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27. 05. 2012
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Ein Stein gegen das Vergessen


09.11.2010 12:55 von:

Schlagwörter: Köln,Städtepartnerschaft,Konferenz,2010,Vorbereitungstreffen,Ausschwitz,Versöhnu

Der Tag im Rathaus begann für Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters mit einer mehr als symbolischen Geste. Vor dem Ratssaal und kurz vor Beginn der Europäischen Städtepartnerschaftskonferenz überreichte das Kölner Stadtoberhaupt einen Originalstein aus der Römerzeit, genauer aus dem 1. Jahrhundert. Empfänger war kein Geringerer als der Oberbürgermeister von Ausschwitz, Janusz Marszalek. Mit dabei auch ein Zeitzeuge jener dunklen Epoche, die erst mit der Befreiung der Lagerinsassen am 27. Januar 1945 durch die Sowjetarmee sein Ende nahm. Dr. Janusz Mlynarski gelangte mit dem ersten Transport der Nationalsozialisten in das Vernichtungslager. Der gebürtige Pole lebt heute in Monheim bei Düsseldorf.

Die Geste ist ein weiteres Symbol für die Aussöhnung an einem denkwürdigen Tag. Der 9. November gilt unter Fachleuten und Historikern als so etwas wie der Tag der deutschen Geschichte. Auf den Tag jährt sich am heutigen Dienstag das Datum der so genannten Reichsprogromnacht. Bei der eine Woche andauernden Hatz auf jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger und deren Gebetsstätten starben mehrere Hundert Menschen. Der 9. November ist aber noch aus drei anderen Gründen ein mehr als symbolträchtiges Datum. So rief der damalige SPD-Reichstagsabgeordnete Philipp Scheidemann an jenem 9. November im Jahr 1918 von einem Seitenfenster des Berliner Parlamentsgebäudes die Republik aus. Das Datum gilt als Beginn der Weimarer Republik. Fünf Jahre später kam es in München zu einem ersten Ausbruch rechtsradikaler Gewalt. Ein junger Propagandist namens Adolf Hitler rief in einem Münchener Brauhaus einen Putsch aus. Der Aufstand der damals noch unbedeutenden NSDAP endete erfolglos, war jedoch Beginn einer Legendenbildung. Die friedliche Variante bildete hingegen der 9. November 1989. In einer denkwürdigen Pressekonferenz und dank eines historischen Missverständnisses verkündete das damalige Politbüromitglied Günter Schabowski eine neue Reiseregelung. Auf die Nachfrage eines italienischen Nachrchten-Korrespondenten legte der ahnungslose SED-Funktionär damit den Grundstein für die Maueröffnung. Nur wenige Minuten später lief die Meldung über die internationalen Nachrichtenticker und sorgten am Abend des gleichen Tages dafür, dass Tausende von Menschen die Grenzen zwischen West und Ost-Berlin ohne Papiere und Erlaubnis des Staates überwinden konnten. Das Ende ist bekannt. Nach den ersten Wahlen und der Umstellung auf die D-Mark folgte am 3. Oktober der offizielle Beitritt der DDR zum Staatsgebiet der Bundesrepublik. Die Wiedervereinigung und die Einbettung in ein internationales Vertragswerk sicherte dem deutschen Volks auf beiden Seiten des ehemaliges Eisernen Vorhangs die friedliche Wiedervereinigung.

Die zweitägige Veranstaltung wird am heutigen Dienstagnachmittag mit einem Empfang im Europäischen Forum des Spanischen Baus zu Ende gehen. Mehr als 100 internationale Gäste aus ganz Europa nehmen an der Veranstaltung teil. Bürgermeister Manfred Wolf wird die Gäste dann zum gemeinsamen Plausch in Empfang nehmen. Der Stein, der am heutigen Dienstagmorgen den Besitzer wechselt, wird dabei nicht in einem Archiv verstauben. Er soll in der heutigen polnischen Kommune Ausschwitz in der Nähe des ehemaligen KZ-Lagers und der heutigen Gedenktstätte vergraben. Zusammen mit anderen Steinen sollen sie zu einem 30 Meter hohen "Versöhnungshügel" angeordnet werden. Der ehemalige Häftling und polnische Staatsbürger Josef Szajna hatte die Idee dazu und damit Unterstützung aus aller Welt erfahren. Selbst wird der KZ-Überlebende die Errichtung seines Lebenstraumes nicht mehr erleben, er verstarb in diesem Jahr. Sein Lebenswerk werden die Besucher des Ausschwitz-Birkenau-Museums aber weiterverfolgen. Sie werden bei einem Besuch und auf freiwilliger Basis die Steine selbst zum Hügel auftragen.

Die zweitägige Städtepartnerschaftskonferenz dient der Vorbereitung des europäischen Partnerschaftskongresses des Rates der Gemeinden und Regionen Europas im kommenden Jahr. Sie wird am morgigen Mittwoch enden. Bereits im März und Juni dieses Jahres fanden zwei weitere Vorbereitungstreffen dieser Art für Vertreter nord- und südeuropäischer Länder in Estland und in Malta statt. Köln ist Austragungsort der Tagung für Vertreter mitteleuropäischer Länder, hieß es dazu abschließend.







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