27. 05. 2012
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Kölner CDU empfiehlt Bietmann Verzicht auf Bundestagskandidatur
Die öffentliche Debatte um die Kandidatur des Kölner CDU-Politikers Prof. Rolf Bietmann hat nun auch in seiner eigenen Partei für Unmut gesorgt. Am späten Donnerstagabend appellierte der Kreisvorstand der Kölner Christdemokraten den Parteifreund dazu auf, auf eine Kandidatur für den Bundestag zu verzichten. Nicht zum ersten Mal droht dem 54-jährigen Politiker die Zuneigung seiner eigenen Parteifreunde entzogen zu werden.
Nach einer Sitzung des Kölner Parteivorstandes appellierte der Kreisvorstand an den Vorsitzenden nach Bekanntwerden seiner geschäftlichen Aktivitäten für die Sparkasse KölnBonn, auf eine erneute Kandidatur für den Deutschen Bundestag zu verzichten. "Jeder Kandidat der CDU hat die Verpflichtung, alles für den Wahlerfolg der CDU zu tun. In der aktuellen Situation ist eine Bundestagskandidatur von Prof. Bietmann für die CDU nicht tragbar", heißt es in dem Auruf des Parteivorstandes. Die Vermischung von einem angestrebten politischen Mandat in der höchsten deutschen Volksvertretung und den nun bekannt gewordenen geschäftlichen Verbindungen zur Sparkasse KölnBonn seien den Bürgerinnen und Bürgern nicht zu vermitteln. Man erwarte einen Verzicht, hieß es dort weiter.
Bietmann: genial und gierig?
Der erneute Streit um die Person des CDU-Politikers entbrannte nach Bekanntwerden eines Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Für Beraterleistungen im Zusammenhang mit der Vermittlung des Versicherungskonzerns Talanx in die Kölner Rheinhallen (ehemalige Messegebäude) soll der Jurist ein Honorar in Höhe von 900.000 Euro erhalten haben. Daraufhin entbrannte eine öffentliche Debatte um die Vermengung privater Wirtschaftsinteressen – Bietmann ist Inhaber einer Rechtsanwaltskanzlei in unmittelbarer Nähe zum Rathaus – und seiner ehemaligen und jetzigen Tätigkeiten als Politiker. So übt Bietmann unter anderem das Amt des Vorsitzenden im Aufsichtsrat der Kölner RheinEnergie AG aus. Zwischen 1999 und 2004 stand der Kommunalpolitiker zudem dem Kontrollorgan der damaligen Kölner Stadtsparkasse vor.
Schon früh stieg Bietmann innerhalb der Kölner CDU auf. Mit 21 Jahren saß er bereits für seine Fraktion im Stadtrat, wurde in kurzer Folge Vorsitzender verschiedener Ratsausschüsse, ehe er nach Promotion (1981) und zweitem juristischen Staatsexamen im Jahr 1987 im Alter von nur 33 Jahren erster Bürgermeister der Stadt wurde. Mit 41 Jahren folgte die Berufung als Professor für Wirtschafts- und Arbeitsrecht an die Universität und Fachhochschule in Erfurt. 1998 schließlich wurde er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat. Nach der Abstimmungsniederlage beim geplanten Verkauf der städtischen Mehrheit am GAG-Konzern im Dezember 2002 trat er kurze Zeit später von diesem Posten zurück. Allerdings saß Bietmann zu jener Zeit bereits einige Monate als Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Seine Wiederwahl 2005 scheiterte an einem schlechten NRW-Landeslistenplatz und der Niederlage gegen seine SPD-Konkurrentin Dr. Lale Akgün.
Bietmann – der Netzwerker
Obwohl er seit 2005 politisch kaum noch in Erscheinung trat, ist Bietmann nach wie vor, Mitglied in zahlreichen Gremien. Neben dem Vorsitz im Kontrollgremium des Energieversorgers RheinEnergie AG ist Bietmann Mitinhaber einer erfolgreichen Rechtsanwalts-, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei mit Hauptsitz in Köln und Niederlassungen in vier deutschen Städten, Mit-Gesellschafter der Politikberatungsgesellschaft PKS GmbH in Berlin und Brüssel (zusammen mit dem ehemaligen Regierungssprecher Friedhelm Ost und dem ehemaligen Staatssekretär Georg Wilhelm Adamowitsch). Vorsitzender des PKS-Beirats ist übrigens der ehemalige SPD-Politiker Wolfgang Clement. Bietmann hat darüber hinaus Sitz und Stimme im Beirat der Sparkassentochter SKI, im Verwaltungsrat der Provinzial Rheinland Holding in Düsseldorf und ist stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats des Kölner Eishockeyclubs "Die Haie".

























