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28. 11. 2014
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Kölner Unionsfraktion macht konkreten Einsparvorschlag


09.11.2012 16:00 von:(rk)

Schlagwörter: CDU,Moratorium,Jüdisches Museum,Archäologische Zone,Siegerentwurf,Einsparung

Noch sieht der Platz vor dem Rathaus eher wie ein frisch entschärftes Minenfeld aus. Die dortige Archäologische Zone sollte eigentlich einen Mueumsneubau erhalten. Bild: ehu/Archiv

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der städtische Haushalt in Köln im späten Herbst eine Verschlechterung von etwas mehr als 90 Millionen Euro verkraften muss. Damit erhöht sich das voraussichtliche Defizit im städtischen Haushalt alleine in diesem Jahr auf rund 320 Millionen Euro. Auch wenn der zuständige Finanzausschuss der Stadt sich erst am kommenden Montag mit der Haushaltssituation beschäftigt, trommeln die Parteien bereits im Vorfeld. Die Unionsfraktion präsentierte am heutigen Freitag dazu einen ersten konkreten Einsparvorschlag.

So soll der Neubau des Hauses der Jüdischen Kultur und Geschichte nach dem Willen der Kölner Christdenmokraten ausgesetzt werden. Mithilfe eines Moratoriums soll die Baumaßnahme, deren oberirdischer Teil die Stadt aus eigener Tasche finanzieren muss, auf den Zeitpunkt verschoben werden, wenn sich die finanzielle Situation der Stadt entspannt habe. Über der darunter liegenden Archäologischen Zone sollen Schutzbauten errichtet werden. Die Archäologische Zone indes muss fertig gestellt werden, da hier eine 80-prozentige Landesfinanzierung bereits bewilligt wurde. Das Projekt ist eines der geförderten Schwerpunktvorhaben der Regionale 2010.

Kommen doch einfache Schutzbauten

„Es ist skandalös, dass SPD, Grüne und FDP ernsthaft ein neues Museum errichten wollen, während der Oberbürgermeister laut darüber nachdenkt, bis zu vier bestehende Häuser zu schließen“, kritisierte Dr. Ralph Elster, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Das Defizit für das laufende Haushaltsjahr liegt inzwischen bei mindestens 320 Millionen Euro und der Schuldenberg wird weiter wachsen, wenn der Oberbürgermeister und die Kämmerin nicht endlich das Ruder herumreißen“, legte CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka nach.

Städtebauliches Highlight in Gefahr

Hohes Lob erhielt der Siegerentwurf für das Haus der Jüdischen Geschichte in Köln. Das Büro Wandel Höfer Lorch + Hirsch sieht jedoch eine Kopplung von unter- und oberirdischem Neubau vor. Bild: Stadt Köln

Das Haus der Jüdischen Kultur ist die oberirdische Fortsetzung der unterirdischen Grabungsstätte. In den vergangenen Jahren haben die Archäologen hier Hunderttausende Artefakte aus dem Untergrund geholt und so wichtige Beweisstücke aus der Frühzeit der mehr als 2000-jährigen Stadtgeschichte zu Tage gebracht. Der heutige Rathausplatz war früher Standort der Jüdischen Synagoge. Die Jüdische Gemeinde in Köln galt über viele Jahrhunderte im Mittelalter als die größte nördlich der Alpen.

Der Siegerentwurf eines 2008 ausgelobten Architektenwettbewerbs vom Büro Wandel Hoefer Lorch + Hirsch sieht indes – als einziger der damals eingereichten Arbeiten – eine direkte Kopplung zwischen unterirdischem und oberirdischen Bauwerk. Die veranschlagten Baukosten lagen nach aktueller Veranschlagung bei mehr als 53 Millionen Euro. Mehr als 14 Millionen werden als Landesfördermittel für die Archäologische Zone beigesteuert.

Hohes Risiko mit dem Siegerentwurf

Kurz nach der offiziellen Präsentation des Wettbewerbssiegers kam es in Köln auch zu einer Abstimmung seitens der Bürgerschaft. Zuvor hatte sich massiver Widerstand formiert, unter anderem auch vonseiten einiger Anlieger. Zwar soll nach derzeitigem Stand der Dinge der Landschaftsverband den Betrieb des Museums zu 100 Prozent übernehmen, trotzdem könnte die Stadt mit einem Moratorium eine Menge Geld sparen. Dafür kommt allerdings ein Provisorium, dessen städtebauliche Qualität eher bescheiden ist.

Und so richtig krönend für das darunter liegende Regionale 2010-Schmuckstück ist eine solche vorrübergehende Lösung auch nicht. Jetzt rächt sich, dass die Fachjury des damaligen Wettbewerbs ausgerechnet den einzigen Entwurf zum Sieger bestimmte, der definitiv die Archäologische Zone mit dem oberirdischen Museum verknüpft hat. Die damalige Entscheidung war bis auf eine Ausnahme einstimmig. Man hätte auf die Einzelstimme hören sollen.







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