27. 05. 2012
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Musical Unlimited Cologne sorgt für Unmut bei Rot-Grün
Nachdem der Ausschuss bereits im November vergangenen Jahres erstmals
über ein Musikfestival beriet, fasste das Gremium auf seiner
Januarsitzung den Beschluss, die Stabsstelle mit der Umsetzung des
vorgelegten Konzeptes zu beauftragen. Am gestrigen Montag nun stellte
der Leiter der Stabsstelle Events im Amt des Oberbürgermeister Günter
Wieneke das aktualisierte Programm für das lange Eventwochenende zum
Abschluss der Sommerferien (7.-10. August 2008) vor. Statt Götz Alsmann
oder Annie Lennox kommen nun „Massive Attack“ und „The Killers“ auf den
Roncalliplatz. Mit dem britischen Mobilfunkkonzern Vodafone konnte
zudem ein finanzstarker Partner für das musikalische Highlight gewonnen
werden, wie Wieneke betonte. Das gesamte Musikfest (an einem der vier
Tage stellt die Stabsstelle derzeit noch ein Programm im Rahmen des
NRW-Frankreichtages zusammen) geht noch über den Roncalliplatz hinaus,
auch „Indoor-Spielstätten“ wie Alter Wartesaal, Gloria und der Kölner
Stadtgarten stehen auf dem Spielplan. Der vom neuen Kooperationspartner
vorgestellte Finanzrahmen sei „äußerst bemerkenswert“, wie die
Verwaltung in ihrer Mitteilung zum heutigen Ausschuss schrieb.
SPD und Grüne über Vorgehen enttäuscht
Insbesondere der Austausch der ursprünglich angedachten Interpreten
durch international bekanntere Gruppen stieß jedoch bei Rot-Grün nicht
auf die erhoffte Zustimmung. „Ich bin ein wenig irritiert über die
musikalische Richtung der genannten Bands. Das ist nicht angemessen für
den Roncalliplatz“, erklärte SPD-Ratsfrau Susanna dos Santos Herrmann.
Auch Brigitta von Bülow von den Grünen sieht sich von dem Vorhaben und
der Tischvorlage der Verwaltung überfahren. „Mir kommt das alles ein
wenig merkwürdig vor. Man kann nach unserem Beschluss nicht einfach das
Programm füllen, wie man will“, erklärte die Ratsfrau der Grünen.
Zustimmung für das Konzept kommt hingegen von den Christdemokraten im
Ausschuss. Deren Vorsitzender Winrich Granitzka begrüßt das vorgelegte
Programmangebot. „Wenn wir Musikstadt sein wollen, müssen wir auch für
Jüngere etwas bieten. Daran ist nicht Unanständiges“, so Granitzka.
„Wir hatten aber etwas anderes beschlossen und wir würden gerne
mitentscheiden“, konterte der Vorsitzende des Ausschusses SPD-Stadtrat
Michael Zimmermann. Trotzdem blieben die Vertreter von Rot-Grün
sichtlich sauer über das Vorgehen. Einer engeren Kontrolle über das
Programmangebot bei international bedeutsamen „acts“ steht aber das
übliche Prozedere bei Verhandlungen entgegen. „Künstler- und
Veranstaltungsagenturen wollen vorab wissen, ob sie die Genehmigung für
einen Platz bekommen und nicht umgekehrt. Wenn wir das in Köln anders
machen wollen, können Konzerte dieser Größenordnung und mit dieser
Besetzung zukünftig in Köln vergessen“, erklärte Wieneke. „Wer zahlt,
schafft an: Diese Aussage ist falsch. Die Bürgerschaft (hier der AVR)
entscheidet, welcher Platz für welches Event vergeben wird“, entgegnete
Zimmermann abschließend.
Zwei Welten prallen aufeinander. Im Rahmen der c/o pop will Köln wieder
Boden gutmachen. Und Rot-Grün reiben sich an der kurzfristigen Änderung
des Programms. Statt intellektuell wertvoller Musik wie Annie Lennox
oder Götz Alsmann kommt jetzt Massive Attack (machen übrigens sehr
feine Funk-Musik) oder The Killers. Auch dies könnte man als eine der
Spätfolgen der Debatten um die Beruhigung und Qualitätsverbesserung von
öffentlichen Veranstaltungen auf den Innenstadtplätzen verstehen. Auf
die Fans von Gentlemen oder Massive Attacks mag diese Debatte ein wenig
merkwürdig klingen, aber in der Debatte schien doch der etwas
konservativere Musikgeschmack der Vertreter von Rot-Grün
durchzuschimmern. Oder sollte etwa nur wieder ein Erfolg des Amtes des
Oberbürgermeisters kaputt geredet werden? Man mag geteilter Meinung
darüber sein. Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich streiten.
Auf der anderen Seite kritisierten die Vertreter (und nicht nur die)
von Rot-Grün über den Zeitpunkt der Informationsweitergabe. Nicht zum
ersten Mal lässt die Verwaltung wichtige Information in buchstäblich
letzter Minute heraus. Während an anderer Stelle kiloweise Papier
produziert und den ehrenamtlichen Stadtverordneten zur Lektüre an die
Hand gegeben wird, steht der Verdacht im Raum, dass erneut wichtige
Details quasi im Eilverfahren durchgewunken werden sollen. Auch wenn
die neuerliche Entwicklung aus dem Blickwinkel des Stadtmarketings
erfreulich ist. Die Kommunikation zwischen dem zuständigen Ausschuss
und seinen Mitgliedern scheint nicht durchgängig funktioniert zu haben.
Deshalb sind einige der ehrenamtlichen Ratsmitglieder – nicht ganz zu
Unrecht – enttäuscht.

























