27. 05. 2012
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Hohe französische Auszeichnung für Angela Spizig
Bürgermeisterin Angela Spizig, seit elf Jahren Stellvertreterin des Kölner Oberbürgermeisters und zehn Jahre lang kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, ist am heutigen Montag vor weit über 100 geladenen Gästen mit dem Orden "l’officier des arts et des lettres" der französischen Republik ausgezeichnet worden. Mit dem zweithöchsten Rang dieser Kategorie werden Personen gewürdigt, die sich in herausragender Art und Weise um die Förderung französischer Kultur verdient gemacht haben. Der französische Botschafter Maurice Gordault-Montagne nahm am heutigen Nachmittag die Würdigung persönlich vor und trug sich danach in das Gästebuch der Stadt ein. "Sie sind ein Freund Frankreichs", so das Lob des Berufsdiplomaten, der bereits zwischen 1988 und 1991 an der damals in Bonn ansässigen französischen Botschaft seinen Dienst versah.
Der persönlichen Einladung der Bürgermeisterin waren fast alle gefolgt, "110 Prozent", wie Spizig selbst unter dem Schmunzeln der Anwesenden zugab. Eigens für die Veranstaltung hatte die Bürgermeisterin sich am Vortag noch um eine Liste aller Eingeladenen mit Namen und Profession aufgeschrieben. Austauschen sollten sich die Anwesenden und sie taten es reichlich. Dass so viele Hochkaräter unter den Kulturschaffenden sich an diesem Termin der Einladung folgten, liegt sicher nicht nur an dem günstigen Zeitpunkt nach der letzten Sitzung vor der Sommerpause. Es war wohl auch sichtbarer Ausdruck der hohen Wertschätzung, den sich die Bürgermeisterin in der Zeit ihres politischen und gesellschaftlichen Wirkens erwirkt hatte.
Lob und Anerkennung über Partei- und Landesgrenzen hinweg
Auch Oberbürgermeister Jürgen Roters nahm sich die Zeit, seiner Stellvertreterin aus den Reihen des Gestaltungspartners bei dem Empfang im historischen Hansasaal die erste Würdigung mit auf den Weg zu geben. Zwar gebe es in der Stadt noch immer zahlreiche Spuren aus der so genannten "Franzosenzeit" (1794 bis 1814), als die Domstadt zum französischen Staatenbund gehörte. Doch in den folgenden Jahrzehnten, spätestens jedoch nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Kaiserkrönung im Spiegelsaal von Versailles war das Verhältnis zwischen dem deutschen Kaiserreich preußischer Prägung und den französischen Republiken machte das böse Wort der Erzfeinschaft die Runde. Erst das Ende des Zweiten Weltkriegs mit der bedingungslosen Kapitulation des Nazi-Regimes und der danach einsetzenden europäischen Einigung machten dem Spuk ein Ende. Nach Abschluss des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags im Januar 1963 entwickelte sich in der Folge ein reger grenzüberschreitender Austausch, vor allem im Bereich der Schulen und Hochschulen. Protagonisten wie die Kölner Kommunalpolitikerin haben dieses Abkommen mit Leben gefüllt, auch wenn Kulturpolitik nicht immer so angenehm ist, wie Kultur zu schaffen., wie die Ordensträgerin in ihrer Dankesrede ausführte.
Mit Leidenschaft für den deutsch-französischen Austausch
Früh entwickelte die heute Gewürdigte ihr Bewusstsein und – bereits in jungen Jahren – die Liebe zur französischen Kultur und Lebensweise. Sicher habe dabei das eigene Elternhaus diese Leidenschaft – ein Wort, das im Zusammenhang mit Spizig häufiger fiel – entfacht, ihre Mutter war schließlich Dolmetscherin. 1968 begann Spizig ihre Studium der Romanistik an der Universität zu Köln, mitten hinein in die Zeit der 1968er-Bewegung. 1976 begann sie als Lehrerin an verschiedenen Kölner Gymnasien, am längsten am FWG. Und von Beginn an gehörte der internationale Jugendaustausch zum festen Repertoire der Pädagogin. Auch privat war sie der französischen Kultur zugetan und begann auch hier recht früh sich zu engagieren. In den 1990er Jahren trat Spizig dann in die Kommunalpolitik ein, die sie zunächst für fünf Jahre in die Bezirksvertretung Lindenthal und danach als Mitglied in den Stadtrat brachte. 2000 wurde sie zur Bürgermeisterin der Stadt gekürt. Auch in dieser Lebensphase widmete sich die vor allem um Kulturpolitik und den Jugendaustausch. Die eigene Biografie und ein perfektes Französisch in Wort und Schrift waren dabei sicher hilfreich, die Grenzen zwischen Völkern und in den Köpfen zu überwinden, gemeinsame Interessen zu definieren und so dem immer noch verbreiteten Vorurteil, Kultur sei Luxus, entgegen zu wirken. Kultur in der Definition der Gewürdigten ist vielmehr fester Bestandteil des Seins, der eigenen Existenz.
Und mit ihrem Engagement für den Austausch von Künstlerinnen und Künstlerin der verschiedendsten Genres, der ehrenamtlichen Mitarbeit in verschiedenen Organisationen wie dem pan-europäischen Kulturnetzwerk "Les recontres", dem Städtenetzwerk Global Citites oder auch der Vermittlung von Kunst und Kultur an die nachfolgende Generation erwarb sich die Grünen-Politikerin weit über Stadt- und Parteigrenzen hinweg Respekt und Anerkennung. Herausragend aus der Fülle ihrer Aktivitäten ist dabei das leidenschaftliche Engagement für den Erhalt und Verbleib des Institut Francais. Stets diplomatisch und respektvoll im Umgang, aber hart und unnachgiebig in der Sache gelang es Spizig und ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern das französische Kulturinstitut im Kölner Kulturleben zu verankern. Dass der amtierende Direktor des Institut mit der Bürgermeisterin heute ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, kommt nicht von ungefähr. Inzwischen ist das Institut Francais fester Anlaufpunkt für Künstlerinnen und Künstler aus beiden Staaten. Und nicht nur an dieser Stelle der heutigen Zeremonie gab es lang anhaltenden Applaus. Doch große Ehrungen sind nicht die Sache von Spizig. "Sie hätte das nicht machen müssen", gab sich die Gewürdigte bescheiden.

























