27. 05. 2012
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100 Tage Jürgen Hollstein – ein Zwischenfazit
Trotz negativer Schlagzeilen, für die er mit seinem Besuch einer
türkischen Gemeinde, die den Grauen Wölfen nahesteht, zum Teil auch
selbst sorgte, zog der Berufspolitiker am heutigen Dienstag ein
positives Zwischenfazit. „Wir haben viel gemacht, ohne dabei
Schlagzeilen zu produzieren und damit einen guten Start hingelegt“,
erklärte der Vollzeitpolitiker, der im Hauptberuf für seine Partei im
Düsseldorfer Landtag sitzt.
Mehr Präsenz vor Ort
Wichtig sei es aus seiner Sicht vor allem, vor Ort präsent zu sein. „Da
hilft es, ein Berufspolitiker zu sein. Ich bin in den ersten 100 Tagen
eine Menge durch die Gegend gefahren“, beschreibt Hollstein seine
Tätigkeit. Dies scheint gut anzukommen, findet zumindest der neue
CDU-Chef. Vor allem die Dinge, die in seinem Porzer Ortsverband
funktioniert haben, will Hollstein auf die Kreisebene ausdehnen.
Bereits seit Jahren nimmt sich der CDU-Politiker gerne mal einen Tag
Zeit, um sich in bestimmte Themen einzuarbeiten, vor allem aber, um vor
Ort die Geschichten aus erster Hand zu erfahren. „Porzer Perspektiven“,
nannte das Hollstein. Auch eine weitere Idee aus seiner Zeit als
Ortsverbandsvorsitzender in Porz will Hollstein auf der Kreisebene
anwenden. Die Praxis der „wandernden Vorstandssitzung“ hat sich
zumindest in Porz bewährt. Unter dem neuen Kreisvorstand sollen die
nächsten Vorstandssitzungen bei IHK und HWK stattfinden. Auch der
Besuch von Unternehmen ist – wie auf Ortsebene – möglich.
Die Aufgabe eines Politikers
Der 46-jährige weiß allerdings auch um die Grenzen von Politik und auch
seine eigenen Möglichkeiten. „Wir können lediglich Rahmenbedingungen
schaffen, Anstöße geben und Türen öffnen“, schränkt Hollstein die
„Macht“ eines Politikers ein. Doch mit genau diesen Tätigkeiten lässt
sich schon eine Menge erreichen. So bekam der Kölner CDU-Chef Kenntnis
eines Integrationsprojektes aus dem Dreiländereck rund um Aachen.
„Abla“ (türkisch für ältere Schwester, Respektperson) organisiert den
Einsatz von zweisprachigen Helferinnen in Kindertagesstätten. Dieses
Modell will Hollstein gerne auch in Köln sehen. Eine weitere Anregung
ist das Notinselprojekt. In den Stadtteilen sollen Ladenbesitzer oder
Anwohner zu einer Art Anlaufstelle für Kinder werden, wenn diese in
Gefahr sind. Auch hierzu hat die Politik den Anschub gegeben, die
Durchführung selbst bleibt den Gruppen vor Ort überlassen.
Mitgliederprinzip bleibt – keine Entscheidung über OB-Kandidatur
Im Zuge der bevorstehenden Wahlkämpfe werden sich die Mitglieder der
CDU in den kommenden Monaten auf eine intensive parteiinterne
Diskussion um die anstehenden Wahlprogramme für 2009 einrichten müssen.
Entsprechend dem so genannten
Mitgliederprinzip sollen alle wegweisenden Entscheidungen mit der
Mehrheit der Parteimitglieder abgestimmt werden. „Das ist zwar teuer,
aber der einzige Weg, der mir richtig erscheint“, erklärte Hollstein.
Zunächst will man sich am 11. August dieses Jahres auf den die
Kandidaten für die Wahlen zum Europaparlament einigen. Am 5. September
entscheidet dann der Bezirk, wer für die CDU im Kampf um die
europäische Volksvertretung antreten wird. Zur Kandidatenfrage der CDU
bei den Kommunalwahlen gab es wenig Neues. Das sei Sache des
Amtsinhabers und der werde sich Ende August dieses Jahres erklären.
Auch dies werde auf einem separaten Parteitag von den Mitgliedern
entschieden. Zumindest statistisch liegt die CDU ganz gut im Rennen.
Trotz weit verbreiteter Politikverdrossenheit konnten die
Christdemokraten die Zahl ihrer Kölner Mitglieder im Laufe dieses
Jahres sogar leicht steigern. Mitte Juli waren es 5693, 36 mehr als zu
Jahresbeginn, wie Hollstein offen legte. Ziel müsse es allerdings sein,
die mitgliederstärkste Partei in Köln zu werden
Moscheebau, Jüdisches Museum und Bildungspolitik
Nach dem Parteitagsbeschluss aus dem vergangenen Jahr hält
Hollstein an der von der Mehrheit vertretenen Linie zum Thema
Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld fest. Die Ratsfraktion war nach einem
entsprechenden Parteibeschluss aus der gemeinsamen Koalition der vier
Großen im Stadtrat ausgeschert und hatte im vergangenen Jahr den
Moschee in seiner damals dargestellten Form abgelehnt. Stadtoberhaupt
Schramma distanzierte sich von seiner eigenen Partei stimmte damals zu.
Die Meinungsdifferenzen seien aber für ihn kein Thema, meinte
Hollstein. „Der
Parteitagsbeschluss von 2007 ist weiterhin gültig“, stellte der Kölner
Parteichef fest. Allerdings dauern die Gespräche mit dem Bauherrn Ditib
noch an.
Die Bedingungen, damit auch seine Partei zustimmen kann, seien derzeit
aber
noch nicht erfüllt, bekannte Hollstein weiter und stellte sich damit
hinter die Gegner einer Moscheebebauung nach den vorliegenden
Planungen. Die Kritik am fehlenden
Integrationskonzept in Köln lehnt der CDU-Chef für seine Partei
allerdings ab. „Wir haben uns an diesem Thema gerieben und gleich zwei
Parteitage darüber diskutiert. Unser Papier liegt vor“, erklärte
Hollstein.
Auch zum Jüdischen Museum, bei dem sich der CDU-Chef zwar verhalten
aber in der Sache skeptisch zum geplanten Standort steht, das
Verhältnis zwischen Ratsfraktion und Dezernenten sowie die Schärfung
des Profils im bevorstehenden Wahlkampf wurden vom neuen CDU-Chef
angeschnitten. Beim Deutzer Hafen zeigt sich aber auch, dass die
parteipolitische Zugehörigkeit der Beigeordneten von vielen überschätzt
wird. Während CDU, FDP und Wirtschaftsdezernent Dr. Norbert
Walter-Borjans (SPD) das Areal Deutzer Hafen zu einem modernen Büro-
und Wohnstandort entwickeln wollen, wollen Stadtentwicklungsdezernent
Bernd Streitberger (steht der CDU nahe) und das Kernbündnis in ihrer
Vorlage den Industriestandort erhalten. Weitere Schwerpunkte und damit
auch mögliche Wahlkampfthemen sieht Hollstein im Bereich der
Kinderbetreuung und der Bildungskette, von der U3-Betreuung über Schule
bis hin zur Hochschule. An diesem Thema ist der ausgebildete Lehrer
Hollstein – er absolvierte 1992 sein zweites Staatsexamen – besonders
nah dran, schließlich ist der Landtagsabgeordnete Hollstein unter
anderem auch Mitglied im Ausschuss für Schule und Weiterbildung.

























