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27. 05. 2012
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Was kommt als nächstes? "Raucherclubs" haben ausgeraucht


07.04.2011 03:39 von:

Schlagwörter: Köln,Nichtraucherschutz,Urteil,OVG Münster,Kahlen,Stadtdirektor,Kommentar

(rk) Auch wenn die größte Tageszeitung im Lande das Urteil als "Sensation" bezeichnet, sachkundige Juristen hat das Urteil nicht wirklich überrascht. Nun herrscht endlich Klarheit, ein bereits von der alten Landesregierung verfügtes Gesetz zum allgemeinen Nichtraucherschutz in Gastronomiebetrieben hat einen Ausnahmetatbestand zugelassen und – möglicherweise bewusst – unklar formuliert. Die Detailarbeit in der Umsetzung des vom Gesetzgeber Gewollten überlassen die Verantwortlich nicht zum ersten Mal den Gerichten. Das ist kein Ende des Rauchens in Kneipen, wohl aber ein Ende eines schwelenden Konflikts und eine Niederlage für restlichen Raucher in diesem Jahr. Im kommenden Winter müssen sie in noch mehr Lokalitäten vor die Tür, um dort ihrer hochversteuerten Sucht zu frönen. Nein – das Urteil stellt nur klar, was der Gesetzgeber angedeutet hat. Unabhängig davon, ist das Ende der Debatte noch lange nicht erreicht..

Die Geschichte des Kampfes der Nichtraucher scheint nun an Fahrt zu gewinnen und es dürfte auch dem letzten Raucher dämmern, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. Dass hier aus lauter Fürsorge und dank immer neuer Studien die Gefahr einer Droge und eines äußerst schädlichen Nervengifts die Politik mal wieder einen Baustein staatlicher Bevormundung aufgesetzt hat, ist nun gerichtlich geklärt. Nun folgt der nächste Schritt: Das Rauchen in Diskotheken, während des Kinderkarnevals und auch in den letzten Einraumkneipen muss aufhören. Dabei handelt es sich gerade bei Kneipen um Räumlichkeiten, deren Besuch freiwillig ist. Dass der Gesetzgeber hier in einen weiteren "Freiraum" in der Freizeitgestaltung eingreift, scheint den wenigsten im Grundsatz klar zu sein, noch weniger die langfristigen Folgen solcherart Bevormundung. Es ist das süße Gift der Fürsorge, dass in letzter Konsequenz in Bevormundung endet. Nicht das Urteil verdient Kritik, es ist der Drang einer Gruppe von Gesundheits-Fanatikern, immer tiefer in die individuellen Lebensumstände eines jeden Bürgers einzugreifen versuchen. Ob Gesundheitsvorsorge, Sicherheit oder soziale Gerechtigkeit. Der Grundsatz lautet auch hier: Angebot erzeugt Nachfrage und das bedeutet immer weitere Eingriffe in die Sphären menschlicher Freiheit und Eigenverantwortung, folgt man der Logik der Weltverbesserer.

Wie dem Text bereits jetzt zu entnehmen ist, handelt es sich bei dem Kommentator um einen Raucher. Vorbei die Zeiten, wo man sich mit Bierglas in der einen und Ziggi in der anderen Hand die Nächte Untertan gemacht hat, um gemeinsam mit anderen Rauchern die lieben Laster zu pflegen. Die erzeugen zwar Kopfschmerzen und waren doch Teil der eigenen Erlebniswelt. Schon planen die Gesundheitsfanatiker den nächsten Schlag gegen die bösen Laster und die vielen teuflischen Substanten, die Mutter Natur und die solche Naturalien verarbeitenden Industriezweige sich Menschen ausgedacht haben. Dass Nichtraucher in den Räumlichkeiten geschützt werden müssen, die sie beispielsweise zum täglichen Broterwerb aufsuchen müssen, ist auch für eingefleischte Raucher Raucher nachvollziehbar. Dass das Wegflitschen der abgerauchten Glimmstengel ins öffentliche Straßen- und Fußwegenetz unter Strafe gestellt ist, ebenso. Bis hierhin kann auch der Raucher nachvollziehen, dass die Rücksichtnahme notwendigerweise umgesetzt werden muss, aber Kneipen? Darf eventuell zukünftig der Wohnungsvermieter in den (noch) grundgesetzlich geschützten vier Wänden der eigenen Wohnung ein Rauchverbot erteilen? Benötigen wir für den Nikotingenuss im Freien in fünf Jahren eine ordnungsbehördliche Genehmigung mit ärztlichem Testat?

Niemand wird gezwungen, in eine vollgerauchte Kneipe zu gehen. Hier geht der Staat und seine bisweilen fanatischen Anti-Raucher-Aktivisten aus den Reihen der Politik einen weiteren Schritt in Richtung staatliche Bevormundung. Ob Altkanzler Helmut Schmidt auf seine alten Tage versteht, was in diesem Land noch vorgeht? Ein anderer Großer, Rudi Carrell, starb tatsächlich an den Folgen seiner Nikotinsucht. Und doch hätte er in den 71 Jahren seines irdischen Daseins nicht einen Tag auf die kleinen Nikotinbomben verzichtet. Es bleibt die Frage: Was kommt als nächstes?: Eine verifizierte Statistik besagt, dass der Straßenverkehr trotz technischen Fortschritt und immer härterer Sanktionierungen von Fehlverhalten nach wie vor jedes Jahr Tausende Menschen das Leben kostet, viele davon auf Schnellstraßen. Müssen wir in Zukunft damit rechnen, dass auf Autobahnen zukünftig Tempo 30 gilt, weil bekanntlich der Bremsweg bei dieser Geschwindigkeit deutlich kürzer, mithin die Gefahr tödlicher Unfälle deutlich geringer ist?

Ich finde, hier ist die Eigenverantwortung gefragt und nicht der staatliche Durchgriff gegen gesundheitsgefährdendes Verhalten am eigenen Körper. Was jetzt als Sieg für die Nichtraucher-Fraktion im Raume steht, ist ein weiterer Schritt in Richtung Betroffenheitsgesellschaft, die schleichend und mit viel Gutmenschentum vorangebracht doch nicht verhindern kann, dass Menschen sterben oder ihre eigene Gesundheit anderweitig aufs Spiel setzen. Und wo, wenn nicht in ihrer Freizeit, sollten die Menschen die Freiheit haben, genau das zu tun? Konsequent wäre die Forderung nach einem generellen Rauchverbot, aber das wäre wohl zu deutlich und wahrscheinlich finanziell nicht darstellbar? So bleibt der Eindruck einer Politik, die absurder und schizophrener nicht sein kann. Der Grundsatz lautet: Kauft mehr Zigaretten (der Staat benötigt die Steuereinnahmen), aber raucht (verbraucht oder benutzt) sie nicht. Schaut man sich die gelebte Praxis in anderen Politikfeldern an und lauscht man den Worten der "Weltverbesserer", dann ließe sich das Wort "Zigaretten" ohne Weiteres um die Produktgruppen "Alkoholische Getränke", "Süßigkeiten" oder "Autos" ersetzen. Alleine es bleibt absurd und schizophren.

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