie nördlich des Areals liege und mithin eine städtebauliche Verbindung zwischen beiden Standorten gar nicht bestehe.

Stadtentwicklungsdezernent Streitberger machte darauf aufmerksam, dass sich die Entwicklung des Geländes aus Sicht seiner Verwaltung eher schwierig gestalte. Dem Vorwurf, dass das Papier bereits seit April vergangenen Jahres vorliege und erst jetzt als Vorlage in den Ausschuss gelangte, entschuldigte der Beigeordnete damit, dass die weiteren Planungen wegen Rechtsunsicherheiten bei der Ausschreibungspflicht stadteigener Grundstücke (Europarecht) zunächst zurückgehalten wurden. Diesen Kritikpunkt wollten aber weder Rot-Grün noch die bürgerlichen Parteien gelten lassen. „Wir können aufgrund eines OVG-Urteils einen Stillstand in der Rechtspflege nicht hinnehmen“, erklärte FDP-Mann Sterck abschließend. So soll die Stadtverwaltung bereits zur nächsten Sitzung Vorschläge zur zukünftigen Nutzung erarbeiten, über die der Ausschuss anschließend abstimmen soll.

Bei Enthaltung der FDP-Fraktion wurde der Antrag abschließend mehrheitlich angenommen.







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