27. 05. 2012
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Roters fordert sportpolitische Impulse für Köln
Mehr Kunstrasenplätze, eine schnelle Eingreiftruppe sowie ein Senioren- und Behindertensportfest. Das waren nur einige Vorschläge, die der Kölner SPD-Politiker und Oberbürgermeisterkandidat Jürgen Roters gestern im SPD-Stammhaus vorgestellt hat. Zwar wolle er die kurz zuvor beschlossene Agenda zur Sportstadt Köln nicht als Wahlkampfthema missbrauchen. Aber der ehemalige Kölner Polizeipräsident und Ex-Regierungspräsident ist eben ein profilierter Sportler und Sportpolitiker. Und weil eine dreiviertel Million Euro der insgesamt bereit gestellten einen Million noch nicht verbraucht sind, will Roters über die eigene Partei seine Vorschläge in Form von Anträgen in den nächsten Sportausschuss einbringen. Dabei kommt es ihm nicht ungelegen, dass einige seiner Vorschläge durchaus deckungsgleich mit den langfristigen Zielen der Sportagenda sind. "Das trägt zur Profilschärfung bei", so Roters.
Vereine stärken als wichtiges Ziel
Durchaus pragmatisch sind seine Vorschläge zur Stärkung der Kölner Sportvereine. Rund 190.000 Freizeit- und Hobbysportler sind in den insgesamt rund 800 Kölner Sportvereinen aktiv. Nicht nur Profi-Vereine wie die Kölner Haie (aktuell) oder die Köln 99ers (vor einem Jahr) müssen sich anstrengen, ihre Bilanzen auszugleichen. Vielen kleinere Vereinen drohen ähnliche Schicksale bzw. machen sie gerade durch. Dass der Stadtrat bereits einen Teil der bereitgestellten Mitteln in die Initiative "Kids in die Clubs" (eine Subventionierung von Mitgliedsbeiträgen für Kinder aus einkommensschwachen Familien) investiert ist gut, reicht aber nach Meinung von Roters nicht aus. "Wir müssen die Sportvereine stärken, da haben wir Nachholbedarf", begründete der SPD-Politiker seine Anregungen.
Ohne neue städtische Stellen einzurichten, will Roters gleich an drei Stellen ansetzen. So will der OB-Kandidat bei der Reparatur und Instandsetzung von Außensportanlagen kleinere Aufträge an Handwerksfirma schneller und vor allem unbürokratischer vergeben können. Dazu soll eine Art "schnelle Eingreiftruppe" gebildet werden, die in jeweils zwei Stadtbezirken solche Dienstleistungen schnell umsetzen kann. Die Zuständigkeit dafür will Roters den Bezirken überlassen, "die sind näher dran an den Problemen". Ein weiteres Handlungsfeld sieht er in der Unterstützung der Vereine durch eine Servicestelle beim Stadtsportbund. Hier denkt Roters an einen Expertenpool von Unternehmens- und Steuerberatern, die den Vereine kostenlos in Steuer- und Organisationsfragen unter die Arme greifen. Aus eigener Erfahrung weiß Roters, dass immer weniger Vereinsverantwortliche den Job des Schatzmeisters ausführen wollen, zu vielfältig die strengen Kriterien der Steuergesetzgebung, zu pedantisch so manche Betriebsprüfung. Zudem will der SPD-Politiker die Außensportanlagen von Schulen auch außerhalb der Schulzeiten für den Vereins- und Breitensport öffnen. "Hier liegen ungenutzte Potenziale brach". Hier wie auch bei der schnellen Eingreiftruppe gebe es zudem Möglichkeiten, Arbeitslosen über ein entsprechendes Programm der Arbeitsagentur (die Behörde zahlt einen Zuschuss von 75 Prozent der Arbeitskosten) wieder eine neue Perspektive zu geben.
Mehr Bewegungsräume in der Stadt
Auch in Sachen Bewegungsräume will Roters einige Stellschrauben anziehen. So sollen im Kölner Stadtgebiet schon bald fünf solcher Räume ausgewiesen werden. Sie sollen in ihren jeweiligen Stadtteilen zu Orten der Begegnung und einer gemeinsamen Freizeitgestaltung werden. Von reinen Seniorenspielplätze hält der SPD-Politiker hingegen wenig. Über die Ausweisung der konkreten Bewegungsräume solle der Stadtrat entscheiden, es mache aber Sinn, die Gelder (200.000 bis 250.000 Euro) schon jetzt dafür vorzusehen. Weitere 50.000 Euro will Roters in beleuchtete Laufstrecken investieren. Auch Projekte für Schul- und Kindergartensport sollen gefördert werden. Ein kombiniertes Behinderten- und Seniorensportfest sollte zudem als Signal initiiert werden. Roters gab bekannt, dass der Bundesverband Behindertensport die Absicht hat, seine Geschäftsstelle von Duisburg nach Köln zu verlagern. "Das wäre ein Signal", begründet der OB-Kandidat seine Initiative. Zuguterletzt machte sich Roters dafür stark, dass die Errichtung neuer Bolzplätze fortgesetzt wird. Allerdings ist es in dicht besiedelten Wohngebieten heute aktuell unmöglich, so etwas durchzusetzen. Auch wenn das Bundesemmissionsschutzgesetz strenge Regeln zum Beispiel bei der Lärmbelastung vorgibt, appellierte der SPD-Politiker an die Betroffenen, dieser – wie er es nannte – Fehlentwicklung entgegen zu treten.
Auch der Sport in Köln soll von den zusätzlich zu erwartenden Finanzmitteln (150 bis 200 Millionen Euro) profitieren. Jedes Jahr sollen so fünf neue Kunstrasenplätze errichtet werden. Bis Anfang 2011 soll die derzeitige Zahl von acht bereits auf 16 verdoppelt werden. Auch andere Außensportgelände – ob an Schulen oder in den städtischen Bezirkssportanlagen – könnten von der Bundesförderung profitieren. Eher kritisch dürfte hingegen sein Vorschlag aufgenommen werden, innerstädtische Kinderspielplätze zu verkaufen, um mit den Erlösen an anderer Stelle etwas aufzubauen. In vielen Stadtvierteln, gerade in der dicht besiedelten Innenstadt dürften sich nicht alleine die betroffenen Eltern dagegen wehren, solche Flächen aufzugeben. Dass bei der Schaffung neuer Spiel- und Sportflächen trotzdem flexibler agiert werden soll, bleibt davon unberührt.
Keine Zustimmung findet bei Roters hingegen die Hilfe von Profisportvereinen oder kommerziellen Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Radrennen "Rund um Köln". "Diese Forderung ist nicht zukunftsorientiert", gab der SPD-Politiker zu Protokoll. Etwas anders sehe die Sache beim aktuellen Beispiel der Nachwuchsförderung der Kölner Haie aus. Derzeit leiden nach Angaben des Sportpolitikers Roters bis auf den 1. FC Köln nahezu alle großen Profivereine der Region unter den Auswirkungen sportlicher Misserfolge und der Wirtschaftskrise. Durch den Rückzug des Hauptsponsors Ford ist sogar der Marathon-Verein betroffen, dem Roters als Präsident vorsteht. Auch wenn eine direkte städtische Finanzhilfe ausscheidet, könne trotzdem über eine flexible Regelung über das Instrument der Bürgschaft nachgedacht werden, so der OB-Kandidat abschließend.

























