27. 05. 2012
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Sportausschuss beschließt Fortentwicklung des Bäderkonzepts
Der Kölner Sportausschuss hat sich am heutigen Dienstagnachmittag mit der Fortentwicklung des Bäderkonzepts beschäftigt. Im Vorfeld hatte die CDU-Fraktion in einem Antrag weitreichende Forderungen aufgestellt. So sollte das noch zu sanierende Rodenkirchener Bad statt wie im Konzept von Verwaltung und Kölnbäder GmbH nicht als Teilgruppen- sondern als öffentlich zugängliches Hallenbad konzipiert werden. Die beiden anderen Bäder in Weiden (heute ein Teilgruppenbad) und Nippes sollten hingegen als Gruppenbäder erhalten bleiben, so der Kern des CDU-Antrags. Mehr als 50 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten dabei schon vor der Sitzung für Aufregung bei den Verantwortlichen. Weil die Zuschauer kaum in den Theo-Burauen-Saal passten, wurde binnen Minutenfrist die Technik im Ratssaal hochgefahren und die Zuschauertribüne geöffnet. Um 17:15 Uhr ging es dann in der größeren "location" los.
Neu ersetzt alt
Nachdem das Ratsgremium zunächst rund 45 Minuten lang die Tagesordnung abarbeitete, war es bei Tagesordnungspunkt 4.2 zunächst an Verwaltung und Stadtwerketochter, die eigene Position in Sachen Bäderkonzept vorzutragen. Dabei soll das neue Stadionbad in Müngersdorf die Wasserflächen in Weiden, der Neubau an der Lentstraße das Gruppenbad in Nippes ersetzen. In den Stadtbezirken regte sich erneut Bürgerprotest, beide Bezirksvertretungen lehnten das Konzept ab, auch die CDU forderte im Vorfeld über ihren gestrigen Antrag, der einen Erhalt der beiden Bäder vorsieht. "Wir haben sie frühzeitig informiert und eine breit angelegte Informationskaskade initiiert, auch in den Bezirken. Damit haben wir ihnen größtmögliche Transparenz zur Entscheidungsfindung gesichert", begann Sport- und Schuldezernentin Dr. Agnes Klein die Aussprache. Tatsächlich wurde das Konzept bereits Anfang juni dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Vorhaben sei wohl kalkuliert und mit dem Hinweis auf die angespannte Finanzlage der Stadt abgestimmt, erklärte Kölnbäder-Geschäftsführer Berthold Schmitt. Die 100-prozentige Tochter der Stadtwerke Köln GmbH hat dabei alleine in den vergangenen Jahren mit Stadionbad, Lentstraße und dem bereits vor Jahresfrist fertig gestellten Ossendorfbad etwas mehr als 70 Millionen Euro in neue Wasserflächen investiert. Mit den Neubauten hält die Stadt 9048 Quadratmeter "gedeckter" Wasserflächen vor, eigener Aussage zufolge liegt man damit auch bundesweit recht weit vorne. Im Gegenzug sollen das Gruppenbad Nippes und das Teilgruppenbad Weiden geschlossen, das Rodenkirchener Bad nach seiner Generalsanierung zum Teilgruppenbad werden, das am Wochenende geschlossen bleibt. Für das neue Ossendorfbad war bereits im Vorfeld das marode "Bickendorfbad" geschlossen worden.
Im Vorgriff auf die zahlreich erschienen Kritiker des vorgestellten Konzepts machte Klein auf die finanziellen Rahmenbedingungen aufmerksam. Die Sanierung der beiden betroffenen Bäder kostet 3,4 bis 3,8 Millionen Euro, um die Betriebstauglichkeit fortzuschreiben. Eine Schließung der beiden Bäder hingegen spare pro Jahr 1,5 Millionen Euro an Betriebskosten ein, argumentierte Klein. Dabei räumte die Dezernentin ein, dass das Versprechen, die Schwimmzeiten für Schulen und Vereine im gleichen Maßstab in den neu gestalteten Bäderbetrieben am Stadion und an der Lentstraße (statt Weiden und Nippes) abzubilden, nicht auf alle Nutzer übertragbar sei, so Klein. "Die Stadt zahlt für die Wasserflächen. Daneben vermarkten wir auch Wasserflächen und Schwimmzeiten an initiativen und Gruppen", beschrieb Schmitt diese Nuance, die jedoch für einige Gruppen an den betroffenen Standorten das "Aus" bedeuten kann. Schmitt versprach jedoch, dass die Belegung der neuen Bäder zukünftig und im laufenden Geschäft "optimiert" werden soll. "Wir werden zusätzliche Wasserflächen zur Verfügung stellen, wenn dies möglich ist", so der Kölnbäder-Chef weiter.
Barrierefreiheit – Sportstätte oder Therapieeinrichtung?
Kritik gab es beim Neubau an der Lentstraße unter anderem in Sachen Barrierefreiheit. Das europaweit einmalige Neubauvorhaben wird bereits am morgigen Donnerstag feierlich eröffnet. Doch im Vorfeld hatten die Behindertenorganisationen eine Mängelliste erstellt, die dem Vorhaben zahlreiche "Barrieren" testiert. Taktile Bodenelemente im Außen- und Umfeldbereich sowie fehlende Kontrastfarbe bei Türen und Schränken sind zwei der wesentlichen Kritikpunkte, die von Sandra Meinert, Sachkundige Einwohnerin auf Vorschlag der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik, eingebracht wurde. "Das Bad an der Lentstraße ist eine Sportstätte, keine therapeutische Einrichtung", blieb Schmitt in Bezug auf einige Wünsche der Interessenvertreter hart, signalisierte aber im Detail Entgegenkommen. "Über die Wegeführung im Außenbereich können wir reden", so Schmitt wörtlich. Die gesetzlichen Vorgaben jedoch seien eingehalten, die Zusammenarbeit mit der Behindertenbeauftragten und den Verbänden intensiv, versicherte der Kölnbäder-Geschäftsführer.
