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27. 05. 2012
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Integration in Köln – Jetzt fängt die Arbeit an


01.06.2011 01:26 von:

Schlagwörter: Köln,Kommentar,Integrationskonzept,2011,Mai,Vorstellung,Umsetzung

74 Seiten, 260 Handlungsempfehlungen, 300 Beteiligte und ein Saal voller Befürworter, das war der Rahmen, in dem das Konzept zur Stärkung der integrativen Stadtgesellschaft am heutigen Dienstag im Rathaus vorgestellt wurde. Tatsächlich ist es der Versuch, dem Idealbild einer vielfältigen Gesellschaft eine institutionalisierte Sicherung einzubauen. Ein fester Prozess soll installiert, Ziele in kurz- und mittelfristiger Perspektive umgesetzt und in der Stadtgesellschaft und ihren maßgeblichen Akteuren verankert werden. Die Handlungsfelder sind definiert, die Ziele formuliert und doch räumen die Verantwortlichen ein, dass die Kapazitäten in der federführenden Geschäftsstelle des Interkulturellen Referats begrenzt sind. Bereits jetzt sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Dienststelle mit der Organisation der Anti-Diskriminierungsarbeit, der Vor- und Nachbereitung der Integrationsratssitzungen sowie neun anderen Betätigungsfeldern beschäftigt. Nun soll das Referat auch die Geschäftsstelle für die Koordinierung der Maßnahmen zum Erreichen der integrativen Stadtgesellschaft übernehmen. Die Forderung nach mehr Personal ist da nur folgerichtig.

Allerdings folgt der Konzepterstellung die Befürchtung, dass bis auf Stellenzusetzung und jede Menge Papier wenig Zählbares dabei herauskommen wird. Integration fängt bekanntlich in den Köpfen an und sie ist – ebenfalls bekannt – keine Einbahnstraße. Wie aber will man das Denken der Mehrheitsgesellschaft verändern, die sich wie ein Betrunkener auf Rollmöpse stürzend jede Gewalttat eines Jugendlichen mit Migrationshintergrund zum Anlass nimmt, die Integrationsdebatte mit dem gleichen kruden Mix aus Trivialität und Vorurteil von vorne aufzurollen? Der Rechtsanwalt, Arzt oder Unternehmer türkischer Herkunft ist bereits integriert, die vielen türkeistämmigen Arbeitnehmer auch. In den Schulen sind Jugendliche aus Familien mit türkischem Nachnamen inzwischen fester Bestandteil. Und auch das breit gefächerte Netz ziviler Organisationen und Initiativen mit ihren jahrzehntelangen Bemühungen sind anerkannter ebenfalls Teil dieser Gesellschaft. Von was also reden wir?

Hier kommt die Vorbildfunktion der politisch Verantwortlichen ins Spiel. Es blieb der Integrationsdezernentin überlassen, den entscheidenden Satz auszusprechen, der so ehrgeizig wie notwendig erscheint. Es sind nicht nur die Zuwanderer, die der gewählte Prozess und sein 74-seitiges Hochglanzergebnis ins Blickfeld nimmt, es ist die Stadtgesellschaft in ihrer Gesamtheit und das ist gut so. Denn in der ganzen Debatte, zuletzt noch einmal kräftig durchgerührt durch einen Buchautor mit seinem Bestseller, hatte man immer den Eindruck Integration sei vor allem eine Forderung an die Zuwanderer. Sie ist aber eine Forderung an die gesamte Gesellschaft, damit auch an die Stadtverwaltung. Ob das Berichtswesen und die gewählten messbaren Indikatoren der richtige Weg sind, Integration in handlichen Statistiken zu erfassen und so ein anderes Bild zeichnen, als das in den Massenmedien vermittelte, bleibt abzuwarten.

Was die Vorbildfunktion angeht, hat die Stadt längst reagiert und sie steht nicht schlecht da. Die Verwaltung hat sich interkulturell geöffnet. Hatten im Jahr 2005 gerade ein Bruchteil der neuen Auszubildenden einen Migrationshintergrund, waren es vier Jahre später bereits mehr als ein Viertel. Die Unterstützung der interkulturellen Initiativen in der Stadt ist vom Stadtrat zuletzt mit zusätzlichen Geldern finanziell aufgepolstert worden. Broschüren werden in 18 Sprachen aufgelegt, ehrenamtliche Hilfskräfte aus den verschiedenen ethnischen Gruppen geschult und als "KiWis" ("Kinder Wollkommen") an die Haustüren geschickt, Kulturfeste wie die interkulturelle Woche sind längst etabliert. Diesen Prozess als beständige Querschnittsaufgabe in der Stadtverwaltung zu verankern, ist ein wichtiger Schritt. Ob eine selbstauferlegte Institutionalisierung der Goldene Weg ist, die gängigen Vorurteile breiter Bevölkerungsschichten gegenüber bestimmten Ethnien wirksam zu bekämpfen, ist eine gänzlich andere Frage.

Jüngst bezeichnete ein anerkannter Experte die Integrationsdebatte als "deutsches Luxusproblem". Doch einfach so funktioniert Integration eben auch nicht, das haben 40 Jahre integrationspolitischen Wachkomas in Deutschland hinlänglich deutlich gemacht. Es brauchte in Köln vier Jahre, die Gesamtschau und ihre Perspektiven einer funktionierenden Integration in Worte und Grafiken zu fassen. Das Ergebnis dieses Dialogs macht Mut und ist doch nur ein erster Schritt. Die Umsetzung wird noch viele Hürden – nicht nur finanzielle Schranken – zu überwinden haben. Integration lässt sich nun mal nicht staatlicherseits anordnen, sie muss gelebt werden. Und da wäre zu hoffen, dass auch die Migranten sich beim nächsten Mal wieder stärker einbringen. Nicht einmal acht Prozent der Wahlberechtigten nahmen an den letzten Wahlen zum Integrationsrat teil. Und der ist immerhin bei der Bestimmung der Koordinaten städtischer Integrationspolitik federführend. Nicht nur hier gibt es Optimierungsbedarf. Ein übergreifendes und gesamtheitliches Konzept kann da nicht falsch sein.

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