27. 05. 2012
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Tonnenschwere Hindernisse in der Baugrube am Waidmarkt
In der gestrigen Sitzung des Kölner Hauptausschusses unter Leitung von Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hat der Stadtrat über die jüngsten Entwicklungen am Bergungsbauwerk auf dem Grundstück der Einsturzstelle am Waidmarkt diskutiert. Verantwortlichen von Stadt und KVB erläuterten dabei den aktuellen Stand der Dinge. Damit bestätigten sie zugleich vorherige Berichte Kölner Medien, die bereits von einem Fertigstellungsdatum 2019 sprachen. Derzeit befindet sich die Stadt in der Schlussphase der Bergungsarbeiten. Schätzungsweise vier bis fünf Wochen wird die Hebung der restlichen Archivalien aus dem Bergungsbauwerk noch andauern, dann kann die nächste Phase beginnen. Und das wird ein so genanntes Besichtigungsbauwerk sein, mit dessen Hilfe der vom Kölner Landgericht beauftragte Gutachter Prof. Kempfert die Schlitzwände von außen in Augenschein nehmen kann. Möglicherweise, darüber konnten die Verantwortlichen derzeit noch keine Angaben machen, müssen neben der Betrachtung von außen auch noch eine von innen erfolgen. Das würde weitere Arbeiten und damit auch Verzögerungen im Zeitplan nach sich ziehen, wie die zuständigen Spitzen von Stadtverwaltung und stadtnaher Verkehrsgesellschaft andeuteten. Aber selbst die Details des "außenliegenden Besichtigungsbauwerks" stehen derzeit noch gar nicht fest. Fest steht indes, dass die Stadt eine Vereisung der Anschlussfugen durchführen lässt. Die Reparaturarbeiten an der vor einigen Tagen neu entstandenen Grube sind inzwischen abgeschlossen. Der Hohlraum wurde mit Beton verfüllt, die Ursachen weitgehend ermittelt. "Wir haben ein stabiles Bauwerk", versicherte Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger.
Zeitplan verzögert sich - Kosten unklar
Hauptschwierigkeit derzeit sind aber nicht die zu bergenden Archivalien, sondern die Vorbereitungen für die Errichtung des Besichtigungsbauwerks. Voraussetzung ist, dass sich keine Fundamente und Trümmerteile mehr in der Baugrube befinden. Genau das aber wurde in den vergangenen Tagen immer mehr zum Problem, wie der neue Technikvorstand der KVB, Jörn Schwarze, dem Ausschuss vortrug. Insgesamt hatte man in den vergangenen Tagen neun Fundamente aus der Grube geborgen, die jeweils mindestens zwei Meter breit waren. Inzwischen müssen die Verantwortlichen sogar die riesigen Betonfundamente unter Wasser zerschneiden, um sie anschließend sicher aus der Grube befördern zu können. Die Beseitigung all dieser Betonteile ist jedoch Voraussetzung für die Errichtung des Besichtigungsbauwerks. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich dadurch, dass die Bergung der Betonfundamente unter keinen Umständen Schäden an der Schlitzwand nach sicht zieht. Die muss ja gerade in der nun folgenden Phase der Besichtigung gutachterlich untersucht werden. Von den Auswertungen erhoffen sich alle Beteiligten eine Klärung der Ursache, die am 3. März 2009 zum Einsturz des Historischen Archivs und zweier Nachbargebäude geführt haben.
"Wir bewegen uns auf der Zeitachse nach hinten", so die etwas sperrig klingende Ausführung von KVB-Vorstandssprecher Fenske. Die ursprünglich für das Jahr 2014 anvisierte Fertigstellung aller drei Baustufen der Nord-Süd-Stadtbahn hatte sich schon vor dem Wintereinbruch und den aufgefundenen Betonteilen verzögert. Im schlimmsten Fall könne sich die Fertigstellung bis ins Jahr 2019 verzögern, ergänzte Technikvorstand Schwarze. Und weil auch so manch andere Details noch gar nicht feststehen, seien diese Aussagen mit einem hohen Maß an Unsicherheit belegt, wie KVB-Chef Fenske weiter ausführte. Während FDP-Fraktionschef Ralph Sterck auf der Einrichtung der Teilinbetriebnahme beharrte und konkrete Nachfragen hatte, machte sich der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Karl Klipper Sorgen um den Zeitplan des vom Einsturz ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums (FWG). Hier halte die Stadt aber an der Generalinstandsetzung, Sanierung und Ertüchtigung der aus den 1950er Jahren stammenden Schulgebäude fest. Baudezernent Streitberger verteidigte diese Entscheidung mit dem Denkmalschutz. Befürchtungen, dass weitere Verzögerungen zu einem Einbruch bei Schüleranmeldungen kommen, wollte Schuldezernentin Dr. Agnes Klein im gestrigen Hauptausschuss nicht bestätigen. "Beide betroffenen Schulen sind stabil", bestätigte die zuständige Beigeordnete. Mit dem Bau des Besichtigungsbauwerks soll nach Abschluss der Archivalienbergung, der restlichen Trümmerbeseitigung sowie weiterer Bodenerkundungen, voraussichtlich noch im Sommer dieses Jahres, begonnen werden.
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