27. 05. 2012
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Köln: Rot-Grün will Gutachten zu Stadtbahn-Varianten
Neben den allgemeinen Auswirkungen auf den Verkehr durch die geplante
Kreuzung an der Rheinuferstraße soll das Gutachten aber auch die
Erschließungsfunktionen möglicher Alternativen und das prozessuale
Risiko einer Planänderung beinhalten. Damit meinten die Vertreter des
Kernbündnisses die Variante einer Stadtbahner über den Bayenthalgürtel.
„Wir wollen eine ergebnisoffene Untersuchung der verschiedenen
Varianten“, erklärte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion
Peter Kron die Absicht. Die Verkehrsexpertin der Grünen-Fraktion
Bettina Tull wurde deutlicher und meldete „starke Zweifel“ an der
jetzigen Planungsvariante an. „Wir hätten mit anderen Varianten
erhebliche Einsparungen. Die Argumentation der Verwaltung und der CDU
ist nicht stringent“, so der Vorwurf Tulls.
Zuschüsse wackeln bei Umplanung
Die Verwaltung hingegen antwortete auf die entsprechende Anfrage der
CDU-Fraktion mit einer ausführlichen Tischvorlage. So liege nach der
aktuellen Kosten-Nutzen-Rechnung der Faktor derzeit bei 1,06, also
knapp über der Grenze der von Bund und Land vorgegebenen Grenze der
Zuschussfähigkeit. Mit anderen Worten: Würde die derzeitige Variante,
die in der zweiten Baustufe eine Streckenabzweigung über die
Marktstraße und Rheinuferstraße vorsieht, stattdessen oberirdisch im
Rahmen der dritten Baustufe bis zum Bayenthalgürtel und anschließend
erst in Richtung Rheinuferstraße umgeleitet, laufe die Stadt Gefahr,
Zuschüsse in Höhe von insgesamt 700 Millionen Euro zu verlieren. Neben
der um drei Minuten verlängerten Fahrtzeit sind vor allem
Kostensteigerungen ein weiteres Argument. Überdies müsste auch an der
Einmündung der Gürtelstrecke auf das Oberländer Ufer eingeplant werden,
mit den gleichen Verkehrsproblemen wie an der nun vorgeschlagenen
Stelle, wie die Vertreter von CDU und FDP argumentierten. „Bund und
Land haben keine andere Wahl, da das Bewertungsverfahren für solche
Projekte standardisiert ist. Bei einem Kosten-Nutzen-Faktor von unter
„1“ wäre der Bau der Stadtbahn nicht mehr förderfähig“, stellte
Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger klar. Das Problem der
Rheinuferquerung will die CDU mit einer Tieferlegung der
Rheinuferstraße erreichen, ein Vorschlag, der vonseiten der Bauexperten
der Stadtverwaltung als machbar eingestuft wird.
Heftige Debatte im Ausschuss
Trotz der wiederholten Absicht, eine sachliche Debatte zu führen,
eskalierte die Auseinandersetzung im weiteren Verlauf. So warf
Grünen-Ratsfrau Tull der
Verwaltung Blockade vor, SPD-Verkehrsexperte Kron wunderte sich über
die „ungewöhnlich schnelle Beantwortung“ der CDU-Anfrage und das
konsequente Festhalten an der derzeiti geplanten Variante.
FDP-Vertreterin
Christraut Kirchmeyer wollte hingegen grundsätzlich nicht mehr andere
als die nun vorgesehene reden. Und selbst der sonst so besonnene
Vorsitzende des Verkehrsausschusses Karsten Möring bezeichnete die
Einwendungen des Kernbündnisses sogar als „Affentheater“, ein Ausdruck,
den der CDU-Politiker allerdings kurz danach wieder zurücknahm. Grund
für diese Spitze war die Vermutung, das Kernbündnis wolle trotz
massiver Einwände der Verwaltung eine andere Variante durchdrücken. So
steht als letzter Aspekt unter anderem ein „provisorischer Bau der
zweiten Baustufe inklusive Ausbau der Variante Bayenthalgürtel“ . „Sie
können doch nicht 65 Millionen Euro verbauen und kurz danach wieder
abreißen“, kritisierte Möring. „Unser Antrag ist kein Antrag zur
Umplanung“, versuchte Grünen-Vertreterin Tull zu beruhigen. SPD-Mann
Kron allerdings wollte auch die Gürtel-Variante nicht gänzlich
ausschließen. „Vor Jahren hielten die Verkehrsexperten der Verwaltung
die Gürtelvariante für die bessere, nun lerne ich dazu“, so der
süffisante Kommentar des SPD-Politikers. Auch Tull hält die derzeitige
Streckenführung für die schlechtere Lösung. „Sie kostet viel Geld und
erschließt weniger Fahrgäste. Ich traue der ganzen Argumentation
nicht“, fasst Tull ihre Kritik zusammen.
Zeitplan wird eng
Mit dem heutigen Beschluss, das Gutachten nun zeitnah, also bis zur
Sommerpause Anfang Juli, in die politischen Beratungen einzubringen,
werde jedoch der Zeitplan eng. Derzeit gehen die Verantwortlichen davon
aus, die ersten und zweite Baustufe im Sommer 2011 in Betrieb nehmen zu
können. Dies setzt allerdings voraus, dass die Ausschreibungen bis
spätestens August veröffentlicht werden. „Wäre das in diesem Monat
passiert, hätten wir sogar den Termin Frühjahr 2011 halten können“,
versicherte Stadtbahn-Projektleiter Rolf Pabst von der KVB. So ließen
die Vertreter des Kernbündnisses zudem offen, ob es schon vor der
Sommerpause zu einer Freigabe des Rates zu den notwendigen
Ausschreibungen für die zweite Baustufe kommen könne. Damit scheint
sicher, dass die ursprünglich von den Planern vorgesehene Pufferzeit
von rund zwei Monaten bis zur Fertigstellung der
Ausschreibungsunterlagen nun wegfällt. „Der 1. Januar 2010 war nie
realistisch, sollte die Ausschreibung erst nach August dieses Jahres
veröffentlicht werden, wird sich die Inbetriebnahme der
Nord-Süd-Stadtbahn ins Jahr 2012 verzögern“, erklärte Projektleiter
Pabst abschließend.

























