27. 05. 2012
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Landesregierung schließt spätere Förderung nicht aus
Es ist wahrlich kein unkompliziertes Projekt, das sich die Verantwortlichen in Köln da auf ihre Schultern geladen haben. Zusätzlich zum Regionale 2010-Projekt "Archäologische Zone" soll über der Erde ein architektonisch und städtebaulich ansprechender Schutzbau entstehen. Bei einem Architektenwettbewerb im vergangenen Sommer entschieden sich die Juroren (mit einer Gegenstimme) ausgerechnet für den Entwurf, der eine Entkopplung beider Vorhaben eben nicht zuließ. Bei der Realisierung sollte eigentlich ein Förderverein privater Unterstützer unter die Arme greifen, der neben der Übernahme der (anteiligen) Planungs- auch die kompletten Bau- und Betriebskosten stemmen wollte. Nachdem bereits Anfang Juni dieses Jahres die erste Absage, wiederholten die Verantwortlichen des Fördervereins in der vergangenen Woche ihre Absage an eine Übernahme der anstehenden Planungskosten. Zwar wollen Oberbürgermeister Fritz Schramma und seine Mitstreiter in der Stadtverwaltung, allen voran Kulturdezernent Prof. Georg Quander, die Tür für einen Einstieg der privaten Sponsoren weiterhin einen Spalt offen lassen. Aber der Wortlaut des Briefes vom 2. Juli, den Schramma zur Besprechung mitbrachte, ließ nur den Schluss offen, dass die Absage an die angedachte kleine Lösung endgültig sei. Schramma zeigte sich dabei "enttäuscht" über den drohenden Unterton des Briefes.
Kleine Lösung für den Rathausplatz
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Wie bereits vor Monatsfrist angesprochen strebt die Stadtspitze eine kleine Lösung für das geplante Museum an. Der Siegerentwurf des Saarbrücker Architektenbüros Wandel, Sieger Hoefer + Lorch soll jedoch auch weiterhin Grundlage für die Planungen sein. Insbesondere für die Freunde und Förderer des südlich angrenzenden Wallraf-Richartz-Museums dürfte das eine gute Nachricht sein, hatten sie doch nach Veröffentlichung der geplanten oberirdischen Bebauung im vergangenen Jahr auf den ihrer Meinung nach viel zu geringen Abstand zum geplanten Museumsbau hingewiesen. Die absolute Höhe, so der Vorschlag der Kölner Verwaltungsspitze, soll auch weiterhin bei zwölf Metern liegen, allerdings soll das Gesamtvolumen des Baukörpers erheblich reduziert werden. "Die Archäologische Zone bleibt eines der wichtigsten Projekte der Regionale 2010", unterstrich Schramma und erhielt dafür Unterstützung des seit März dieses Jahres amtierenden NRW-Ministers. "An kaum einem anderen Ort kann man Geschichte so erlebbar machen wie hier. Wir werden das Projekt auch weiterhin mit bis zu 14 Millionen Euro unterstützen", erklärte Lienenkämper.
Auch Prof. Harald Meller unterstrich die Bedeutung des Projekts und die seiner dort gemachten Ausgrabungen. So habe man inzwischen zweifelsfrei Relikte aus der Karolingerzeit heben können. Die Jüdische Gemeinde in Köln wurde im Jahr 321 nach Christus erstmals namentlich erwähnt und existierte bis zu den so genannten "Judenprogromen" im Jahr 1424. Eine der Ideen des siegreichen Saarbrücker Architektenteams soll dabei auf jeden Fall umgesetzt werden, warb Schramma öffentlich. Gemeint war der oberirdisch verlaufende Rundgang um die ehemalige jüdische Synagoge und die Mikwe,k wie Kölns Stadtoberhaupt ausführte. Bereits im kommenden Jahr wollen die Verantwortlichen mit den Baumaßnahmen beginnen. Voraussetzung ist jedoch, dass das Architekturbüro aus Saarbrücken seine ursprüngliche Pläne überarbeitet und dieser neue Entwurf dann spätestens auf der kommenden Ratssitzung Gegenstand einer abschließenden Debatte wird. Die eigentlichen Bauarbeiten für das Regionale-Projekt archäologische Zone könnten dann in der zweiten Jahreshälfte 2010 beginnen und nach rund zwei Jahren Bauzeit abgeschlossen werden. Zumindest in der Frage des Zugangs erhielten die Verantwortlichen dabei auch das offizielle Plazet des wissenschaftlichen Beirats. Der hatte vor rund zwei Wochen getagt und empfohlen, den Zugang unterirdisch zu verlegen. Das reiche aus, so das Urteil der dort vertretenen Experten.
