27. 05. 2012
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Jugendamt Köln hat alles im Griff
(ehu) Es kommt immer wieder vor: Ein Kind wird von seinem Vater, seiner Mutter zu Tode misshandelt. Der Schwarze Peter wird dann oft dem Jugendamt zugeschoben: Es habe zu spät eingegriffen. Andererseits: Greift es früher ein, entzieht es etwa den Eltern das Sorgerecht, fällt leicht der Vorwurf des "Kinderklaus". Beim Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Kölner Jugendamtes ist man überzeugt, dass es weder zu dem einen noch dem anderen Fall kommen kann. Dass man stets das richtige Maß zwischen dem Recht des Kindes auf Förderung seiner Entwicklung und dem Recht der Eltern auf Erziehung finde.
Vor allem regelmäßige Teamgespräche über jeden betreuten Fall sollen verhindern, dass in Köln Ähnliches wie jüngst beim Jugendamt Königswinter passiert ist. Dort rutschte wohl der Fall eines Pflegekindes, das von seiner Pflegemutter misshandelt wurde, durch die Verwaltungsmaschen. Gegen die Frau wird derzeit in Bonn vor Gericht wegen Mordes an dem neunjährigen Mädchen verhandelt. "Diese Gespräche sind kein Kaffeekränzchen", betonte Bezirksjugendamtsleiter Klaus Röttgen. Zudem müssten Hausbesuche immer von zwei Mitarbeitern durchgeführt werden, beschrieb er die Arbeitsbedingungen bei einem Gespräch am heutigen Montag.
Zudem habe man ein dichtes Warnnetz gespannt. Schulen und Kindertagesstätten sind drei Jahren Schulen und Kindertagesstätten verpflichtet, Auffälligkeiten zu melden wie Schulschwänzen oder Verletzungen, die von Schlägen herrühren können. Zudem sei die Öffentlichkeit aufmerksamer als in früheren Jahren. Jugenddezernentin Dr. Agnes Klein, dass dies ein Grund für die hohe Zahl von Gefährdungsmeldungen sei. Davon gingen im vorigen Jahr 18.000 beim Jugendamt ein, das reichte vom möglicherweise harmlosen Verpassen eines Frühuntersuchungstermin beim Kinderarzt bis zu Hinweisen von Nachbarn, die häufiges Kinderweinen melden. Ein Gefährdungsmeldungssofortdienst ist rund um die Uhr telefonisch und per E-Mail erreichbar.
Auf eine sensiblere Öffentlichkeit führt Klein im Wesentlichen auch das Ansteigen der betreuten Fälle zurück. 2010 wurde 6043 Mal eine Hilfe zur Erziehung gegeben, gegenüber 2003 eine Zunahme um 21 Prozent. Davon wurden 2841 Kinder, Familien und Alleinerziehende ambulant betreut, etwa durch eine Sozialarbeiterin, die in der Familie nach Wegen der besseren Mitteln suchte. Fast zwei Kinder täglich wurden für 24 Stunden in ein Heim eingewiesen – manche auch auf eigenen Wunsch. 96 Säuglinge und Kleinkinder kamen in eine Bereitschaftspflegefamilie. In lediglich 197 Fällen beantragte das Jugendamt beim Familiengericht den Entzug des elterlichen Sorgerechts.
Breites Betätigungsfeld für Soziale Begleitung der Kinder und Jugendlichen
269 Sozialarbeiter und Sozialpädagogen arbeiten in den neun Bezirksjugendämtern und den zentralen Diensten. Ihre Aufgabe ist es im Wesentlichen, die Fälle entgegenzunehmen und in Absprache – stets in Rücksprache mit den Betroffenen – die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten: Umzug des Kindes in ein Heim oder eine Wohngruppe, Einzelfallhilfen im Rahmen der Familienberatung, Betreuung in einer Tagesgruppe oder Erziehungsbeistandshilfen. Mit der Durchführung werden freie Träger beauftragt. Sie müssen der Stadt regelmäßig Bericht erstatten und sie im Gefahrenfall sofort informieren. 70 Prozent aller Fälle werden erfolgreich abgeschlossen, dies dauert zwischen wenigen Monaten und sechs Jahren, im Schnitt zweieinhalb Jahre, so Röttgen.
Damit erst gar keine Hilfe nötig ist, setzt die Stadt auch auf Prävention. Als besonders erfolgreiches Mittel habe sich das Projekt "Kinder Willkommen" (KiWi) erwiesen. 90 Prozent der Eltern eines Neugeborenen willigen inzwischen ein, nach der Geburt den Besuch eines ehrenamtlichen Helfers zu bekommen, der sie über die Hilfsangebote der Stadt informiert. Auch diese Helfer werden von freien Trägern organisiert. Insgesamt kostete die Arbeit der freien Träger die Stadt im Vorjahr 129 Millionen Euro (2003: 102 Millionen). Da Eltern und Kinder einen Rechtsanspruch auf Hilfe haben, ist die Stadt verpflichtet, dieses Geld bereitzustellen. "Für die Reparatur müssen wir zahlen, für die Prävention haben wir nicht genug Geld. Sie ist keine Pflichtaufgabe", beschreibt Klein die rechtliche Lage.
Gefährdungsmeldungssofortdienst der Bezirksjugendämter:
Innenstadt: 0221 / 221 - 91999, E-Mail: jugendamt.innenstadt@stadt-koeln.de
Rodenkirchen: 0221 / 221 - 92999, E-Mail: jugendamt.rodenkirchen@stadt-koeln.de
Lindenthal: 0221 / 221 - 93999, E-Mail: jugendamt.lindenthal@stadt-koeln.de
Ehrenfeld: 0221 / 221 - 94999, E-Mail: jugendamt.ehrenfeld@stadt-koeln.de
Nippes: 0221 / 221 - 95999, E-Mail: jugendamt.nippes@stadt-koeln.de
Chorweiler: 0221 / 221 - 96999, E-Mail: jugendamt.chorweiler@stadt-koeln.de Porz: 0221 / 221 - 97999, E-Mail: jugendamt.porz@stadt-koeln.de
Kalk: 0221 / 221 - 98999, E-Mail: jugendamt.kalk@stadt-koeln.de
Mülheim: 0221 / 221 - 99999, E-Mail: jugendamt.muelheim@stadt-koeln.de

























