27. 05. 2012
Seite drucken
Kölner Bürger-Bündnis startet Wahlkampagne
Gegründet im März 2004 verfehlte das Bündnis seine damals
hochgesteckten Ziele. Mit zwei Mandaten im Rat und je
einem Vertreter in den Bezirksvertretungen Innenstadt, Rodenkirchen und
Nippes versuchte die Wählergemeinschaft seither ihre Schwerpunkt in die
Öffentlichkeit zu transportieren. Messeskandal, Bauprojekte,
Bürgerhaushalt, die Themen gingen dem „nichtideologischen“ Bündnis
nicht aus. Nachdem der zwischenzeitliche Austritts ihrer zweiten
Mandatsträgerin die Formation auf einen Einzelsitz im Stadtrat
reduzierte, wurde es etwas ruhiger. Nun will man mit neuem Design und einer
neuen Kampagne den Kampf um die Stimmer der Kölner Bürger aufnehmen.
Und auch nach den ersten vier Jahren sind viele der ursprünglichen
Themen keineswegs vom Tisch, wie der Spitzenkandidat des Bündnisses Dr.
Martin Müser andeutete.
Schwerpunkte des kommenden Wahlkampfes
In einer Auftaktveranstaltung im ehemaligen Bel Air in Köln-Braunsfeld
starteten die Bündnismitglieder am heutigen Freitag, schon am kommenden
Mittwoch soll es in Sülz weitergehen. Mit 20.000 Flugblättern hatte man
im Vorfeld auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Bereits kurz nach
dem offiziellen Beginn kamen die ersten Gäste auf das Gelände, um bei
Kölsch und Live-Musik über Kommunalpolitik und die zukünftige Rolle
einer freien Wählergemeinschaft zu diskutieren. OB-Kandidat Müser sieht die
Kölner Probleme dabei vor allem grundsätzlich. „Es fehlt das
zielorientierte Führungshandeln. Entscheidungen werden dezentral
getroffen ohne ein gemeinsames Leitbild“, so Müser. Beispiele dafür
gebe es genug. Insbesondere der jüngst angekündigte Ausbau der
Stadtverwaltung um knapp 950 Stellen (netto) stößt bei der
Führungsriege der Wählergemeinschaft auf Unverständnis, zumal die
Personalkosten nach Ergebnisplan im Jahr 2009 höher ausfallen sollen,
als nach offizieller Darstellung (Köln Nachrichten berichtete). Auch
die Kostenexplosion in Sachen Oper-Ersatzquartier findet unter den
Mitgliedern keinen Beifall. KBB-Chef Henseler, selbst 13 Jahre als
Beigeordneter für den Bereich Schule intimer Kenner verwaltungsinterner
Abläufe, entrüstete sich regelrecht, als er auf die Kostensteigerung zu
sprechen kam. „Geld spiel keine Rolle mehr“, war noch eine harmlos
klingende Umschreibung.
KBB-Spitzenkandidat Müser, der seit zwei Jahren im Kölner Stadtrat das
KBB vertritt, will
mit fünf Schwerpunktthemen die Kölner dazu motivieren, ihm ihre Stimmen
zu geben. So sei die Wählergemeinschaft unideologisch und unabhängig,
höchstes Ziel sei eine solide Finanzpolitik und mehr Bürgerbeteiligung
zum Beispiel in Bauprojekten, stehen auf der Agenda. "Ich traue mir zu,
die notwendigen Anstöße zu geben", erklärte Müser in einem
Pressegespräch. Aber auch am System der Kölner Politik muss
sich etwas ändern. „Die Verantwortlichen werden getrieben von
Dringendem und haben keine Ressourcen für Wichtiges. Da gibt es
durchaus
einen Unterschied“, erläuterte der 45-jährige Kommunalpolitiker. Das
Beispiel Godorfer Hafen zeige zudem noch ein anderes Phänomen. „Die
Verwaltung hat einfach eine falsche Denke“, so Müser weiter. Zur
soliden
Finanzpolitik gehöre aber auch die strikte Beschränkung städtischen
Handelns auf kommunale Daseinsvorsorge. GAG und Netcologne gehören
nicht dazu, stellte Müser klar. Die freiwerdenden Spielräume will Müser
im Bereich Bildungsbereich investieren. Auch bei der Bürgerbeteiligung
könne er sich einen Ausbau vorstellen. Besonders bedauert
Müser die Entscheidung, den Bürgerhaushalt aufgrund des Doppelhaushalts
ins nächste Jahr zu verschieben.
Termin ist zweitbeste Lösung
Die Wählergemeinschaft will sich in ihrem Wahlkampf auch und vor allem
von der so genannten „Bürgerbewegung“ distanzieren. Noch bei den
letzten Wahlen, soviel räumten die Verantwortlichen ein, hatten viele
die Wählergemeinschaft mit der rechtspopulistischen Formation
verwechselt. Aber nicht nur das neue Design soll bei dieser Wahl
verhindern, dass andere vom guten Ruf einer freien Wählervereinigung
profitieren. Auch inhaltlich wolle man sich intensiv von den "Rechten"
distanzieren und die eigenen Themen betonen. Stratege Henseler sieht
das Bündnis dabei auf einem guten Weg. "Noch lächeln sie alle", so
Henseler und hofft mit dem Bündnis nach der Wahl eine wichtigere Rolle
im nächsten Stadtrat zu spielen. Die Diskussionen um
den Wahltermin verfolgten die Verantwortlichen mit gemischten Gefühlen.
Besser wäre ein eigener Termin für die Wahlen zum Stadtrat, zu den
Bezirksvertretungen und zum Oberbürgermeister gewesen. „Das wäre der
Bedeutung kommunaler Themen besser gerecht geworden. „Die
Zusammenlegung mit der Europawahl ist die zweitbeste Lösung“, erklärte
Henseler abschließend.

























