27. 05. 2012
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Streit um Umbau der Nord-Süd-Fahrt
Die Nord-Süd-Fahrt gehört zu den Verkehrswegen, die eine historisch gewachsene Stadt wie Köln gerade in der Mitte ihrer Innenstadt in zwei Teile zu teilen. Schon im städtebaulichen Masterplan des renommierten Stadtplaners Prof. Albert Speer wurde eine behutsame Neugestaltung vorgeschlagen. Während vonseiten der IHK und mancher konservativer Politiker eine "Tieferlegung" dieser Nord-Süd-Verbindungstrasse weiterhin für möglich und sinnvoll halten, zeigt sich inzwischen, dass die von Speer vorgeschlagenen, behutsamen Maßnahmen zur Neugestaltung nicht bei allen politischen Fraktion gut ankommen. Die weitgehend an Speer orientierte Umsetzung dieses "Rückbaus" geht anderen indes nicht weit genug. "Man stellt sich den Masterplan immer so vor, wie man ihn gerne hätte", kommentierte FDP-Fraktionschef Ralph Sterck den Umgang mit dem Regiebuch vonseiten der Politik. Während CDU und FDP den Vorschlag der Fachverwaltung ausdrücklich lobten, hörte sich das Urteil des Gestaltungsbündnisses anders an.
"Der Masterplan ist grundsätzlich gut. Aber an dieser Stelle greift er aus verkehrlicher Sicht zu kurz", so Ratsfrau Susana dos Santos Herrmann für die SPD-Fraktion. Zusammen mit dem Koalitionspartner brachte das Gestaltungsbündnis einen Änderungsantrag ein, der neben der Verwaltungsvorlage eine Einbeziehung der Verkehrsbeziehungen westlich der Nord-Süd-Fahrt, eine zusätzliche Bürgerinformation sowie eine Integration des Radverkehrs auf die Fahrbahn forderte. "Dann werde das Ganze rund", so die SPD-Politikerin. Deutlich schärfer klang das bei Bettina Tull, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. "Ich bin ziemlich enttäuscht über die Vorlage", begann Tull ihre Kritik am Verwaltungsvorschlag. Für die Grünen-Politikerin ist alleine die Existenz einer siebenspurigen Straße in der Innenstadt bereits ein "Unding". Auch sie forderte eine Aufweitung der Betrachtung unter Einbeziehung der umliegenden Verkehrswege und kritisierte zudem die Geschwindigkeit in der Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen. Gemeint war die Neugestaltung der Verkehrsbeziehungen im Kolumbaviertel, beginnend mit dem Fritz-Gruber-Platz. Hier habe sich trotz des inzwischen Jahre zurückliegenden Beschlusses noch nichts getan, so Tull weiter.
Radverkehr auf die Nord-Süd-Fahrt ?
Nachdem Planungsdezernent Bernd Streitberger in seiner Stellungnahme empfahl, den Radverkehr auf dieser Verkehrsachse nicht zuzulassen und CDU-Stadtrat Karsten Möring, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion, dieser Auffassung zustimmte, wurde Tull deutlicher. "Die Verwaltung setzt sich hier eigenmächtig über Grundsatzbeschlüsse hinweg", erklärte die Grünen-Stadträtin und prangerte zugleich das vorgelegte Stückwerk an, dass die Verwaltung abliefere. "Das reicht mir an dieser Stelle nicht. Wenn auch die anderen Planungen so grauenhaft sind, müssen wir das Ganze in Frage stellen", legte Tull nach. Den Vorwurf der Mutlosigkeit wies der zuständige Beigeordnete allerdings entschieden zurück. Einzig bei der vorgeschlagenen Bürgerinformation stimmte Streitberger zu. Das Gesamtkonzept sei zu beiden Teilen der Nord-Süd-Fahrt immer im Blickfeld, die Prüfung von Radverkehr ebenso, versicherte der Dezernent. "Im Gesamtkonzept ist die Vorlage nur ein kleines Segment", dem aber nach aussage Streitbergers schon bald weitere folgen werden. Tatsächlich hatte auch der von beiden Seiten zitierte Masterplan eine behutsame Verengung des Verkehrs an dieser Stelle vorgeschlagen. "Erstaunlich, was unter vernünftiger Verkehrspolitik gemeint ist", so der abschließende Kommentar von CDU-Mann Möring.
Auf Antrag der "Opposition" wurde der Änderungsantrag von SPD und Grünen in seinen drei Unterpunkten getrennt abgestimmt. Gegen die Einrichtung einer Bürgerinformationsveranstaltung gab es keinen Widerspruch, dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst. Bei der Aufweitung der Konzeptbetrachtung stimmten nur die Liberalen, beim Vorschlag der Integration des Radverkehrs auf die Fahrbahn der Nord-Süd-Fahrt FDP und CDU gegen den Vorschlag. Unabhängig davon wird es im östlichen Bereich der Nord-Süd-Fahrt aber wohl zu einem "Zwischenzustand" kommen. Wenn der Fritz-Gruber-Platz umgestaltet ist, wird es eine "seltsame" Fußgängerführung geben. Genau deshalb sei eine zügige Entscheidung wichtig. Allerdings räumte Streitberger eine Zeitverzögerung ein, die auch ihm nicht gefalle. "Ich bin auch nicht zufrieden mit dem Tempo der Umsetzung. Aber die Vorlage ist der Einstieg in den Umbau des Quartiers", warb der Dezernent um Zustimmung. " Das Konzept zur Umgestaltung des östlichen Quartiers Nord-Süd-Fahrt/Kolumba ist um die Glockengasse und die Brüderstraße zu erweitern. Die Öffentlichkeit ist in geeigneter Weise (z.B. Bürgerinformationsveranstaltung, Workshop) zu beteiligen. Außerdem sind in der Pla-nung Radverkehrsanlagen auf der Fahrbahn mit zu berücksichtigen", hieß es im mehrheitlich beschlossenen Antragstext.

























