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27. 05. 2012
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Roters will Kölner Arbeitsmarkt zielgerichteter fördern


29.04.2009 20:18 von:

Schlagwörter: Köln,Roters,Oberbürgermeister,Kandidat,Qualifizierung,Langzeitarbeitslose

Die Förderung des Kölner Arbeitsmarktes ist ein wichtiges Thema. Das weiß auch der OB-Kandidat von SPD und Grünen, Jürgen Roters. Am heutigen Mittwoch stellte der 59-jährige ehemalige Regierungspräsident sein wirtschaftspolitisches Wahlprogramm. Er besuchte die Werkstätten des Vereins Zug um Zug e.V. an der Neusser Landstraße. Mit rund 600 Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen gilt der Verein als einer der großen Beschäftigungsträger in der Kölner Weiterbildungslandschaft. Ginge es nach dem Willen des geschäftsführenden Vorsitzenden Dr. Walter Schulz, könnten Gesellschaft wie seine schon bald arbeitslos sein. Aber das wird nicht so schnell passieren, wie ein Blick in die jüngste Arbeitslosenstatistik zeigt. Gerade unter den jungen Arbeitslosen unter 25 Jahren steigen die Zahlen. Nach rund 3600 im Oktober vergangenen Jahres sind es derzeit rund 4400, ein überproportionaler Anstieg. Würde der SPD-Kandidat ab Oktober Oberbürgermeister, wäre dies eines seiner wichtigsten Arbeitsfelder, wie er im heutigen Pressegespräch betonte. "Wir brauchen eine aktive Beschäftigungspolitik und passgenaue zielgerichtete Lösungen", so Roters. Man dürfe nicht warten, bis die Menschen sich endgültig aus dem Arbeitsmarkt verabschieden, sondern müsse schnell handeln. Die bereits vorhandenen Projekte und Akteure müssten darüber hinaus besser miteinander koordiniert werden. Zwei Mal pro Jahr wolle er als möglicher OB zukünftig eine Konferenz mit allen Beteiligten abhalten. Roters wiederholte dabei seine Forderung nach einer "task force", die zum Beispiel auf Sportplätze, Vereinsheimen oder Kindergärten schnell kleinere Reparaturarbeiten erledigen könnte.

Evaluierung abgeschlossen – Großer Bedarf an heranführende Angebote

Da Beschäftigungsträger wie der Verein Zug um Zug e.V. mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, müsse man allerdings darauf achten, nicht in die Märkte von bestehenden Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes einzugreifen. "Wir wollen und werden dem Handwerk nicht die Aufträge wegnehmen", beeilte sich Roters zu betonen. Die Plattform öffentlicher Aufgaben, in denen die Qualifizierungsgesellschaften aktiv werden könnten, sind dabei breit gefächert. Sie reichen von der Pflege öffentlicher Grünflächen über soziale Aufgaben bis hin zu Hilfsdienstleistungen in der Altenpflege. In der Werkstatt des Vereins arbeiten dabei nicht nur Jugendlichen mit einer so genannten "gebrochenen Bildungsbiografie" zusammen. Auch ältere Langzeitarbeitslose können hier ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen. Ziel ist es, die Betroffenen wieder an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen. Bei dem Programm "Sprungbrett", das sich an jüngere Langzeitarbeitslose wendet, konnten 40 Prozent wieder in Arbeit bzw. in eine Ausbildung vermittelt werden, wie eine Auswertung für die vergangene Sitzung des Ausschusses Soziales und Senioren am 23. April ermittelte. Bei dem Programm "Wege in Arbeit", das vor allem die älteren Langzeitarbeitslosen ins Visier nimmt, beträgt die Vermittlungsquote in Arbeit oder Ausbildung immerhin noch 22 Prozent. Weitere elf Prozent erhielten eine andere Perspektive, bei zwei Dritteln stellte der Mainzer Soziologe Dr. Michael Seligmann vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz eine "Heranführung an die Arbeitsfähigkeit" fest. Viele der jüngeren Arbeitslosen haben dabei bereits einschlägige Erfahrungen mit dem deutschen Bildungssystem machen müssen. Insgesamt 5500 so genannte "Eintritt" in beiden Qualifizierungsmaßnahmen wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten evaluiert. Vor allem Schulden und die Suche nach einer Wohnung stellen die größten Probleme (wissenschaftlich: Handlungsbedarfe) der jungen Arbeitslosen dar. Bei den älteren tritt der Handlungsbedarf Gesundheit in den Vordergrund, wie der Mainzer Forscher herausfand. In den meisten Fällen strebten die betreuten Arbeitslosen eine höhere Qualifizierung, viele von Ihnen überhaupt einen Abschluss an.

"Wir wollen mit wenig Mitteln viel erreichen", erläuterte Schulz weiter. Als Mitglied der Innung und in enger Abstimmung mit der Kölner Handwerkskammer will der Verein, der am Standort Neusser Straße neben seiner Tischlerwerkstatt auch eine kleine Fahrradreparaturwerkstatt betreibt, vor allem sinnvolle Projekte durchführen. "Wir wollen dabei auch die Angebote für die Qualifizierung verbessern. Allerdings bleiben wir auch weiterhin ein Reparaturbetrieb", erklärte der Vereinsvorsitzende. Roters wurde grundsätzlicher. Seiner Meinung nach müsse sich gleich das gesamte Bildungssystem ändern. "Wir müssen die Selektion aufbrechen. In Ländern wie Finnland klappt das besser", so der SPD-Politiker. "Das derzeitige Bildungssystem produziert zu viele Bildungsverlierer", so Roters weiter. Länder wie Finnland haben ein ganz anderes Belohnungssystem für die Lehrer, so der ehemalige Chef der Bezirksregierung. Mit Qualifizierungsmaßnahmen will Roters ein "Stück Präventionsarbeit" leisten, die aber eigentlich viel früher beginnen muss. Der 59-Jährige weiß aber auch, dass dies komplzierter wird. Mit einem ersten Programm, dem so genannten "win-win"-Programm hat seine Partei gemeinsam mit den Grünen im vergangenen Jahr ein erstes Pilotprojekt auf den Weg geschickt. An einer speziellen Baumaßnahme sollen Langzeitarbeitslose geschult und eine städtische Immobilie revitalisiert werden. Das könne man ausbauen. Roters denkt dabei an zusätzliche städtische Mittel in Höhe von zwei Prozent des Haushaltsansatzes. Das wären rund 60 Millionen Euro. Derzeit werden Förderprogramme für den Arbeitsmarkt vor allem aus dem Haushalt der Arbeitsagentur über die Kölner ARGE finanziert. Dessen Gesamtfördermenge beläuft sich derzeit auf rund 96 Millionen Euro.







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