27. 05. 2012
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Riehler Grundschulen brauchen mehr Platz
Im Kölner Norden herrscht Unmut über die Situation im Offenen Ganztag. Knapp 100 Eltern, Erzieher und Kinder protestierten am heutigen Montag im Vorfeld der heutigen Sitzung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung. Vor allem das Platzproblem macht allen Beteiligten zu schaffen. Die werden aller Voraussicht nach noch bis Oktober dieses Jahres andauern. Dann wird der Neubau einer Schulmensa, die von den beiden Schulen am Standort Garthestraße sowie der benachbarten Montessori-Grundschule, endlich fertig gestellt. Bis dahin allerdings ist die Situation in der ganztäglichen Betreuung des Nachwuchses kein Zuckerschlecken. "Bis zu 50 Kinder werden in einem Raum betreut", beschrieb eine Demo-Teilnehmerin die derzeitige Situation an der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Garthestraße. Das dürfte sich zumindest deutlich verbessern, wenn das neue Schulgebäude fertig gestellt und eingeweiht ist. 210 Betreuungsplätze werden dann zusätzlich für die drei Schulen bereit stehen. Weil die Montessori-Grundschule zwei Standorte erhält sie in dem Neubau einen zusätzlichen Betreuungsraum zu dem ohnehin schon eingeräumten, wie Schuldezernentin Dr. Agnes Klein auf der heutigen Sitzung erläuterte. "Wir wollen aber nicht die Schulen gegeneinander ausspielen, sondern das Angebot für alle verbessern", stellte die Beigeordnete klar. Mit den zusätzlichen Plätzen in dem Neubau ist das städtische Raumprogramm für den Ganztagsbetrieb an Grundschulen erfüllt, so Klein weiter. Nach offizieller Lesart beträgt der Bedarf an Ganztagsbetreuungsplätzen im kommenden Schuljahr 227. Um die zusätzlich einzurichten, ist es nach Ansicht der Wahlbeamtin jedoch notwendig, zusätzliche Gelder aus Düsseldorf zu erhalten.
"Der Ausbau zum Offenen Ganztag ist nicht nur dort ein Problem", weiß auch die Vorsitzende des Ausschusses, Gisela Manderla (CDU). Tatsächlich gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit einen "Mehrbedarf" von rund 2000 Plätzen. Angesichts der derzeitigen städtischen Haushaltslage ist ein zusätzliches kommunales Engagement zum Abbau der Bedarfslücke wenig wahrscheinlich. "Die Stadt ist mit ihren freiwilligen Zusagen zum Ausbau des Offenen Ganztags bereits in die Bresche gesprungen. Ein weiterer Ausbau geht nur zusammen mit dem Land", erklärte SPD-Ratsherr Dr. Ralf Heinen. Und während sich FDP-Ratsfrau und Landtagsspitzenkandidatin Yvonne Gebauer um das Diskussionsniveau Sorgen machte, forderte CDU-Ratsherr Dr. Helge Schlieben eine "eindeutige Positionierung" der Stadtverwaltung. "Es wäre gut, wenn ein Haushaltsentwurf vorliegen würde", so der Einwurf Schliebens. SPD-Parteichef Jochen Ott machte sich für die Stadtteile stark, die nicht ganz so laut wie in anderen Stadtteilen auf ihre Probleme aufmerksam machen. "Müssen wir nicht in einigen Stadtteilen von uns aus tätig werden?", warf Ott auf. Wenig Illusionen machte Grünen-Ratsherr Horst Thelen den Forderungen der Betroffenen. "Sie werden für zehn Jahre mit Provisorien umgehen müssen. Die Stadt kann nicht auf einmal 2000 zusätzliche Plätze bereit stellen", begründete Thelen seine Auffassung.
Dass die eine oder andere Forderung oder Idee aus Elternsicht nicht so einfach zu realisieren ist wie gewünscht, machte Dezernentin Klein klar. So gab es die Idee, das ehemalige Rektorenhaus für de Ganztagsbetrieb umzurüsten und so kurzfristig für eine wesentliche Entlastung zu sorgen. Hatten die Eltern die Kosten mit 100.000 bis 150.000 Euro eingeschätzt, sieht die Verwaltung größere Umbauarbeiten auf die Stadt zukommen. Dezernentin Klein schätzte unter Berufung auf den städtischen Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft die Investitionskosten auf rund eine halbe Million. Trotzdem sicherte die zuständige Beigeordnete zu, sich bereits in Kürze mit den Betroffenen zu treffen und über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken. Der gesamte Etat für die Kinderbetreuung im Offenen Ganztag beträgt stadtweit rund 40 Millionen Euro. Das Land trägt derzeit ein Drittel der Gesamtkosten, ein weiteres Drittel sind so genannte "pflichtige" kommunale Leistungen, den Rest steuert die Stadt freiwillig zu. Im Gegensatz zu anderen Kommunen habe sich Köln dazu verpflichtet, besondere hohe Qualitätsanforderungen an die Pädagogik im Grundschulganztag zu stellen. Und außerdem unternehme die Stadt derzeit große Anstrengungen zum Ausbau des Ganztags an den weiterführenden Schulen. "Wir bauen wie die Weltmeister", so Klein weiter. Nicht nur die Dezernentin macht sich dabei derzeit Gedanken, wie Ausbau und Finanzierung des Ausbau unter einen Hut zu bringen sind.

























