27. 05. 2012
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Ein vorbildlicher Info-Abend mit kleinen Schönheitsfehlern
(rk) Die eigentliche Bombe platzte am Ende. 200 Millionen Euro für 1500 Meter Glasdach hören sich erst einmal nach sehr viel an, zumal zu Beginn der Planung die kalkulierten Kosten eher bei 150 Millionen Euro lagen. Wenn man aber bedenkt, in welchem Maße sich in den vergangenen Jahren die brandschutz- und sicherheitstechnischen Vorschriften verändert, ja verschärft haben, ist es überhaupt ein Wunder, dass der Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 1999 überhaupt umgesetzt werden kann. So gesehen war es eine ungemein gehaltvolle und im Duktus doch ruhige, ja sachliche Debatte, die sich über rund zwei Stunden im siebten Stock des Bezirksrathauses hinzog. Und sie war gut getimt. Der Landesbetrieb kam mit allen wichtigen Projektbeteiligten, beiden Projektleitern und weiteren sachkundigen Mitarbeitern und Planern. So ist das richtig, wenn man die Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort Ernst nimmt.
Die Debatte machte zudem deutlich, mit welchen Schwierigkeiten die Planer und Innovatoren in heutiger Zeit zu kämpfen haben. Mit jeder Innovation betreten die Mutigen Neuland. Dafür kann es verständlicherweise noch keine Vorschriften geben, weil das Objekt dieser Vorschriften noch gar nicht gibt. So müssen Simulations- und Berechnungsmethoden zugrunde gelegt werden. Für den einfachen Bürger ist das nicht immer nachvollziehbar. Und so ist es notwendig, die Betroffenen in einer solchen Veranstaltung behutsam, aber effizient in einem kurzen Zeitraum zum Quasi-Experten zu machen. Eine vergessene Ölleitung oder eine aus dem öffentlichen Gedächtnis gerutschte Kanalsanierung haben das Zeug, eine Veranstaltung zu kippen und Zorn und Unmut bei den Anliegern zu erzeugen. Dass sie es nicht taten, lag wohl auch an der guten Vorbereitung des Landesbetriebs auf diese Veranstaltung, auch wenn die angekündigte Kontaktaufnahme mit den weiterhin auf Lärmschutz angewiesenen Haushalten noch nicht stattgefunden hat. Möglicherweise sind aber auch die Haushalte, die bereits angesprochen wurden, erst gar nicht nach Lindenthal gekommen. Wenn überhaupt war es ein kleiner Schönheitsfehler einer ansonsten rundum gelungenen Veranstaltung.
Angesichts der bisweilen herrschenden Hysterie in der öffentlichen Debatte blieb diese Veranstaltung insgesamt erstaunlich ruhig und erfreulich sachlich, angesichts der Belastungen, die in den kommenden Wochen und Monaten nicht nur auf die Anlieger in den Stadtteilen Junkersdorf und Lövenich zukommen. Möglicherweise war die relativ geringe Resonanz von gerade einmal 60 Leuten auch ein Vorteil. Es war genau die richtige Mischung. Lokalpolitiker, einige wenige Betroffene und eine Handvoll interessierter Bürgerinnen und Bürger ließen zwar viele Sitzplätze im Sitzungssaal leer, aber nur wenige Fragen offen. Und dank der ruhigen und sachlichen Gesprächsführung der Verantwortlichen, das intensive Eingehen auf Fragen und jede Menge Zahlen und Werte machten den Abend zu einem mehr als lehrreichen Abend für viele. So müssen Informationsveranstaltungen ablaufen, der Lob der Redaktion dafür richtet sich an beide Seiten, an die Verantwortlichen des Bauherrn und die Bürger, die durch ihre gezielten, aber sachlichen Fragen eine solche Debatte erst ermöglichten.
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