27. 05. 2012
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Köln-Neuehrenfeld: Streit um Nachnutzung der ehemaligen Kfz-Zulassungsstelle
Am gestrigen Donnerstag (10. Januar 2008) legte die Verwaltung im
Stadtentwicklungsausschuss (SteA) ein 17-seitiges Papier vor, in der
gleich drei mögliche Bebauungsvarianten analysiert wurden. Das rund
18.100 Quadratmeter große Grundstück, auf dem derzeit noch die
viergeschossige ehemalige Kfz-Zulassungsstelle sowie einige
Nebengebäude stehen, soll umgewidmet und möglichst gewinnbringend
veräußert werden. Die Stadtverwaltung nahm in der „Standortanalyse
Herkulesstraße 42“ eine ausführliche Analyse vor. So sieht das
derzeitige Planungsrecht eine so genannte „Mischnutzung“ vor, in
Abgrenzung zum nördlich anschließenden Gewerbegebiet (bebaut mit einer
Niederlassung einer bekannten Automarke) besteht derzeit ein etwa 30
Meter breiter Grünstreifen.
Das Areal rund um die ehemalige Kfz-Zulassungsstelle vom KölnTurm aus aufgenommen. Bild: Archiv
Doch während die Verwaltung auf dem Grundstück Büronutzung ermöglichen
will, lehnte die Vertreter von Rot-Grün dies in der Sitzung des SteA
ab. So sei auf dem Standort auch Wohn- oder Industrienutzung denkbar.
SPD und Grüne forderten von der Verwaltung folgerichtig weitere
Alternativen.
Drei Varianten vorgeschlagen
Da die Stadt das Areal nicht selbst weiternutzen, sondern
„städtebaulich aufwerten“ und anschließend veräußern will, legte sie in
der Analyse drei mögliche Varianten vor. Die erste Variante sieht einen
vorzugsweise als Büro genutzten Gebäudekomplex mit einem Hochhaus vor.
Die Stadtsilhouette würde dadurch betont, argumentiert die Verwaltung
ihren ersten Entwurf. In direkter Nachbarschaft liegt das
32-geschossige Herkules-Hochhaus, auch der KölnTurm ist nicht allzu
weit entfernt. Und weil die Blickbeziehung zum Kölner Dom nach Meinung
der Verwaltung nicht beeinträchtigt wäre, könnte das neue Hochhaus
durch die Höhe des KölnTriangels (28 Geschosse, 103 Meter hoch) haben.
In einer zweiten Variante denkt Stadtplanungsdezernent Bernd
Streitberger an eine Blockrandbebauung mit fünf Geschossen, die sich
die direkt an der das Baufeld anschließenden Bebauung orientieren
würde. Damit würde eine „Stadtkante“ entlang der Stadtautobahn
entstehen, die „Heilung“ durch eine an die östlich davon gelegene
Daimler Benz-Zentrale angelehnte Blockrandbebauung ist hingegen durch
den bereits bestehenden Grünzug schwierig und wurde nicht weiter
verfolgt.
Der dritte Vorschlag schließlich sieht die Ausnutzung der gesamten
Grundstücksgröße durch ein Gebäudeensemble vor. In dieser Variante
könnten insgesamt 36.000 Quadratmeter Nutzfläche (vorzugsweise Büro)
entstehen. Zwar sehe der derzeit gültige B-Plan im östlichen Bereich
des Grundstücks eine so genannte „Fläche für Gemeinbedarf“ vor. Doch
weil auch die städtische Zulassungsstelle, auf die diese Fläche
abgestimmt war, nicht mehr dort ansässig ist, besteht nach Meinung der
Stadtverwaltung dafür kein Bedarf mehr. Allerdings wäre für diese
Variante eine Änderung des B-Plans notwendig, so die Studie weiter.
