27. 05. 2012
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Katerfrühstück der Arbeitgeber: Gefragt sind Visionen und effizientere Verfahrensabläufe
Am heutigen Aschermittwoch begann die Nach-Karnevalszeit für die Prominenz aus lokaler Wirtschaft und Politik mit dem traditionellen "Katerfrühstück†der Kölner Arbeitgeber. Im zwölften Stock des Pulman Hotels in der Kölner Innenstadt legen ebenso traditionell Vertreter der Kölner Arbeitgeber sowie die Politik ihre kommenden Schwerpunkte fest. Entsprechend der traditionellen Abläufe begannen auch gleich die Arbeitgeber in persona ihres Vorsitzenden Michael Jäger mit der Generaldebatte. Die Gewerbesteuer müsse schnellstmöglich auf den Prüfstand, Zeitarbeit sei ein wichtiges Mittel betrieblicher Flexibilität und der städtische Haushalt müsse nun rasch konsolidiert werden, so die aus Sicht der Arbeitgeber vordringlichsten Punkte. Für den Satz: "Der Godorfer Hafen ist für die weitere wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt nach wie vor unverzichtbar" erhielt er sogar den Applaus der Mehrheit aller Anwesenden. Im Gesamteindruck blieb die Rede jedoch von Optimismus geprägt. Der "Aufholprozess" der regionalen Wirtschaft sei schneller vonstatten gegangen als ursprünglich befürchtet. Nach derzeitigen Schätzungen wird die Delle Ende dieses Jahres wieder ausgeglichen sein, glaubt Jäger.
Gemeinsamer Kritikpunkt: Verfahrenslänge
Einer der wesentlichen Punkte ist die Kritik an der Langwierigkeit einzelner politischer Prozesse. Auch wenn das Wörtchen verwaltungsinterne Abstimmung in der Debatte fehlte, war allen Beteiligten klar, was damit gemeint war. Die Entwicklung des Rheinauhafens dauert bis heute an, nach mehr als zwei Jahrzehnten, die Diskussion um den Ausbau des Godorfer Hafens dauert sogar drei Jahrzehnte an und eine angeblich so spitz rechnende Metropole wie Köln kann es sich leisten, ein mehr als fünf Hektar großes Filetgrundstück in bester stadtnaher Lage fünf Jahre lang brach liegen lassen. Die Vorwürfe sind nicht gering und selbst Oberbürgermeister Jürgen Roters lenkte in seinem Redebeitrag ein. "Auch mir geht es bei einigen Großprojekten zu langsam", begann das Kölner Stadtoberhaupt seine Ausführungen. Allerdings gebe es da Vorschriften, von der EU, dem Bund und dem Land NRW. Das könne man nicht "beiseite schieben", schränkte der Chef der Kölner Stadtverwaltung seine Kritik wieder ein. Tatsächlich aber habe man mit dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung (etwas mehr als 100 Millionen Euro an Zuweisungen) gute Erfahrungen sammeln können.
Schlaglöcher, News und die Marke Köln
Fortschritte werden schon bald auch im Bereich der Domumgebung zu sehen sein. Die Kommunikation mit der Wirtschaft funktioniere über zahlreiche gemeinsam getragene Initiativen und in Sachen Kultureinrichtungen habe man viel zu lange schon zu wenig für die Bestandserhaltung unternommen. Aber zumindest beim Dauerproblem "Schlaglöcher" wird Abhilfe versprochen. In Kürze wird der dafür zuständige Beigeordnete (Bernd Streitberger) ein 180 Millionen Euro-Sanierungsprogramm präsentieren, so die Ankündigung des Oberbürgermeisters. Und ganz beiläufig gab Roters noch zwei andere Positivnachrichten bekannt. So werde der Spezialchemiekonzern möglicherweise noch in diesem Jahr seinen endgültigen Umzug nach Köln bekannt geben. Außerdem könnte man in diesem Monat ein namhaftes Kommunikationsunternehmen für den Wirtschaftsstandort Köln gewinnen. Einzelheiten nannte das Kölner Stadtoberhaupt jedoch. "Auch mit wenig viel erreichen", ist eines der Ergebnisse, die Kölns neue Wirtschaftsdezernentin Ute Berg mitnehmen wird. Gerade am Marketing-Etat der Stadt wurde besonders deutlich gespart. Ein wichtiger internationaler Messeauftritt mit der alljährlichen Mipim in Cannes musste bereits aufgegeben werden. Für die Ausgestaltung der "Marke Köln" denkt Berg an eine "professionelle Agentur". Dabei will sie auf den Vorarbeiten ihres Vorgängers Dr. Norbert Walter-Borjans aufbauen, erklärte die Beigeordnete weiter.
In der Unternehmerrunde gab es ebenfalls viel Grundsätzliches. Das Handwerk ist Stabilisator und Garant als verlässlicher Ausbildungspartner herausgestellt, gerade und vor allem in Zeiten der Krise, stellte Kreishandwerksmeister Nikolai Lucks klar. Und auch die Chemiebranche gebe im Großraum Köln ("Chemiegürtel") immerhin 1800 jungen Menschen eine berufliche Perspektive, ergänzte Dr. Patrick Giefers, Arbeitsdirektor beim Chemieparkbetreiber Ineos Köln GmbH. Er wünschte sich manchmal noch etwas mehr Unterstützung für seine Branche, schließlich sei eben jener "Chemiegürtel" der größte zusammenhängende in ganz Europa. Für Carl Martin Wecker, Chef des Kölner Werkzeugmaschinenherstellers Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG, gelte es, vor allem dem "Industriestandort Köln" genügend "Freiraum" zu geben. Gemeint war damit sowohl die Bürokratie, wie auch ausreichend Gewerbeflächen. Schließlich kosten gute Ideen zunächst einmal kein Geld. Und wenn man die Einnahmeseite nicht unendlich erhöhen kann, sind Innovationen vor allem bei den "betrieblichen Abläufen" der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg. "Ich sehe keinen Widerspruch zwischen unternehmerischen Handeln und leeren Kassen", so der Tipp in Richtung Verwaltungsverantwortliche. Möglicherweise müsse man einfach nur den "mindset" ändern. Dass das auch funktionieren kann, zeige das Beispiel der "One Stop Agency" im Amt für Wirtschaftsförderung. "Das lässt sich sehr viel verbessern", so Welcker abschließend.

























