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27. 05. 2012
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Deja-vu und das Stochern im Nebel


23.03.2011 02:01 von:

Schlagwörter: Köln Nachrichten,Kommentar,2011,März,Hauptausschuss,Nord-Süd-Stadtbahn,Waidmarkt

(rk) "Deja-vu" ist der französisch klingende Begriff für ein häufig wiederkehrendes Phänomen in der Katastrophen-Berichterstattung. Dies traf auch auf die montägliche Rechtfertigungsdebatte zu, mit der sich der Hauptausschuss auf seiner gestrigen Sitzung ausführlich beschäftigen musste. Zur Erinnerung: Das erneute Loch in der Baugrube am Waidmarkt trat am 9. Februar 2011 auf. Reichte auf der vergangenen Sitzung des Hauptausschusses am 21. Februar noch der kurze Hinweis auf die vermeintliche Ursache, mussten die Beteiligten bei der gestrigen Sitzung ausführlich die Entscheidung über die drei zur Verfügung stehenden Verfahren erläutern. Und das nur, weil die Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders den Vorwurf eines externen Bauexperten geäußert hatte, die Stadt habe bei der Planung der Besichtigungsbaugrube erneut gravierende Fehler gemacht. Keineswegs, versuchten Gutachter, Beigeordneter und weitere Fachleute deutlich zu machen. Zumindest detailreicher waren die Ausführungen der Beteiligten schon, die da am Montagabend im Konrad-Adenauer-Saal des Historischen Rathauses stattfand.

Der Verfasser des Kommentars fühlte sich an die letztjährige Diskussion erinnert. Im vergangenen Jahr drohte der Nord-Süd-Stadtbahn eine weitere mittlere Katastrophe. Rhein und Grundwasser stiegen an. In der Folge standen die Verantwortlichen kurz davor, die Tunnelröhren mit Schotts wasserdicht abzuschließen und das halbfertige Baustellenbauwerk zu fluten. Glücklicherweise kam es nicht dazu, aber in fast täglichem Wechsel wurden den recherchierenden Journalisten – die wenigsten davon mit einem Uni-Abschluss in Tiefbautechnik – Fachbegriffe und die dahinter stehenden Verfahren, das einem unbedarften Beobachter schwindelig wurde. So auch in diesem Fall. Das Zitat eines externen Experten zu einem Vorwurf umformuliert reicht aus, um Politik und Verwaltung vor sich her zu treiben und der recherchierenden Zunft im Verlauf weniger Stunden die Inhalte beizubringen, für die so mancher Hochbegabte mehrere Jahre benötigt. Hilfreich zur Vermittlung der sachlichen Information ist das nicht immer.

Was bleibt, ist das ungute Gefühl, dass "Otto und Gisela Normalverbraucher" sich in immer stärkeren Maß von technischen Details und dem funktionierenden Ineinandergreifen verschiedener Spezialisten abhängig zu machen. Wenn nichts passiert, wird das Ergebnis als technisches Meisterwerk herumgereicht, die Planer und Verantwortlichen mit Ruhm und Würdigungen ausgezeichnet und vom "Normalverbraucher" schnell als normal hingenommen. Passiert doch etwas Unvorhergesehenes ist die Suche nach Schuldigen ein Reflex, der von der öffentlichen und der veröffentlichenden Meinung schnell zur Hand ist und bedient werden muss, schließlich ist das allgemeine Interesse reichlich vorhanden. Zögern die Verantwortlichen dann mit der Benennung von ursächlichen Zusammenhängen oder geben sie gar widersprüchliche Angaben zur Sache, ist der Vorwurf des Versagens schnell zur Hand. Und Vertrauen wiederherzustellen, ist unendlich schwieriger, wenn es erst einmal enttäuscht wurde oder – wie im Fall Köln – gleich in einer Baugrube begraben wird.

So bleibt als Erkenntnis der vergangenen Montagsaussprache nichts Neues: Die Ermittler tappen weiterhin im Dunkeln, weil die in Verdacht geratene Schlitzwand erst in einigen Monaten begutachtet werden kann. Und auch dann ist keineswegs sicher, ob die dann gewonnen Erkenntnisse für die Ursachenbestimmung ausreichen werden. Die Aufarbeitung der Jahrhundert-Katastrophe dauert länger als es unser Kurzzeitgedächtnis (Digitial: Arbeitsspeicher) zulassen will. Letztlich aber geht es – auch das muss klar sein – um eine straf- und vor allem zivilrechtliche Auseinandersetzung, bei der es um viel, um sehr viel Geld geht. Da ist eine ausgewogene Kommunikation unbedingt angebracht. Wenigstens diese Hausaufgabe haben die Verantwortlichen gemacht, die Argumente und Erläuterungen klangen nachvollziehbar und unaufgeregt. Alleine ein Restmisstrauen bleibt und dieses Gefühl macht uns anfällig für Vorwürfe oder gar Verschwörungstheorien. So bleibt noch viel Zeit für weitere "deja-vu"-Erlebnisse. Manchmal können aber gerade diese Impulse aus den Medien auch hilfreich sein, wenn so neue Informationen ans Licht der Öffentlickeit kommen. Schade, dass nur eine Handvoll Bürger sich die Zeit nahmen, dieser Diskussion beizuwohnen, das offenkundige Interesse war schon mal größer.

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