Kritik von Rot-Grün
Trotz der umfassenden Standortanalyse äußerten SPD und Grüne
Enttäuschung über den engen Fokus der Betrachtung. So forderte die
stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD Dr. Eva Bürgermeister,
dass man das ganze Areal in einem größeren Zusammenhang betrachten
müsste. Dabei denkt die SPD-Politikerin sowohl daran, das Areal für
einen möglichen Wohnungsbau zu arrondieren als auch an die Umwidmung zu
einem Industrie- und Gewerbestandort. So könnte insbesondere die nur
wenige hundert Meter entfernte Firma Campina die Wege zwischen Lager
und Produktion optimieren. „Der Standort könnte passen“, führte
Bürgermeister aus. Das sieht die Vorsitzende der Grünen-Fraktion
Barbara Moritz ähnlich. Beide lehnte die ausschließliche Fokussierung
auf eine Büronutzung an diesem Standort ab und forderten Alternativen.
Auch der in der Nachbarschaft angesiedelte Schlachthof der
Fleischversorgung Rheinland, der derzeit auf dem Areal
Liebigstraße/Hornstraße ansässig ist, könnte das neue Areal beziehen.
Moritz zeigte sich aber noch aus einem anderen Grund mit der Vorlage
der Standortanalyse unzufrieden. „Die Liegenschaftsverwaltung will das
Areal nur wie eine Briefmarke veräußern. Das ist kleinkariert“,
kritisierte die Grünen-Politikerin. Schließlich gebe es in Köln
genügend Reserveflächen für Bürostandorte, argumentierte Moritz weiter.
„Wir haben mehr erwartet“, pflichtete SPD-Fraktionsgeschäftsführer
Michael Zimmermann bei.
Eine völlig andere Meinung vertrat hingegen Ralph Sterck von der FDP.
Er bezeichnete das Areal zwischen Herkulesstraße und Gleisdreieck als
„Filetstück“ . So etwas an Gewerbebetriebe wie die Fleischversorgung zu
veräußern, sei so etwas wie „Perlen vor die Säue“ werfen, kritisierte
Sterck die Vorschläge von Rot-Grün. Der Standort sei geradezu ideal für
Büronutzung. Aber eigentlich sei der Antrag des Kernbündnisses mit
Vorlage der Analyse eigentlich abgearbeitet. Auch der
Ausschussvorsitzende Karl Klipper betrachtete die Angelegenheit als
erledigt. Er warnte Rot-Grün davor, den Industriestandort in Frage zu
stellen. Auch eine Erweiterung der Diskussion auf einen
Ausweichstandort für den Schlachthof sei wenig zielführend, so der
CDU-Politiker weiter. Zumal das Areal von Campina und Schlachthof
jenseits der Bahnlinie nördlich des Areals liege und mithin eine
städtebauliche Verbindung zwischen beiden Standorten gar nicht bestehe.
Stadtentwicklungsdezernent Streitberger machte darauf aufmerksam, dass
sich die Entwicklung des Geländes aus Sicht seiner Verwaltung eher
schwierig gestalte. Dem Vorwurf, dass das Papier bereits seit April
vergangenen Jahres vorliege und erst jetzt als Vorlage in den Ausschuss
gelangte, entschuldigte der Beigeordnete damit, dass die weiteren
Planungen wegen Rechtsunsicherheiten bei der Ausschreibungspflicht
stadteigener Grundstücke (Europarecht) zunächst zurückgehalten wurden.
Diesen Kritikpunkt wollten aber weder Rot-Grün noch die bürgerlichen
Parteien gelten lassen. „Wir können aufgrund eines OVG-Urteils einen
Stillstand in der Rechtspflege nicht hinnehmen“, erklärte FDP-Mann
Sterck abschließend. So soll die Stadtverwaltung bereits zur nächsten
Sitzung Vorschläge zur zukünftigen Nutzung erarbeiten, über die der
Ausschuss anschließend abstimmen soll.
Bei Enthaltung der FDP-Fraktion wurde der Antrag abschließend mehrheitlich angenommen.

























