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27. 05. 2012
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OB Roters sind 46 Fragen nicht genug


09.05.2011 18:09 von:

Schlagwörter: Köln,Zensus,Volkszählung,Facebook,Boykott,Fragebogen,Migrationshintergrund,Preuß

(ehu) Mt den Preußen fing alles an: 1816 zählten sie 49.276 Kölner. Danach wurde jedes Jahr durchgezählt, später nur alle drei, dann nur noch alle fünf Jahre. Nach 1946 – damals lebten 491.380 Menschen im Schatten des Doms – wurden die Volkszählungen seltener. 1987 wurde sie von einer großen Boykottbewegung begleitet. Seit dem gestrigen Montag nun sind die Interviewer für den "Zensus 2011" unterwegs, von Protesten kaum eine Spur. Warum auch – Generation Facebook hat keine Bedenken, die intimsten Daten freizugeben.

46 Fragen stehen auf dem Fragebogen: Alles über Bildung und Ausbildung, über Arbeit und Beruf, über den Familienstand und über Migrationshintergrund wollen die Datensammler wissen. Oberbürgermeister Jürgen Roters hätte auch gerne etwas über Wärmedämmung in den Wohnungen gewusst, das wäre doch gut für künftige Energiesparprogramme meinte er, als er die Zählung am Montag "eröffnete". Doch solche Fragen fehlen ebenso wie solche nach Miethöhe und anderen Fakten. Denen aber hat das Bundesverfassungsgericht nach den Protesten von 1987 einen Riegel vorgeschrieben.

Wer die Fragen nicht beantwortet, muss mit Geldbußen bis 5000 Euro rechnen

Die Beantwortung der Fragen ist Pflicht, lediglich bei der nach der Religion darf man mauern. Wer sich weigert, kann mit einer Strafe von bis zu 5000 Euro belegt werden. Allerdings werden nicht mehr alle Bürger befragt, sondern nur noch zehn Prozent aller Haushalte, nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. In Köln sind es sogar nur fünf Prozent, also rund 50.000 Befragungen, in Großstädten seien die Strukturen homogener als auf dem Land. Von dieser kleinen Zahl, so die Statistiker, lassen sich dann durchaus hochrechnen. Zuvor wurden schon 140.000 Hausbesitzer angeschrieben.

800 Interviewer – geschult und zur strikter Geheimhaltung verpflichtet – sind in Köln unterwegs. Sie verteilen zuerst Karten, auf denen sie einen Termin für das gemeinsame Ausfüllen des Fragebogens in den nächsten drei oder vier Tagen vorschlagen. Die Termine sollen in der Regel werktags zwischen 16 und 20 Uhr liegen, samstags zwischen 10 und 16 Uhr. Dann fragen sie nach Zahl und Alter der Mitglieder eines Haushalts. Sie müssen sich mit dem "Ausweis für Erhebungsbeauftragte" ausweisen, er trägt den Dienststempel der Stadt Köln und ist nur mit einem Personalausweis gültig.

Wenn der "Erhebungsbeauftrage" kommt: Ausweis und Personalausweis zeigen lassen!

Wenn die Erhebungsbeauftragten zum vereinbarten Termin wiederkommen, muss man sie keineswegs in die Wohnung lassen. Man kann den Fragebogen auch im Treppenhaus ausfüllen, oder allein am Küchentisch, und ihn dann an die Erhebungsstelle der Stadt schicken. Auch eine Teilnahme per Internet ist möglich.

Die Weitergabe zu privaten oder kommerziellen Zwecken ist ausgeschlossen, versichert Hermann Breuer, Abteilungsleiter im Kölner Amt für Statistik. Alle Daten unterliegen laut Bundesstatistikgesetz strikter Geheimhaltung, sie werden anonymisiert. "Der Einzelfall interessiert hier nicht", sagt Breuer. Die Daten werden also nicht nicht an Meldebehörden, Finanzämter oder die Agentur für Arbeit weitergegeben. Wer also zum Beispiel – geltenden Gesetzen zum Trotz – zwei Staatsangehörigkeiten angibt, hat danach nichts zu befürchten. Auch Schwarzarbeit würde damit allein zu einer statistischen Größe.

Erst in 18 Monaten können die Daten für Stadtplanungen genutzt vwerden

Wenn die Daten dann frühestens in 18 Monaten ausgewertet sind, können sie als Grundlage etwa für die Planung von Wohnungsbau und Bildungseinrichtungen dienen oder dem Aufstellen von Flächennutzungsplänen. An den Einwohnerzahlen orientieren die Einteilung der Wahlkreise, die Stimmverteilung im Bundesrat und die Ausgleichszahlungen wie dem Länderausgleich. Oder dem kommunalen Finanzausgleich auf Länderebene. In den letzten Jahren erhielt Köln pro Einwohner rund 800 Euro aus Düsseldorf. Sollte der Zensus eine geringe Einwohnerzahl ergeben, sänken damit auch die Zuschüsse. "Wir bleiben eine Millionenstadt", ist Roters überzeugt.

"Zensus 2011"-Erhebungsstelle, Stadthaus Deutz, Willy-Brandt-Platz 2, 50617 Köln, Tel. 0221 / 22 13 88 83, E-Mail:

zensus2011@stadt-koeln.de







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