CDU als Anwalt der Betroffenen – Ampel unterstützt Verwaltungskonzept
Für Aufregung sorgte indes ein Bericht einer Kölner Lokalzeitung, die als Titelbild die Belegungszeiten der Schulen und Vereine im neuen Lentbad zeigen. Darauf wird deutlich, wie eng bisweilen die Schwimmzeiten vergeben wurden, wie wenig Platz folglich für andere Badegäste bleibt. Vor allem in den Morgenstunden bleibt damit das Bad für einen nicht unerheblichen Zeitraum für normales Publikum gesperrt, damit auch für die bisher frei vermarkteten Wasserflächen, deren Betroffene am gestrigen Dienstag so zahlreich erschienen sind. Besonders die CDU machte sich dabei zum Anwalt der Kritiker. Ihr Antrag sieht vor, genau die Wasserflächen für Gruppen und Initiativen erhalten zu wollen, die durch das neue Konzept wegfallen sollen.
Auch in Sachen Barrierefreiheit kritisierte Andreas Köhler, sportpolitischer Sprecher der Christdemokraten im Stadtrat, Mängel. "Wir hatten bereits im September vergangenen Jahres eine Mängelliste gesehen. Ein Jahr danach mussten wir feststellen, dass vieles nicht umgesetzt wurde", so die Kritik Köhlers. Hauptkritikpunkt der CDU ist aber ein anderer. Grundsätzlich betrachten die CDU-Sportpolitiker die genannten Neubauvorhaben etwas abfällig als "Leuchtturmprojekte". Alleine im neuen Stadionbad sowie in der Lentstraße werden 45 Millionen Euro investiert, "die Bürgerinnen und Bürger aber quasi vor der Tür stehen gelassen", so Köhler. Durch eine "kurzfristige Sanierung" und dem weiteren Betrieb als Gruppenbad solle eine bedarfsgerechte Versorgung mit Wasserflächen gewährleistet werden, so die Forderung des CDU-Antrags. Die Finanzierung solle über einen Rückgriff auf die Gewinnrücklagen der Stadtwerke GmbH erfolgen. Fraktionskollege Henk van Benthem ergänzte, dass es de facto kaum zumutbar ist, wenn man neben einer gesperrten Bahn mit Leistungsschwimmer im Delphin-Modus als "Freizeitschwimmer" ins Wasser lässt.
Die CDU blieb mit ihrem Ansinnen allerdings bis auf einen Befürworter aus dem Kreis der stimmberechtigten Fraktionen isoliert. SPD, Grüne und FDP begrüßten das vorgestellte Konzept im Grundsatz. Vertreter aller drei Fraktion betonten dabei die schwierige Abwägung der Interessen von Bauherr/Betreiber und den Anforderungen der Kunden mit Priorität auf Schulen und Vereine, so die Beiträge von Ulrich Breite (FDP), Elisabeth Thelen (Grüne) und nicht zuletzt auch der des Ausschussvorsitzenden Peter Kron (SPD). "Ein Freibad kann heute ohne Hallenbad nicht wirtschaftlich betrieben werden. Das Konzept ist ökonomisch richtig, das Schulschwimmen wichtig", begründete FDP-Mann Breite die Zustimmung seiner Fraktion. "Wir haben eine Bäderlandschaft, die nach der Fertigstellung von Lentstraße und Zollstockbad seinesgleichen in Deutschland sucht. Das Konzept ist eine Mischlösung, die allen gerecht wird", ergänzte die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Elisabeth Thelen.
"Wir sind in Deutschland die einzige Stadt, die überhaupt noch neue Bäder errichtet", betonte Kron, der in seiner Eigenschaft als Sitzungsleiter sich auch erlaubte, die Geschichte der Diskussion aus seiner Sicht darzulegen. Das Konzept sei schließlich mit vielen Beteiligten abgestimmt, folglich ist es "kein Bäderschließungsprogramm", stellte sich der SPD-Politiker hinter Verwaltung und Kölnbäder GmbH (Vorsitzender des Aufsichtsrats: Peter Kron). Dabei räumte er sogar ein, dass man seit der ersten Debatte um die Zukunft der nun von der Schließung betroffenen Bäder die eigene Meinung zu ändern bereit war. Damals war die SPD sogar für die Schließung aller drei Bäder (auch Rodenkirchen). "Man kann seine Meinung ändern", so Kron wörtlich. Dabei stellte sich auf der Versammlung des SPD-Unterbezirksverbands tags zuvor eine deutliche Mehrheit der SPD-Basis auf die Seite der Schließungsgegner. Das aber machte am gestrigen Dienstag nur ein Vertreter der Linkspartei zum Thema. Die Debatte um die Bäder in Weiden dürfte damit noch nicht endgültig abgeschlossen sein.

























