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27. 05. 2012
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Broschüre rät: keine Räume für Nazis!


06.02.2012 19:00 von:(ehu)

Schlagwörter: Rechtsextreme,Kneipen,Borschüre,Verband,Köln-Kalk,Busunternehmer

Sie mussten ohne Bier auskommen: "Kein Kölsch für Nazis" hieß die Parole bei der Neonazi-Demo im Dezember in Kalk.  Bild: ehu

Sie wissen, dass sie als Gäste nicht beliebt sind. So mieten Rechtsextreme immer wieder unter Decknamen oder einem Vorwand Versammlungssäle an. Sehr zum Ärger der nichtsahnenden Wirte. Wie die sich dagegen wappnen können, zeigt die Broschüre „Keine Räume für Nazis“. 

Auch in Köln sind solche Fälle keine Seltenheit. Erst in diesem Januar traf sich im Hinterzimmer einem Deutzer Wirtshaus eine Gruppe mit dem unverbindlichen Namen „Verein für Geschichte und Kultur“. Was der Wirt nicht wusste: Dahinter verbirgt sich die 1963 gegründete rassistische Kulturvereinigung „Volksbund Deutscher Ring“. 

Die „Jahresabschlussversammlung“ entpuppte sich als Neonazi-Treffen

Oder 2010 eine andere Kölner Gaststätte. Angemeldet war – von einem freundlichen, „normal“ aussehenden Herrn – eine Jahresabschlussversammlung mit einigen Reden. Die entpuppte sich dann als Treffen von 50 Neonazi-Kameradschaften und NPD-Mitgliedern mit lauten „Sieg Heil“-Rufen. Sehr zum Entsetzen des Kölner Wirts, der seinen Saal gutgläubig  vermietet hatte. 

Haben sich die Rechten erst einmal eingenistet, ist schwer, sie wieder herauszuwerfen – denn meist erfolgen die Vermietungen mündlich. Traut der Wirt sich nicht, sein Hausrecht geltend zu machen, ist sein Ruf ruiniert – auch wenn er sich anschließend davon distanziert. Empfehlenswert, so die Broschüre „Keine Räume für Nazis“, ist es deshalb unter anderem, vorher in einem Mietvertrag Zweck und Charakter der geplanten Veranstaltung genau schriftlich festzuhalten. Außerdem soll sich der Vermieter den Zugang zur Veranstaltung sichern, um Gesetzesverstöße zu erkennen und gegebenenfalls die Polizei rufen zu können. 

Die Hotellerie lebt von Fremden. Da sollte für Fremdenfeinde kein Platz sein

Vorbild für die Kölner Broschüre sind ähnliche Ratgeber, etwa die von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin“ (mbr) herausgegeben. In Köln haben sich die Dehoga Nordrhein, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der DGB zusammengefunden. Federführend war die „Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus im NS-Dok der Stadt Köln“ (ibs). 

„Gastronomie und Hotellerie leben von Fremden“, begründet Mathias Johnen von der Dehoga das Engagement des Fachverbands. Auch wenn er seinen Mitgliedern nicht vorschreiben könne, an wen sie vermieten, sollten sie aufpassen, ob sich da etwas „Braunes“ einschleiche. Weil das aber immer wieder geschehe, sei es die Pflicht der Dehoga, ihre Mitglieder vorbeugend zu beraten. 

Hendrik Puls von ibs appelliert an die Courage der Vermieter: „Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten und verweisen Sie extrem rechte Gruppen aus ihren Räumen!“. Es sei möglich, einen demokratischen Standpunkt zu beziehen und extrem rechte Versammlungen in den eigenen Räumen zu unterbinden. Stephan Otten vom DGB Köln wünscht sich eine öffentliche Diskussion über „Werte oder Geschäfte?“. 

Das Busunternehmen "Eifelgold" wurde unfrewillig zum Transporteur von "Pro Köln". Bild: ehu

Busunternehmer jubelte seinen Kollegen rechtsextreme Fahrgäste unter

Doch nicht nur Gastwirte und Hotelbesitzer können in die rechte Falle tappen. Auch Stadtverwaltungen, die Sportplätze vermieten, oder Schrebergärtner mit ihren Vereinshäusern. Oder Busunternehmen – wie gerade erst bei der Demonstration der „Bürgervereinigung pro Köln“ Ende Januar in Köln-Kalk. Zwei Unternehmen aus dem Umland karrten die Rechtsextremen an. Andreas Rzepak, Jung-Busunternehmer aus Pulheim, hatte sie an die Konkurrenz vermittelt, weil er selber – wie er sagt – gerade ausgebucht war. „Hätte ich gewusst, wen wir da fahren sollen, hätte ich abgesagt“, sagt Walter Paas von Paas-Reisen in Dormagen. Er fühle sich „verarscht“. 

Noch ärgerlicher war für Markus Wolgarten von „Eifelgold-Reisen“ aus dem Eifelörtchen Simmerath die Angelegenheit. Auch er hatte die Vermittlung angenommen, ohne zu wissen, wen er fährt. Dass dann auch noch ausgerechnet der Bus im Einsatz war, der sonst für die Prinzengilde aus Eschweiler fährt – deren Name auch den Bus ziert – sorgte für gewaltigen Ärger mit und bei den Karnevalisten. 

Rzepak, Chef der Andreas-Reisen, hat dagegen keine Schwierigkeiten, für pro Köln zu fahren. „Das sind für mich Kunden wie der andere auch. Außerdem bieten sie Konditionen wie sonst keiner.“ Hinzu komme, dass sie den Bus nicht so „versauen“ wie Linke. 

Die Broschüre liegt kostenlos bei der Dehoga, beim DGB, Verdi und der NGG aus. Außerdem zum Herunterladen im Internet unter: www.koeln-bonn.dgb.de.







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