Und so wird die Öffentlichkeit den eigentlichen Baubeginn und die ersten Maßnahmen gar nicht so direkt mitbekommen. Zunächst ist nämlich geplant, einen Durchstich von der Stadtbahn-Haltestelle Alter Markt durch die Kellergewölbe des Historischen Rathauses in den Bereich der Archäologischen Zone und damit den gesamten unterirdischen Bereich des historischen Kölns durchzuführen. Eine solche Maßnahme stehe übrigens auch im Einklang mit dem touristischen Konzept der Stadt Köln. Ob allerdings die notwendige Zahl an Besuchern tatsächlich – wie ursprünglich vorgerechnet – die Betriebskosten des Museums abdecken können, wird sich im weiter Verlauf wohl erst zeigen müssen. Bei den Baukosten will die Stadt auf jeden Fall Einsparungen vornehmen. Die ursprünglich auf 19 Millionen Euro geschätzten Baukosten des "Hauses der Jüdischen Kultur" sollen durch die Verkleinerung des Baukörpers um 20 Prozent reduziert werden. Damit kostet der Museumsbau die Stadt aber immer mehr als 15 Millionen Euro. Die Stadt hatte nicht zuletzt deshalb die Hoffnung, dass Land Nordrhein-Westfalen werde das Vorhaben großzügig unterstützen. Genau diese Bereitschaft wollte Lienenkämper denn auch am heutigen Dienstag nicht grundsätzlich ausschließen. "Wir werden zunächst die Beschlüsse der zuständigen Gremien abwarten, bevor wir in konkrete Gespräche über eine gemeinsame Förderung eintreten", erklärte der Minister abschließend.
Kommentar
Was die Gegner des Museumsbaus seit langem befürchtet haben, wird nun langsam zur gesicherten Erkenntnis. Der Traum von einem Haus der Jüdischen Kultur auf dem Rathausplatz zum Nulltarif ist ausgeträumt und das Projekt wird die Stadt und ihren Haushalt teuer zu stehen kommen. Selbst angesichts der in Aussicht stehenden Landesförderung bleibt die Stadt Köln und damit der Steuerzahler einennicht unerheblichen Teil der notwendigen Investitionskosten zu tragen haben und das angesichts eines drohenden Haushaltsloch von mehreren hundert Millionen Euro. Das tut weh und nicht nur Oberbürgermeister Schramma wird sich ob der fehlgeschlagenen Finanzierungszusage des Fördervereins sogar geärgert haben.
Dabei muss allen Verantwortlichen von Anfang der Ausgrabungen an klar gewesen sein, dass die Stadt neben den Kosten für die unterirdischen Ausgrabungen und Baumaßnahmen auch oberirdisch etwas unternehmen muss. Dass der massive zwölf Meter hohe Museumsbau nun kleiner wird, wird nicht nur von den direkten Anliegern mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis genommen werden. Dass aber eine einfache Glasplatte über der Archäologischen Zone kaum ausreichend ist, die Schätze aus mehr als einem Jahrtausend Kölner Stadtgeschichte würdig zu präsentieren, muss selbst den entschiedenen Gegnern einleuchten. Man kann der Kölner Stadtspitze nicht einmal den Vorwurf machen, bei diesem Projekt alles falsch gemacht zu haben. Aber die Kommunikation zu diesem Projekt war in der Tat optimierungsfähig. So wirkte das Festklammern an der Finanzierungszusage des Fördervereins schon im vergangenen Jahr geradezu naiv. Zumindest in diesem Punkt haben die Kritiker Recht behalten.

























