27. 05. 2012
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Finanzminister Steinbrück zu Gast bei der Deutschen Bank
Das Thema lautete „Standort Deutschland – Rahmbedingungen für unsere
Unternehmen“ und Ehrengast war kein geringerer als Bundesfinanzminister
Per Steinbrück.
Nach einer kurzen Begrüßungsrede durch den Leiter des Bereiches
Firmenkunden bei der Deutschen Bank Köln Thomas Illemann betrat der
gebürtige Hamburger und ehemaligen NRW-Ministerpräsident das
Rednerpult. In seiner knapp einstündigen Rede erläuterte der
Bundesminister neben Ursachen und Auswirkungen der internationalen
Finanzmarktkrise auch die Steuerpolitik seiner Regierung. Nicht immer
bekamen die anwesenden Gäste – in der Mehrzahl Unternehmerinnen und
Unternehmer als der Region – die Antworten, die sie gerne hören wollten.
Kritik am Mark- und Managerversagen
Deutliche Worte der Kritik fand Deutschlands oberster Kassenwart für
die Ursachen der internationalen Finanzmarktkrise. „Das ist Markt- und
Managerversagen, Politikversagen ist das nicht“, so der Minister, der
bereits ein Jahr zuvor Transparenz bei Hedgefonds eingefordert hatte.
Damals wurde er allerdings kaum von seinen internationalen
Ministerkollegen unterstützt. Als nun angelsächsische Manager mehr
Staatsintervention forderten, rang ihm das eigener Aussage „mehr als
ein leichtes Lächeln“ ab. Gleichzeitig verteidigte er die Zins- und
Geldmarktpolitik der Europäischen Zentralbank. Von der Finanzkrise sind
die Banken zudem in unterschiedlicher Größenordnung betroffen. So
veröffentlichte das gastgebende Kreditinstitut seine vorläufigen
Schätzungen für das erste Quartal bereits Ende März dieses Jahres.
Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann bezifferte dabei die Belastungen auf
2,5 Milliarden Euro. Das sei noch verkraftbar, wie Steinbrück
bescheinigte. Jedoch habe die „Sucht nach Marge“ bei anderen
Kreditinstituten zu deutlich gravierenderen Berichtigungen geführt.
Illemann knüpfte an diese Bemerkung an, als er auf die geplante stille
Einlage der Städte Köln und Bonn in einer Größenordnung von 300
Millionen Euro hinwies. „Nicht die privaten Geschäftsbanken, sondern
unter anderem die Sparkasse KölnBonn müssen nun nachschießen, um den
Mittelstand mit ausreichenden Krediten zu versorgen. Kommen sie also zu
uns“, stichelte der Bank-Manager.
Auch Minister Steinbrück ließ kein gutes Haar an den
öffentlich-rechtlichen Banken. Allerdings werde das Problem in
Deutschland zumeist grundsätzlich diskutiert. „Stellen sie einmal vor,
wir hätten in Deutschland ein notleidendes Kreditinstitut wie die
Northern Rock in Großbritannien verstaatlicht“, so die provokante Frage
in Richtung der anwesenden Gäste und Bankmanager. Trotz der gewaltigen
Ausmaße der derzeitigen Krise (die OECD schätzt den
Wertberichtigungsbedarf auf 350 bis 420 Milliarden US-Dollar weltweit),
liegen die tatsächlichen Verluste bislang nur bei rund fünf Prozent.
Die jüngst getätigten Einlagen an die IKB Bank über die bundeseigene
KfW seien vor diesem Hintergrund vertretbar. „Sie wären mit aufs Dach
gekrochen, wenn wir der Bank nicht geholfen hätten. Eine Bankinsolvenz
ist schlimmer“, so der Minister unter Verweis auf mögliche
Dominoeffekte. Schließlich müssten auch die Banken an den strukturellen
Problemen arbeiten, insbesondere am Vergütungssystem. Nach Meinung des
Minister habe das Vergütungssystem von Bankverantwortlichen, das sich
häufig am Kreditvolumen und nicht an tatsächlichen Gewinnen orientiere,
die Krise mitverursacht.
Reale Steuerentlastung aber keine weiteren Geschenke
Mindestens ebenso deutlich wurde Steinbrück bei seiner Analyse der
Steuerpolitik. „Wer hätte gedacht, dass die Sozis ihnen eine effektive
Steuerentlastung in dieser Höhe gebracht hätten“, so der Minister im
zweiten Teil seiner Rede. Die geplante Unternehmenssteuerreform mit
Neuregelungen wie etwa der so genannten Zinsschranke (sie regelt die
Beschränkung des Betriebsausgabenabzugs von Zinsaufwendungen für
Kapital- und Personengesellschaften) sei bewusst gewählt, so die klare
Ansage des SPD-Politikers. Zusammen mit dem hessischen
Ministerpräsidenten Roland Koch habe man versucht, der Steuerflucht
(hier brachte Steinbrück gleich mehrere Beispiele) durch „innovative“
Gewinnverrechnungsmodelle entgegen zu wirken. 80 bis 90 Prozent aller
Unternehmen in Deutschland zahlen heute weniger effektive Steuern als
unter der alten Regierung Kohl, resümierte Steinbrück. Den Einwänden
einiger anwesender Unternehmer aus dem Bereich der Metallverarbeitung
versprach Steinbrück zwar, die von ihnen vorgebrachten Beschwerden von
seiner Fachverwaltung prüfen zu lassen. Auch wollte er nicht
ausschließen, dass gerade kapitalintensive Unternehmen nach der
Steuerreform schlechter dastünden als vorher. Aber die Pläne aufgrund
weniger Partikularinteressen zu ändern, lehne er ab.
Großzügige Steuergeschenke werde es auch mit ihm nicht geben, so
Steinbrück schließlich in Anspielung auf Forderungen seiner
Kabinettskollegen. Der als streitbar geltende Minister musste
schließlich, so ließ er die versammelte Unternehmerschaft wissen, mit
einem Dementi an die Öffentlichkeit gehen. „Da sagte ich mir, das lässt
Du so nicht zu“ und erntete mit dieser Bemerkung nicht zum ersten Mal
Lacher aus dem Publikum. Sein Job sei ohnehin schwierig genug. Immerhin
kennt der Berufspolitiker die Rituale zur Genüge. Steinbrück versprach
den Anwesenden dabei nicht, seine Politik an jedem Einzelwunsch
auszurichten. Auch dem öffentlichen Druck großer Wirtschaftsverbände
will der Minister widerstehen. Aber gänzlich unbeeindruckt zeigte auch
er nicht vor öffentlich geäußerter Kritik. „Wir werden nachjustieren,
aber nicht wenn jemand laut schreit sondern im Lichte der Empirie“,
erklärte der Minister abschließend.

























